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Mit gutem Gewissen investieren

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Immer mehr Anleger, vorrangig Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherungen, entdecken den Markt nachhaltiger Vermögensanlagen. Die Schweizer UBS hat das Angebot von Socially-Responsible-ETF zuletzt deutlich ausgebaut. Wir beleuchten die Angebote und stellen die dahinterliegende Indexkonstruktion vor.

„Der Markt hat keine Moral“, so eine gängige Börsenweisheit. Oder wie es der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Samuelson ausdrückt: „Der Markt hat kein Herz, der Markt hat kein Gehirn. Er tut, was er tut.“ Und dabei zählen allein die Gesetze der ökonomischen Vernunft bzw. Wirtschaftlichkeit und Profitabilität. Werden wichtige ökonomische Gesetzmäßigkeiten nicht beachtet, scheitert jedes Unternehmen, geht jede Organisation bis hin zum Staat zugrunde. Dies zeigt auch gerade die derzeitige Euro-Schuldenkrise. Auch der Zusammenbruch der maroden staatlich gelenkten Planwirtschaften im damaligen Ostblock in einem vordergründig nicht am Gewinn orientierten System ist ein Beispiel dafür. Ökonomische Vernunft siegt vor Wunschdenken.

Gutes Image wird zum Wirtschaftsfaktor

Trotzdem kann sich der Markt seit eh und je, wenn auch mit immer neuen Antworten darauf, nicht vollständig den herrschenden Moralvorstellungen entziehen. Schließlich beruht gerade auch die freie Marktwirtschaft auf dem Prinzip der Verantwortlichkeit und Solidargemeinschaft. Und angesichts einer immer größeren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verflechtung, aber auch immer größerer medialer Informationsmöglichkeiten nimmt die Bedeutung moralischer Aspekte abseits ökonomischer Gesetzmäßigkeiten zu. Anleger erfahren in Sekundenschnelle über mangelnden Umweltschutz in den noch so entlegenen Regionen der Welt, über die Nichtbeachtung von Menschenrechten, über Kinderarbeit, Hungerlöhne oder mangelhaften Umgang mit Kunden und Mitarbeitern. Und so laufen Unternehmen sehr schnell Gefahr, durch soziale Brandmarkung einen erheblichen Imageschaden zu erleiden, der dann in der Folge zu einem Gewinnrückgang führen kann. Die Pleite der Drogeriekette Schlecker ist ein Beispiel dafür, aber auch die Milliardenverluste beim Mineralölkonzern British Petroleum (BP) infolge der Umweltkatastrophe auf der Ölbohrinsel „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. So wird Moral auch zum ökonomischen Faktor.

Investments in Social responsibility

Wer als ETF-Anleger auf Social Responsibility setzen möchte, kommt an der Schweizer Bank UBS nicht vorbei. „UBS ist der Corporate Responsibility verpflichtet und ist aktiv bestrebt, sich mit den Anliegen und Erwartungen ihrer Anspruchsgruppen auseinanderzusetzen, sie zu beurteilen und zu gewichten und in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen“, so die Bank auf ihrer Website. Diese Maxime schlägt sich auch in der Angebotspalette nieder. So bietet die UBS vier ETFs (mit je zwei Anteilsklassen) auf je einen lokal ausgerichteten MSCI Socially-Responsibility-Index an. Alle ETFs sind physisch hinterlegt und schütten die erwirtschafteten Erträge regelmäßig aus.

Strenge Auswahlkriterien

Das Konzept der verbrieften Indizes basiert auf einem strengen Selektionsprozess durch das MSCI ESG Research Team. Jedes der globalen Unternehmen wird dabei anhand von mehr als 80 Industriegruppen und industriespezifischen Kriterien und Gewichtungen beurteilt. Grundlage dafür ist die Beurteilung der Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Im Bereich Umwelt stehen der Klimawandel und der Umgang mit daraus resultierenden Risiken, die Reduzierung von Schadstoffen und Abfällen sowie der sorgsame Umgang mit natürlichen Ressourcen im Vordergrund. Im Bereich Soziales werden die Auswirkungen der betrieblichen Tätigkeiten auf das lokale Umfeld bewertet, der Umgang mit den Mitarbeitern, Auftragnehmern und Lieferanten, die Arbeitssicherheit oder die Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte. Im Mittelpunkt des Bereichs Unternehmensführung stehen Managementpraktiken und die Umsetzung von Ethik-Grundsätzen. Beleuchtet werden hier die Geschäftsstruktur, die Verantwortlichkeiten im Unternehmen, Rechnungslegungs- und Offenlegungspraktiken, die Vergütung leitender Angestellter oder das Management von Korruptions- und Bestechungsproblemen.

Die Bewertung der Unternehmen erfolgt nach einem neunstufigen Ratingsystem von AAA als Bestnote bis hin zu C. Aufgenommen in die verschiedenen Responsible-Indizes werden nur Unternehmen, die zu ihren Branchenkonkurrenten eine überdurchschnittlich gute Umwelt- und Sozialperformance aufweisen, das heißt, bei der Bewertung mindestens ein BBB erzielen. Nicht vertreten in den MSCI Socially-Responsible-Indizes sind Unternehmen aus den Bereichen Waffen, Alkohol, Glücksspiel, Kernkraft, Tabak, Erotik und Genmanipulation.

Die ETFs im Überblick

Angeboten werden die Socially-Responsible-Indizes auf die Anlageregionen Europa/ Naher Osten, Pazifik, Nordamerika und Welt.

Der UBS-ETF auf den MSCI Europe & Middle East Socially Responsible Index (A: A1JA1T, I: A1JA8T) umfasst 121 Unternehmen aus 16 Ländern. Überdurchschnittlich vertreten sind derzeit Titel aus Großbritannien (39 Prozent), Deutschland (12 Prozent), Frankreich (10 Prozent) und der Schweiz (9 Prozent). Die Dividendenrendite beträgt 3,64 Prozent, das KGV liegt bei 13,66.

Der UBS-ETF auf den MSCI Pacific Socially Responsible Index (A: A1JA1U, I: A1JA1V) umfasst 124 Aktien. Hoch gewichtet sind Aktien aus Japan (64 Prozent) und Australien (30 Prozent). Die Dividendenrendite beträgt 3,66 Prozent. Das KGV liegt bei 21,19.

Der UBS-ETF auf den MSCI North America Socially Responsible Index (A: A1JA1S, I: A1JA8S) enthält 179 Aktien. Mit 88 Prozent überwiegen US-Titel, der Rest entfällt auf kanadische Aktien. Die Dividendenrendite beträgt 2,30 Prozent, das KGV 16,24. Mit 424 Aktien aus 23 Ländern ist der UBS-ETF auf den MSCI World Socially Responsible Index (A: A1JA1R, I: A1JA8R) am stärksten diversifiziert. Ein großes Gewicht haben jedoch Aktien aus den USA mit knapp 50 Prozent. Darüber hinaus sind Aktien aus Großbritannien, Japan, Kanada und Australien stark gewichtet. Die Dividendenrendite liegt bei 2,90 Prozent, das KGV bei 16,02. Seit Jahresbeginn erzielte der ETF eine Rendite von 9,1 Prozent.

Fazit:

Die UBS-ETFs auf die Social-Responsibility-Indizes bieten dem Anleger eine attraktive Alternative zu den klassischen Länder- bzw. Regionen-Indizes. Auch wenn eine Abgrenzung bzw. eindeutige Entscheidung nach sozialen Gesichtspunkten sehr schwer ist, ist das gewählte Indexkonzept ein richtiger Schritt. Gerade für Stiftungen oder Anleger, die neben ihrem Renditeanspruch auch Wert auf ein Investment mit gutem Gewissen legen, bieten sich diese Indexfonds an.

Übersicht der Socially-Responsibility-ETFs der UBS

 IndexKAG
WKNKosten
Abbildung
Währung
MSCI Europe & Mid. East Soc. Resp.UBSA1JA1T0,40 %vollständigUSD
MSCI North America Soc. Resp.UBSA1JA1S0,45 %vollständigUSD
MSCI Pacific Socially Resp.UBSA1JA1U0,65 %vollständigUSD
MSCI World Socially Resp.UBSA1JA1R0,50 %vollständigUSD
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