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Rückwirkend ist man immer schlauer. Dr. Alex Hinder stellt deshalb einfache Regeln vor, mit denen Anleger in künftigen Krisenzeiten hohe Verluste vermeiden können.

Bei jedem Börsenabschwung haben Psychologen Hochkonjunktur: Immer wieder verlieren Anleger ihre gesamten Ersparnisse und werden im Anschluss von Existenzängsten geplagt. Befolgt man aber gewisse Regeln, dürfte man einfacher durch jede Krise kommen. Dr. Alex Hinder von der Züricher Hinder Asset Management AG stellt die vier wichtigsten Regeln für eine erfolgreiche Geldanlage vor.

1. Risikotoleranz

Bevor überhaupt Anlagen getätigt werden, sollte jeder Anleger eine auf seine Bedürfnisse abgestimmte langfristige Anlagestrategie definieren. Dabei wird die Höhe der risikoreicheren Anlagen wie Aktien oder Rohstoffe durch die persönliche Risikotoleranz bestimmt. Je höher die Risikotoleranz ist, desto größer darf beispielsweise die Aktienquote sein. Die Risikotoleranz ergibt sich aus der Risikofähigkeit und der Risikobereitschaft.

Die Risikofähigkeit eines Anlegers ist stark abhängig von seiner finanziellen Situation, kann also objektiv ermittelt werden. Risikofähig sind Anleger mit einem großen Vermögen bzw. solche, die einen großen Teil ihres jährlichen Einkommens sparen können.

Die Risikobereitschaft auf der anderen Seite ist stark abhängig von den Charaktereigenschaften und dem Finanzwissen des Anlegers, also von subjektiven Faktoren. Diese sind schwieriger zu erfassen als die Risikofähigkeit. Risikobereit ist, wer trotz Finanzmarktturbulenzen gut schlafen kann und bei einem Kursverlust von über 20 % nicht gleich mit Panik reagiert. Das Problem ist, dass viele Menschen ihre Risikobereitschaft während Phasen steigender Aktienmärkte überschätzen und dann bei einem Einbruch die Nerven verlieren und Hals über Kopf alles verkaufen. Es zeigt sich also meist erst in turbulenten Börsenzeiten, ob die Risikobereitschaft des Anlegers richtig eingeschätzt wurde.

2. Diversifikation

Viele Depotanalysen machen deutlich: Mangelnde Diversifikation gehört zu den häufigsten Anlagefehlern bei Privatanlegern. Sie legen ihr Geld am liebsten im Heimmarkt an. Offenbar sind sich viele Anleger nicht bewusst, dass sie durch eine breite Streuung der Anlagen das Gesamtrisiko ihres Portfolios deutlich senken können. Das Anlagevermögen sollte also immer auf verschiedene Anlageklassen mit möglichst unterschiedlichen Eigenschaften verteilt werden. Eine breite Diversifikation sollte aber nicht nur bei der Anlagestrategie angestrebt werden, sondern auch bei der Umsetzung im Portfolio. Um den Anteil Aktien USA abzudecken, genügt es nicht, einfach nur einen US-Titel, wie zum Beispiel Coca-Cola, zu kaufen. Das Risiko, dass sich eine einzelne Aktie viel schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt, ist viel zu groß. Es empfehlen sich daher indexnahe Anlagen wie ETFs für die Umsetzung der Anlagestruktur (Asset Allocation).

3. Anlagen verstehen

Die aktuelle Krise hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig die Wahl des richtigen Anlageinstruments ist. Anleger sollten sich vor dem Kauf eines Produktes immer genau vergewissern, welchen Risiken sie sich damit aussetzen. Unrealistisch hohe Renditeversprechen sind ein Indiz, dass das Investment mit erhöhten Risiken verbunden ist. Geht etwas schief, dann sind die Anleger besonders hart getroffen, welche die goldene Regel der Diversifikation nicht befolgt hatten.

4. Emotionen ausschalten

iStock_000008125274SmallDer Homo oeconomicus ist ein Mensch, der Informationen sammelt, bewertet und gemäß seinen eigenen Präferenzen entscheidet. Er geht dabei rational vor, hat sämtliche Informationen zur Verfügung und kann diese auch vollständig verarbeiten. In der realen Welt existiert dieser Homo oeconomicus aber nicht. Dies ist einer der Hauptgründe, warum es an den Märkten zu Übertreibungen nach oben und unten kommt.

Anleger werden stark von Emotionen geleitet: Selbstüberschätzung, Verlustaversion und Herdentrieb sind nur einige der bekanntesten Effekte aus der Behavioral-Finance-Forschung. Diese nobelpreisgekrönte Forschungsrichtung beschäftigt sich mit dem systematischen Fehlverhalten der Anleger auf den Finanz- und Kapitalmärkten. Emotionen verleiten viele Anleger zu panischen Reaktionen. Dies dürfte der Hauptgrund sein, warum die meisten Anleger über längere Zeit eine viel schlechtere Rendite erzielen, als wenn sie einfach den Index kaufen würden und darin investiert blieben.

Die meisten Anleger kaufen, wenn die Börse boomt, und verkaufen, wenn die Kurse im Keller sind. Dies belegt eine Studie der amerikanischen Research- Unternehmung Dalbar Inc. Über eine Periode von zwanzig Jahren wurde die Performance von durchschnittlichen Aktienanlegern mit dem Index verglichen. Ein »Buy-and-Hold«-Anleger, der in den S&P 500 Index investierte und das Geld dort liegen ließ, hätte in der Periode von 1986 – 2005 eine jährliche Rendite von fast 12 % erzielt, während der aktive Durchschnittsanleger nur gerade magere 3,9 % erwirtschaftete. Der Renditeunterschied ist gewaltig.

Dazu passt folgendes Sprichwort: »It is not timing the market, but time in the market that counts!« (Nicht das Market Timing ist langfristig entscheidend, sondern die Zeitspanne, während der man investiert ist). Market Timing beinhaltet nämlich immer zwei Entscheidungen, die richtig gefällt werden müssen: Wann verkaufe ich und wann investiere ich den Erlös wieder? Die meisten Erholungsrallys – insbesondere die in Bärenmärkten – kommen plötzlich und unerwartet und sind in vielen Fällen nicht voraussehbar. Auf den Finanzmärkten, wo Glück und Zufall eine große Rolle spielen, sind Emotionen für Anleger also hinderlich.

Fazit

Befolgt ein Anleger die Regeln Nr. 1 bis 3, ist er auf dem besten Wege, sich nicht mehr zu stark von seinen Emotionen leiten zu lassen. Wer eine langfristige Anlagestrategie definiert hat, die zur eigenen Persönlichkeit und Lebenssituation passt, sollte daran festhalten. In Börsenbaissen wird der Aktienanteil der Strategie automatisch sinken, in Bullenmärkten steigen. Der Anleger sollte daher in regelmäßigen Abständen ein so genanntes Rebalancing seines Portfolios durchführen. Bei einem Rebalancing werden die Quoten der einzelnen Anlageklassen wieder auf die ursprünglichen Gewichtungen der Anlagestrategie zurückgeführt. Der Anleger handelt so antizyklisch: Wenn die Aktienmärkte stark gesunken sind, kann er günstiger Aktien zukaufen, um die Aktienquote auf das ursprüngliche Gewicht anzuheben. Nach einer Bullenphase muss der Anleger Aktien verkaufen und realisiert somit einen Teil seiner Gewinne.

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