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Marktkommentar von Dr. Alexander Seibold: Soll Deutschland den Euro verlassen?

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Der Vorteil der Mediengesellschaft ist, dass Diskussionen, die früher eher im Verborgenen stattgefunden hätten, sich verfolgen lassen. Dazu gehört die auf den ersten Blick gewagte These, dass ausgerechnet der Euro-Gründer Deutschland die Gemeinschaftswährung verlassen könnte. Ein Verfechter ist Joseph Stiglitz, Wirtschafts-Nobelpreisträger 2001 und heute Professor an der Columbia-Universität in New York. In seinem Buch „Im freien Fall“ skizziert er die Vorteile, die sich für Deutschland und der Europäischen Union ergeben würden.

In dasselbe Horn bläst Harald Uhlig, der aus Deutschland stammende Volkswirtschafts-Professor in Chicago votiert ebenfalls für eine deutsche Wirtschaft mit eigener Währung. In einem News-Blog analysiert er Pro und Contra ebenso wie das Londoner Analyse-Haus GFC Economics. Die Analysten sehen den Austritt Deutschlands aus dem Euro als Befreiungsschlag, nicht etwa als das Ende der Gemeinschaftswährung. Das Argument: Es wäre eine Chance für mehr Wachstum für beide Seiten und ein Ende aus der Schuldenspirale. Denn ohne eine durchgreifende Reform des Euro setzt sich aller Voraussicht nach der Trend fort, den der Chart beschreibt: Investoren bevorzugen Schweiz, USA, Japan oder China, weil Sie dort durch steigende Wechselkurse gewinnen. Eine Entwicklung, die gerade Deutschland langfristig schwächt.

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Wertentwicklung wichtiger Währungen gegenüber dem Euro, indexiert. Quelle: FVBS Fundanalyzer

Sicher ist es – wie man so sagt – politisch nicht korrekt, darüber nachzudenken. Aber erlauben Sie mir, die Gedanken doch noch auszuführen. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es „nur“ um die Einführung einer neuen Recheneinheit geht, die für die Vermögenswerte erst einmal neutral ausfällt. Danach würde sicherlich die DM-Neu im Verhältnis zum Euro und Dollar kräftig aufwerten. Dies hätte gleich zwei Vorteile: Die Kaufkraft unserer Einkünfte im Ausland nimmt deutlich zu, gleichzeitig sind unsere Euro-Schulden im Ausland weniger wert. Umgekehrter Effekt: Der „Rest-Euro“ wertet ab, dies hilft vor allem den südeuropäischen Länden, ihre Exporte zu steigern, zu wachsen und ihre Schulden zu reduzieren. Im Gegensatz zur Entwicklung des Euro sehen wir bei Dr. Seibold Capital die Entwicklung der Aktienmärkte positiv. Ein Anstieg des deutschen Standardwerte-Index DAX auf 7500 Punkte wäre bis zur Jahresmitte durchaus vorstellbar. Die Gründe sind ein weiter starkes Wirtschaftswachstum in Deutschland und ein Erstarken der US-Wirtschaft. Aus den Schwellenländern, ein wichtiger Exportmarkt für deutsche Unternehmen, erwarten wir zumindest keinen Gegenwind. Abschließend noch einen Blick auf den Rentenmarkt. Bei Anleihen mit Laufzeit von mehr als einem Jahr, auch bei Bundesanleihen, überwiegen derzeit die Risiken gegenüber den Chancen. Das Risiko von Kursverlusten wird derzeit nicht durch die erzielbaren Zinskupons kompensiert. Dagegen erscheinen uns für konservativ ausgerichtete Investoren Edelmetalle wie Silber oder Palladium als Wert erhaltende Kapitalanlage sinnvoll.

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