Natascha Kohnen, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende in Bayern.
Natascha Kohnen, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende in Bayern.

Auf die Rente müssen wir uns verlassen können. Auch in Zukunft. Und wenn die Finanzkrisen der letzten Jahre eines gezeigt haben, dann das: Aktiendepots sind genau das eben nicht. Wer sich bei der Rente auf die Finanzmärkte verlässt, der ist verlassen.

Friedrich Merz ignoriert mit seinem Vorschlag die Lebensrealität in unserem Land: Viele Menschen in Deutschland können gar nicht sparen bzw. in Aktien investieren. Sie haben nämlich am Monatsletzten kein Geld mehr übrig. Schon gar kein Spielgeld, mit dem sie Aktienspekulationen bezahlen könnten. Möglicherweise hat Herr Merz in den letzten Jahren diesbezüglich die Bodenhaftung verloren.

Wenn wir schon über Aktien als zusätzliche Altersvorsorge sprechen, dann müssen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer davon profitieren. Ein staatlicher Fonds wie in anderen Volkswirtschaften wäre eine Möglichkeit. Der Fonds hielte Aktien und andere Wertpapiere, alle Erwerbstätigen zahlten ein. Steuerliche Zuschüsse wären für jene Menschen möglich, die wenig bis gar nichts sparen können. So würde ein Schuh draus. Es ist aber nicht nachvollziehbar, warum der Gesetzgeber Aktien als eine Anlageform steuerlich bevorzugen sollte. Zudem stellt sich die weitere Frage, wem würde dieser Steuervorteil nutzen?

Mit Sicherheit nicht der Mehrheit der Menschen, die eine Rente von 800 Euro oder weniger erwarten. Genau denen müssen wir aber helfen – mit einer klugen Arbeits- und Rentenpolitik. Der Merzsche Vorschlag sieht schlicht nach einem Geschenk für das Kernklientel der Konservativen aus. Mit dem Geld sollten wir lieber die gesetzliche Rente stärken, die die meisten Leute in unserem Land betrifft.

Lesetipp: In der Extra-Magazin-Ausgabe Februar/März 2019 finden Sie einen leidenschaftlichen Pro- und einen weiteren Contra-Kommentar zum Vorschlag von Friedrich Merz (CDU), Aktiensparen steuerlich zu begünstigen.

Über die Autorin

Natascha Kohnen, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende in Bayern.
Natascha Kohnen, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende in Bayern.
Natascha Kohnen gehört seit 2015 dem SPD-Bundesvorstand an. Im Mai 2017 wurde Kohnen zur Landesvorsitzenden der Bayern-SPD gewählt, im Dezember zur stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden. Sie war Spitzenkandidatin für die bayerische Landtagswahl 2018.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das Extra-Magazin.