Start ETF-News Mit den Zinsen steigt auch das Risiko

Mit den Zinsen steigt auch das Risiko

116

Renten-ETFs haben auf mehreren Ebenen an Attraktivität eingebüßt, denn das niedrige Zinsniveau lässt bei diesen Fixed-Income-Produkten kaum noch Gewinne zu. Mehr noch, nun drohen Anlegern, die diese Produkte im Portfolio haben sogar Verluste. Der Grund: Die Performance der klassischen Renten-Indizes steigt, wenn die Zinsen sinken.

„Das Verhältnis von Zinssätzen und Preisen ist invers. Das heißt, wenn die Zinssätze sinken, steigen die Preise und umgekehrt“, sagt Blanca König, Renten-Expertin von BlackRock und erläutert: „Wenn ich zum Beispiel eine Anleihe mit einer 20-jährigen Duration habe und der Zinssatz, also die Zinskurve, sich um ein Prozent erhöhen würde, dann würde meine Anleihe ungefähr um 20 Prozent im Wert fallen.“ Bei fallenden Zinsen steigen die Preise entsprechend. Generell sei es so, dass kurzlaufende Anleihen ein geringeres Zinsänderungsrisiko aufweisen als langlaufende.

Die Zinsen müssen zwangsläufig steigen

Nun ist das Zinsniveau seit geraumer Zeit auf dem Tiefpunkt. Die Zinsen müssen zwangsläufig steigen. Die Frage ist nur, wann und wie schnell. In jedem Fall bedeutet das für die Anleger ein erhöhtes Risiko der Kursverluste. Das sich die Investoren über dieses Szenario im Klaren sind, ließ sich bereits am Handelsverhalten zu Jahresbeginn ablesen.

„Klar auf der Verkäuferliste standen im Januar Fixed Income über alle Laufzeiten und Cash-ETFs. Die einzigen Produkte die sich diesem Trend unserer Meinung nach entziehen konnten waren Corporate Bond ETFs und das High Yield Produkt aus dem Hause iShares“, erläutert Oliver Kilian, ETF-Experte von der UniCredit. High-Yield-Bonds sind Anleihen mit schlechteren Ratings als BBB, so genannte Subinvestment- Grades. Die Emittentenbonität der Anleihen ist hier weniger gut. Sie weisen ein höheres Risiko, aber auch höhere Renditen als Anleihen mit Investment- Grade aus. Momentan gibt es viele High Yield Bonds am Markt. Weil die Banken seit der Finanzkrise zurückhaltend mit der Kreditvergabe sind, sind nach wie vor viele Unternehmen gezwungen, sich Alternativen zu suchen, um an Kapital zu kommen. Das Angebot an hochverzinslichen Unternehmensanleihen ist also da und der Bedarf an High-Yield-Produkten auch. Was die Hierarchie unter den Rentenprodukten angeht, ist es generell so, dass Staatsanleihen entwickelter Länder als besonders sicher gelten und meist gute Ratings aufweisen – diese Faustregel hat sich seit vergangenem Jahr mit den hoch verschuldeten südeuropäischen Ländern geändert.

Schwellenländer-Anleihen sind beliebt

Das beste Rating ist AAA. Danach folgen Pfandbriefe, weil man bei ihnen zusätzlich zum Emittenten noch eine Sicherheit durch die Vermögen, die dahinter stehen, hat. An dritter Stelle folgen Unternehmensanleihen. Auch im Unternehmensbereich unterscheidet man zwischen Investment-Grade-Bonds und High-Yield-Bonds – abhängig vom Rating. Und dann gibt es noch die Schwellenländer-Anleihen. Einige verfügen über ein Investmentgrade-Rating, andere haben das nicht. Momentan sind Schwellenländer-Anleihen beliebt, weil die Emerging Markets derzeit eine niedrigere Schuldenquote als die Industriestaaten haben. Allerdings kommt es da auch wieder auf das jeweilige Land an.

High Yield und mehr Risiko sind gefragt

iShares hat Ende November den iShares Markit iBoxx Euro High Yield ETF, den weltweit ersten High-Yield Indexfonds, an die Frankfurter Börse gebracht und erst kürzlich haben sich die ETF-Plattform Source und der weltweit größte Manager von Anleihen, PIMCO, zu einer gemeinsamen Gesellschaft zusammengetan, un nun neue Rentenprodukte auf den Markt zu bringen. „Hinter den PIMCO Source ETFs steckt die Idee, auf die Herausforderungen der gegenwärtigen Marktbedingungen zu reagieren und Chancen im Rentenbereich dort aufzugreifen, wo sie entstehen“, sagt Ted Hood, CEO von Source. Das Neue ist, dass PIMCO Source Renten-ETFs anbietet, bei denen die Indizes aktiv verwaltet werden. Der PIMCO European Advantage Government Bond Index Source hat kein Market Cap, sondern ist nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewichtet. Bei einem Renten-Index mit einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung, die sich aus der Multiplikation von Kurs und Anzahl ergibt, kann es sein, dass Länder wie Portugal übergewichtet werden. Beim BIP als Gewichtungskriterium wird dagegen wirtschaftliche Stärke im Index hochgewichtet. Der zu Grunde liegende Index umfasst in Euro denominierte Staatsanleihen der Eurozone mit Investment-Grade. „Investoren können mit diesem Produkt die übermäßige Gewichtung hochverschuldeter Länder, wie sie bei kapitalisierungsgewichteten Indizes häufig der Fall ist, umgehen“, so Hood.

BörseGo AG: Kostenlose Downloads der Sonderpublikationen hier.

TEILEN
Vorheriger ArtikelZwischenbilanz der öffentlichen Defizite
Nächster ArtikelETF-Pressespiegel – KW 18
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.