Nachhaltige Investments
Nachhaltige Investments finden bei Anlegern immer mehr Anklang, auch weil dadurch Verlustrisiken minimiert werden können. Aufgrund fehlender einheitlicher Standards sollten Anleger jedoch vor dem Kauf genau auf die Auswahlkriterien achten.

Immer mehr Großanleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen oder Stiftungen investieren nachhaltig. Im Jahr 2015 berücksichtigten bereits 58 Prozent von ihnen Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Kapitalanlage. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 56 Prozent, im Jahr 2013 bei 48 Prozent. Zu diesen Ergebnissen gelangte im vergangenen Jahr eine Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment in Zusammenarbeit mit Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. 56 Prozent der nachhaltig investierenden Großanleger sind mit ihrem Ansatz zufrieden. Bei der Rendite sehen die meisten von ihnen keinen Unterschied im Vergleich zu konventionellen Investments, 18 Prozent schätzen das Renditepotenzial sogar höher ein. Ein Großteil dieser Investoren schätzt solche Investments nicht nur aufgrund der größeren Nachhaltigkeit, sondern auch aufgrund der regulatorischen Vorgaben hinsichtlich des Risikomanagements. Denn Umwelt- oder Korruptionsskandale, ungenügende Sicherheitstechniken sowie das Bekanntwerden kritikwürdigen Umgangs mit Mitarbeitern, Kunden oder Zulieferern schaden dem Image eines Unternehmens, was sich letztendlich auf den Aktienkurs und damit auch die Rendite niederschlägt.

Anteil nachhaltiger Investments noch überschaubar

Trotz allem ist der Anteil nachhaltiger Investments am Fonds-Gesamtvolumen noch äußerst gering. In nachhaltigen Publikumsfonds, darunter auch ETFs, sind in Deutschland laut EcoReporter mit Stand Ende 2015 gerade einmal 37,6 Mrd. EUR angelegt. Gemessen am vom Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) veröffentlichten Gesamtvolumen von 883 Mrd. EUR beträgt der Anteil so gerade einmal 4,26 Prozent. Immerhin betrug die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr acht Prozent. 2014 entfiel aber in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz gerade einmal ein Viertel (25,47 Prozent) auf Investmentfonds. So waren in den drei Ländern laut dem Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) insgesamt 197,5 Mrd. EUR investiert, 50,3 Mrd. in Investmentfonds. Der Rest wurde in Mandate sowie Kunden- und Eigenanlagen investiert . 2015, für das noch keine aktuellen Zahlen vorliegen, dürfte dies nicht anders gewesen sein. Weltweit wird das in nachhaltige Kapitalmarktanlagen angelegte Volumen in einem Report von Global Sustainable Investment Alliance (GSIA) auf 21,4 Billionen US-Dollar taxiert.

Nachhaltige Investments: Keine einheitlichen Standards

Aufgrund unterschiedlicher Datenbasis und vor allem fehlender einheitlicher Standards ist eine genaue Quantifizierung allerdings sehr schwierig. Denn jeder versteht bei der Kategorie nachhaltige Investments etwas anderes, wendet dafür unterschiedliche Bewertungskriterien an. Selbst der europäische Branchenverband für nachhaltiges Investment Eurosif konnte sich so nicht auf gemeinsame Standards, Begrifflichkeiten oder Kriterien für ein zertifiziertes Gütesiegel einigen. Denn sie hängen auch mit verschiedenen Anlage- und Bewertungskonzepten zusammen, die sich aus regional und kulturell bedingten sowie wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen und ökologischen Unterschieden ergeben. Zurückzuführen sind die Unterschiede aber auch auf verschiedene persönliche Bedürfnisse von Anlegern und unternehmerischen Notwendigkeiten. Zudem möchte auch mancher Investor und manches Unternehmen sein Image nur einfach mittels „Greenwashing“ verbessern. Nicht immer ist daher auch im strengeren Sinne tatsächliche Nachhaltigkeit drin, wo Nachhaltigkeit draufsteht. Als Anleger sollte man daher, bevor man in das jeweilige Finanzinstrument investiert, sich genauer über die jeweilige Anlagestrategie informieren, ob es den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Prinzipien des UN Global Compact

Menschenrechte

  1. Schutz der internationalen Menschenrechte.
  2. Sicherstellung, dass eigene Gesellschaft sich nicht an Menschenrechtsverletzungen beteiligt.

Arbeitsstandards

  1. Wahrung der Vereinigungsfreiheit und wirksame Anerkennung des Rechts auf Tarifverhandlungen.
  2. Beseitigung von Zwangs- und Pflichtarbeit.
  3. Abschaffung von Kinderarbeit.
  4. Keine Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf.

Umweltstandards

  1. Umsichtiger Umgang mit ökologischen Herausforderungen.
  2. Durchführung von Initiativen zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit der Umwelt.
  3. Entwicklung und Verbreitung umweltfreundliche Technologien.

Antikorruption

  1. Bekämpfung aller Formen der Korruption.

Nachhaltigkeitsagenturen sorgen für Sicherheit

Verantwortliche Investments schließen häufig nur einige oder wenige Branchen aus, wie die Rüstungsindustrie oder Streubombenhersteller. Kritiker monieren monieren, dass es sich dabei häufig um Etikettenschwindel handelt. Denn Streubombenhersteller seien sowieso international geächtet, so dass sowieso nur wenige Unternehmen existierten. Oft investieren verantwortliche Investments zudem auch ganz bewusst in einigen ethisch umstrittenen Bereichen, um in diesen ein Mitspracherecht zu erlangen und Einfluss auf die Unternehmenskultur zu nehmen. Andere Finanzinstrumente beruhen hingegen auf Bewertungen angesehener Nachhaltigkeitsagenturen wie oekom research, Inrate, imug Investment Research, Rep Risk oder Sustainalytics oder der Researchabteilungen der großen Indexanbieter wie Dow Jones oder MSCI. Diese ziehen dafür häufig bis zu 200 oder 300 verschiedene Kriterien zur Unternehmensbeurteilung heran. Im Fokus stehen dabei bei manchen Agenturen ökologische, soziale und ethische Gesichtspunkte (SRI: social responsible Investment). Einerseits werden dabei mindestens drei der umstrittensten Branchen konsequent ausgeschlossen, zum anderen wird in den verbleibenden Branchen das Best-In-Class-Prinzip angewandt. Das heißt, es werden je nach dem entsprechenden Ansatz die besten Titel (Aktien oder Anleihen) der jeweiligen Branche selektiert und in den Index aufgenommen. Geachtet wird dabei in der Regel auch auf die zehn Prinzipien des UN Global Compact an die Wirtschaft, die vom damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan im Januar 1999 auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum formuliert wurden (siehe Infokasten).

Andere Nachhaltigkeitsagenturen bewerten die jeweiligen Positionen hingegen nach ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Hierbei geht es darüber hinaus auch um die Renditemaximierung für den Anleger und die Reduktion von Unternehmensrisiken. Dafür werden einige Kriterien für streng nachhaltige Geldanlagen weniger beachtet.

Hier finden Sie eine Liste, mit allen in Deutschland handelbaren Nachhaltigkeits-ETFs.

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Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Franz Rieber Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre und hat einen Master-Abschluss in Finance & Banking. Seit 2016 ist Franz Rieber für die Isarvest GmbH tätig und für das Projektmanagement und die Kundenbetreuung verantwortlich.