Während die Welt infolge der Euro-Staatsverschuldung besorgt nach Europa blickt, bleibt in den Medien eine Region auf dem Kontinent nahezu unbemerkt: Skandinavien. Allein Finnland, das auf eigene Sicherheiten für das EU-Rettungspaket drängte, ist in der Eurozone vertreten, Schweden und Dänemark sind nur EU-Mitglied, Norwegen ist in keiner der beiden Gemeinschaften. Und die Region ist damit durchaus erfolgreich. Mittels eines ETF kann man als Anleger auf finanzpolitische Solidität und die Wettbewerbsfähigkeit bekannter nordischer Unternehmen setzen. Und das bei einem konsiliderten Aktienmarkt.

Angesichts immer neuer Euro-Rettungsbeschlüsse könnte man neidisch gen Norden blicken. Finnlands Staatsverschuldung liegt derzeit bei 48,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), die der anderen nordischen Staaten zwischen 39,8 und 44,7 Prozent. Zum Vergleich: der Durchschnittswert in der Eurozone beträgt 85,1 Prozent. So sind auch alle skandinavischen Länder mit Top-Ratings und stabilem Ausblick versehen und auch hinsichtlich der fünfjährigen Ausfallversicherungen (CDS) gehören Länder wie Schweden und Norwegen zu einem der weltweit sichersten Länder. Norwegen verfügt dank hoher Rohölvorkommen über den weltweit größten Staatsfonds in Höhe von 560,5 Mrd. USD (knapp 400 Mrd. EUR) und ist damit größer als der des Abu Dhabi Investment Authority mit 342 Mrd. USD. Die norwegische und schwedische Krone gehört zur wertstabilsten Währung der Welt mit einer Inflationsrate von 1,3 bzw. 1,6 Prozent. Spätestens seit der Anbindung des Schweizer Franken an den Euro kann sich das Land vor Auslandsinvestitionen von Anlegern kaum retten, die bevorzugt die norwegische Krone kaufen. Das treibt den Kurs skandinavischer Währungen.

Trotz Währungsaufwertung – Skandinaviens Unternehmen sind gut gerüstet

Auch die Wirtschaft läuft trotz befürchteten Exportnachteilen noch rund. Norwegens BIP wird in diesem Jahr voraussichtlich um 2,6 Prozent wachsen, noch höher ist das erwartete Wachstum in Schweden mit einem Plus von 4,2 Prozent. Das zeigt sich auch an den Zahlen für das 3. Quartal: So konnte der schwedische Telekomausrüster Ericsson seinen Umsatz um 15 Prozent steigern. Unterm Strich blieben rund 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der schwedische LKW-Hersteller Volvo steigerte sein Nettoergebnis von 2,85 auf 3,89 Mrd. SEK (+36,6 Prozent). Anders jedoch Nokia, das enttäuschte. So sank der Umsatz um 13 Prozent, auf 9 Mrd. EUR, unter dem Strich blieb gar ein Verlust von 68 Mio. EUR. Die Konkurrenz mit Apple wird schwerer. Nun hofft der Konzern auf einen Erfolg des neuen Windows-Smartphones. Trotzdem: Laut einer Studie von DB Research gehört Skandinavien weltweit zu den Regionen mit der größten „F&E-Elastizität“, das ist eine Maßeinheit aus der Intensität von Forschung und Entwicklung sowie Marktkapitalisierung. Entsprechend lukrativ ist das Land für ausländische Investoren.

… aber es kommt zu einer Verlangsamung des Wachstums

Die Aufwertung der Währungen geht jedoch auch an Skandinavien nicht spurlos vorbei, zumal auch dortige Unternehmen mit einer wachsenden Konkurrenz insbesondere aus Asien zu tun haben. So rechnet die schwedische Regierung für ihr Land mit einer Abflachung des Wirtschaftswachstums auf dann nur noch 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Der Leitzins bleibt daher vorerst bei 2 Prozent. Zudem steuert Schweden mit einem 3,5 Mrd. Euro teuren Konjunkturprogramm entgegen, das bis zum Jahr 2013 läuft. Neben Steuersenkungen soll in die Infrastruktur des Landes investiert werden.

Die Abflachung der Wirtschaft spiegelte sich auch in den Aktienkursen wider. So büßte der MSCI Nordic Countries, der in die aktuell 74 marktkapitalstärksten Unternehmen Dänemarks, Finnlands, Schwedens und Norwegens investiert, auf Jahressicht 20,13 Prozent ein. Langfristig konnte der Index jedoch stets überzeugen. So erzielte der MSCI Nordic Countries auf 10-Jahre gesehen +4,89 Prozent p.a., der MSCI All Country World im gleichen Zeitraum nur 0,83 Prozent.

Einziger ETF-Anbieter ist derzeit Amundi mit dem MSCI Nordic Countries (WKN: A0REJU). Der Indexfonds ist swapbasiert und thesauriert die Erträge. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,25 Prozent.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.