Niedrigzinsumfeld

Die Geldpolitik der Notenbanken und das damit einhergehende Niedrigzinsumfeld hat die globalen Anleihenmärkte auf den Kopf gestellt. Mit Schwellenländeranleihen können Anleger ihre Ertragsziele dennoch erreichen – wenn sie umsichtig investieren und nicht ausschließlich auf die Rendite blicken.

Niedrigzinsumfeld bleibt längerfristig bestehen

In den vergangenen 30 Jahren herrschten für Anleger in der Welt der Anleihen größtenteils paradiesische Zustände. Dank konstant sinkender Zinsen und daraus resultierenden Kurssteigerungen lieferte die Anleihekomponente eines klassischen Kernportfolios quasi von alleine Erträge. Mittlerweile ist allerdings kaum noch Spielraum für weitere Zinssenkungen vorhanden.

Die durchschnittliche Rendite im Staatsanleihenbarometer Barclays Global Treasury Index liegt bei lediglich 0,63 Prozent; die von zehnjährigen deutschen Bundesanleihen und Schweizer Anleihen sogar im negativen Bereich. Attraktive Alternativen lassen sich derzeit noch bei Hochzins- und Schwellenländeranleihen finden.

Hochzinsunternehmensanleihen und Staatsanleihen aus Schwellenländern bieten nach wie vor Renditen im Bereich der langfristigen historischen Mittelwerte (Median) von vier bis sechs Prozent. Damit schneiden sie auch im direkten Vergleich mit Investmentgrade-Unternehmensanleihen gut ab: US-High-Yield-Anleihen bieten beispielsweise eine Verfallrendite von knapp sieben Prozent bei einer vergleichsweise kurzen modifizierten Dura-tion von vier. Bei paneuropäischen Hochzinsanleihen liegt die Rendite bei ähnlich kurzer Duration (Kapitalbindungsdauer) bei immerhin rund vier Prozent. Die zweite Option, auf Hartwährung lautende Staatsanleihen von Schwellenländern, bietet eine Rendite von 4,7 Prozent bei einer Duration von 7,4. Die Duration ist bei der Betrachtung wichtig, da sie ein Indikator für die Auswirkungen möglicher Zinserhöhungen ist: Je höher die Duration, desto stärker leidet eine Anleihe prinzipiell unter steigenden Zinsen. Durch das Lockerungsprogramm der Europäischen Zentral-bank ist die Duration im Euro-Aggregate-Index zuletzt markant gestiegen. Auch im US-Aggregate-Index liegt sie nahe ihres historischen Höchststandes. Bei Schwellenländer- und Hochzinsanleihen bewegt sich die Duration hingegen im Bereich der Medianwerte.

Schwellenländerstaatsanleihen sind liquider und sicherer

Zwar bieten sowohl Hochzinsunternehmensanleihen als auch Schwellenländerstaatsanleihen (EM) insgesamt relativ attraktive Renditen, letztere weisen allerdings unter dem Strich eine bessere Bonität (Kreditwürdigkeit) auf. Das liegt daran, dass Schwellenländeranleihen – einem verbreiteten Vorurteil zum Trotz – nicht zwangsläufig auch High-Yield-Anleihen sind. Mehr als die Hälfte der EM-Staatsanleihen (52 Prozent) verfügt über ein Investment-Grade-Rating (Status von Wertpapieren, die eine gute Bonität aufweisen und somit „Investmentqualität“ besitzen). Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Anleiheinvestments ist die Liquidität, also die ständige Handelbarkeit zu möglichst geringen Kosten. US-Hochzinsanleihen schneiden in dieser Hinsicht schlechter ab als Staatsanleihen aus Schwellenländern. Besonders deutlich wurde das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008, als die Handelskosten der Hochzinsanleihen noch stärker in die Höhe schossen als die anderer Assets. Und gerade in solchen Stressphasen ist Liquidität für Anleger besonders wichtig.

Die Indexzusammensetzung kann Erträge entscheidend beeinflussen

Mithilfe von Exchange Traded Funds können Anleger inzwischen kostengünstig und zugleich breit diversifiziert in Schwellenländeranleihen investieren. Doch auch hier sollten sie genau hinschauen. ETF ist nicht gleich ETF – und gerade bei passiven Investments können sich Unterschiede in Bezug auf den abgebildeten Index spürbar auf die Erträge auswirken. In Indizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, haben Emittenten, die mehr Anleihen begeben, ein höheres Gewicht. Als Resultat konzentriert sich das Gesamtrisiko auf eine Handvoll sehr hoch verschuldeter Länder. So stammten im zweiten Halbjahr 2016 rund 52 Prozent aller Schwellenländerhartwährungsanleihen von nur sieben Staaten. Neben den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China waren dies Indonesien, Mexiko und Venezuela.

Wie sich ein Investment in einen marktkapitalisierungsgewichteten Index auswirken kann, zeigt das folgende Beispiel: Die Anleihen dieser sieben am höchsten verschuldeten Staaten boten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich eine um 0,24 Prozentpunkte höhere monatliche Rendite als durationsneutrale US-Staatsanleihen. Die monatliche Gesamtperformance aller Schwellenländer lag im selben Zeitraum allerdings sogar um 0,37 Prozentpunkte über der von US-Treasuries. Es erscheint daher ratsam, Engagements in Titel der meistverschuldeten staatlichen Emittenten möglichst zu reduzieren und in Anleihen weniger verschuldeter Staaten umzuschichten.

Eine breitere Diversifikation kann dabei helfen, die Abhängigkeit von einzelnen Emittenten auf einfache Weise zu begrenzen. Ein Beispiel für einen solchen Index ist der „Barclays EM USD Sovereign and Quasi-Sovereign 3% Capped Index“. Wie der Name verrät, werden einzelne Emittenten in diesem Index nur bis zu drei Prozent – dem sogenannten Cap – gewichtet. Gemessen an der Gesamtrendite über die vergangenen drei Jahre schnitt der Barclays-Index unter allen EM-USD-Indizes am besten ab und konnte eine um insgesamt mehr als 250 Basispunkte bessere Entwicklung vorweisen. Anleger konnten also mit der klugen Auswahl eines passenden Index gleichzeitig Klumpenrisiken vermeiden und ihre Erträge steigern.

Über den Autor

dag rodewaldDag Rodewald
Leiter UBS ETF Deutschland & Österreich, verfügt über eine 20-jährige Erfahrung in der Betreuung deutscher institutioneller Anleger.

Dieser Beitrag stammt aus unseren ETP-Spezial 2016. Stand November 2016.

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Maximilian Stratz studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Seit 2016 ist Maximilian Stratz im Redaktionsteam des EXtra-Magazins beschäftigt.