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Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat zuletzt für großen Wirbel an den internationalen Börsen gesorgt. Auch vermeintlich sichere Staatsanleihen gerieten unter Druck. Blanca König von iShares klärt auf.

Kaum scheint die Liquiditäts- und Kreditkrise vorüber, bereitet Anlegern eine vermeintlich sichere Anlageklasse Kopfschmerzen: Euroland-Staatsanleihen. Die Schuldensituation in Griechenland hat dazu geführt, dass die Ratingagenturen S&P und Moody’s griechische Staatsanleihen auf „Junk- Bond-Status“ herabstuften – ein bislang einmaliger Vorgang für ein Land der Eurozone. In der Folge mussten weitere Länder Abstufungen hinnehmen; zuletztwertete Moody’s Portugals Bonität von Aa2 auf A1 ab.

Sicherheit wird gesucht

Auf der Suche nach einem sicheren Hafen haben viele Investoren in den vergangenen Monaten ETFs gekauft, die ausschließlich in deutsche Staatsanleihen investieren. Zudem waren Euroland-Renten-ETFs gesucht, die keine griechischen Anleihen beinhalten. Allerdings sind aufgrund der Herabstufungen durch die Ratingagenturen griechische Anleihen mittlerweile auch aus solchen Indizes herausgefallen, die nur Investment-Grade-Anleihen beinhalten. Das sind zum Beispiel eine Reihe von Indizes von Markit iBoxx und Barclays Capital. iShares bietet darauf ETFs an und hat analog zum Index griechische Anleihen Ende Juni verkauft.

Indexanpassung inklusive

ETF-Anleger mussten sich also nicht selbst um derartige Anpassungen kümmern und im Markt Liquidität für griechische Anleihen suchen. Die transparenten Indizes und ihre Abbildung durch iShares ETFs gibt Investoren die Sicherheit, nur Investment-Grade- Anleihen zu halten. Viele professionelle Investoren haben ein „Investment-Grade- Kriterium“ in ihrer Anlagesatzung. Neben dem Kreditrating hilft Investoren auch ein Blick auf die Kreditprämien, um das Risiko von Staatsanleihen einzuschätzen. Die Kreditprämie ist der Aufschlag über dem „risikolosen“ Zins, den ein Land zahlen muss, um am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen. Für Euro-Staatsanleihen wird die Kreditprämie meist als Aufschlag über den

Moody´s S&PFitch
DeutschlandAaaAAAAAA
FrankreichAaaAAAAAA
GriechenlandBa1BB+BBB-
GroßbritannienAaaAAAAAA
IrlandAa1AAAA-
ItalienAa2A+AA-
NiederlandeAaaAAAAAA
PortugalA1A-AA-
SpanienAaaAAAA+

Kreditprämien gestiegen

Chart 1 veranschaulicht, wie stark das Risiko und damit die Zinssätze für Griechenland-Anleihen angestiegen sind. Gerade griechische Staatsanleihen, aber auch Länder wie Spanien, Portugal und auch Italien müssen nun deutlich mehr für ihre Staatsschulden bezahlen.

Chart 1: Kreditprämien ausgewählter EU-Länder

Kreditpraemien500

Zinskosten gestiegen

Chart 2 zeigt die Zinskurve deutscher, griechischer und spanischer Anleihen vor einem Jahr und heute. Während das Zinsniveau deutscher Staatsanleihen entlang der gesamten Kurve über die vergangenen zwölf Monate gesunken ist, ist es für risikoreichere Länder gestiegen – im Fall von Griechenland sogar auf über 10 Prozent für bestimmte Laufzeiten.

Chart 2: Zinsstrukturkurven ausgewählter EU- Länder

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Blanca König, CFA Vice President bei iShares London

Dort verantwortet sie mit ihrem Team die Erstellung von Research rund um das Thema ETFs für institutionelle Kunden in Europa. Von 2003 bis 2008 war Frau König im Vertrieb der Barclays Global Investors (Deutschland) AG in München tätig. Von 1999 bis 2003 arbeitete sie bei der HypoVereinsbank ( Zum Testbericht) AG im Zuge eines dualen Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der Berufsakademie Berlin, welches sie mit dem Titel des Diplom-Betriebswirts (BA) abschloss.

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