Der Anteil von ETFs im Gesamtportfolio steigt bei institutionellen Investoren stetig.

Der europäische ETF-Markt dürfte bis 2020 allein im institutionellen Bereich jährlich um 300 Milliarden Euro ansteigen. Eine verstärkte Nachfrage verzeichnen dabei vor allem ETFs auf Anleihen, nachhaltige Investments, Smart Beta sowie Multi-Asset-Strategien. Das ergibt sich aus einer Umfrage des Analyse- und Beratungsunternehmen Greenwich Associates im Auftrag von BlackRock.

Institutionelle Investoren in Europa sind mit einer Vielzahl globaler Marktbedingungen konfrontiert, die sich schnell ändern. Dazu gehören die Rückkehr der Volatilität an die globalen Kapitalmärkte, der bevorstehende Trendwechsel hin zu einem Umfeld steigender Zinsen, das anstehende Ende der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank sowie die anhaltende Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II und andere regulatorische Initiativen. Angesichts dessen nutzen sie die Vielseitigkeit börsengehandelter Indexfonds (ETFs), um ihre Portfolios anzupassen. Sie integrieren diese umfassender in taktische und strategische Anlageprozesse und -strategien. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage zum europäischen ETF-Markt unter 125 institutionellen Investoren, die das Analyse- und Beratungsunternehmen Greenwich Associates im Auftrag von BlackRock durchgeführt hat.

ETF-Portfolioanteil institutioneller Investoren auf europäischen Markt auf 10,3 Prozent gestiegen

Im Durchschnitt ist der ETF-Anteil in den Portfolios der institutionellen Investoren, die an der Studie teilgenommen haben, von 7,7 Prozent im Vorjahr auf 10,3 Prozent der gesamten Vermögenswerte im Jahr 2017 gestiegen. Ein Großteil des Wachstums der vergangenen Jahre am europäischen ETF-Markt lässt sich darauf zurückführen, dass neue institutionelle Nutzer auf den Markt gekommen sind – speziell im Anleihebereich. Der Anteil der Investoren unter den Studienteilnehmern, die Anleihen-ETFs nutzen, ist im Jahr 2017 auf 45 Prozent gestiegen – 2016 waren es 38 Prozent gewesen. Auch in anderen Anlageklassen setzen institutionelle Investoren zunehmend ETFs ein. Etwa ein Viertel der institutionellen Investoren in Europa nutzt ETFs 2017 im REITs-Segment, 2016 war es nur etwa einer von fünfen gewesen. Der Anstieg im Bereich Rohstoffe war im gleichen Zeitraum noch wesentlich ausgeprägter: In diesem Segment ist der Anteil der Nutzer unter den institutionellen Investoren in Europa auf ein Drittel gestiegen, von zuvor nur 20 Prozent.

„Nach mehrjährigem regulären Einsatz von ETFs haben institutionelle Investoren in Europa erkannt, dass ETFs einfache, vielfältig einsetzbare und kosteneffiziente Instrumente sind. Daher bauen sie ihre entsprechenden Investitionen zügig aus“, sagt Andrew McCollum, Managing Director bei Greenwich Associates.

Hamed Mustafa, Leiter des Geschäfts mit institutionellen Kunden im Bereich ETF & Index Investments bei BlackRock in Deutschland, sagt: „ETFs sind das natürliche Ergebnis der Evolution am europäischen Finanzmarkt, wo Investoren zunehmend auf Transparenz, Auswahlmöglichkeiten und Werthaltigkeit bedacht sind. Speziell die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die Handels-Reportings zur Pflicht macht, trägt dazu bei, die Liquidität von ETFs in Europa umfassend zu zeigen. Damit hilft sie, Investoren neue, kreative Wege aufzuzeigen, um intelligentere Portfolios aufzubauen.“

Zusätzliche Wachstumstreiber am ETF-Markt: Smart Beta und Nachhaltigkeit

Auch Investitionen in ETFs, deren Portfoliobestandteile nicht anhand der Marktkapitalisierung gewichtet sind (Smart-Beta-ETFs) nehmen in institutionellen Portfolios kontinuierlich zu. Der Anteil der Studienteilnehmer, die in diese Fonds investieren, hat innerhalb eines Jahres um zehn Prozentpunkte auf 31 Prozent zugelegt. Angesichts der weltweit steigenden Beliebtheit von Faktor-Anlagestrategien dürfte die Nachfrage nach Smart-Beta-ETFs weiterwachsen, sowohl im Privatkunden- als auch im institutionellen Bereich.

Zudem bringen europäische Investoren ihre Präferenzen hinsichtlich Umwelt- und Sozialkriterien sowie Aspekten guter Unternehmensführung (auf Englisch: Environmental, Social and Governance, kurz ESG) in ihren Portfolios stärker zum Ausdruck als Investoren in anderen Regionen auf der Welt. Etwa die Hälfte der europäischen Umfrageteilnehmer nutzen Anlagestrategien, die ESG-Kriterien einbeziehen – global betrachtet sind es nur 31 Prozent. Fast ein Drittel (27 Prozent) der institutionellen Investoren in Europa setzt dies über Indexprodukte wie ETFs um.

Stark nachgefragt: ETFs mit breiter Streuung über verschiedene Anlageklassen hinweg

Multi-Asset-Strategien kristallisieren sich im institutionellen Bereich als eines der Segmente heraus, in dem ETFs am kontinuierlichsten und schnellsten wachsen. Die Nachfrage vonseiten der Investoren wächst. Unter den europäischen Asset Managern ist der Anteil derer, bei denen ETFs in Multi-Asset-Mandaten zum Einsatz kommen, auf rund 80 Prozent gestiegen – nach 63 Prozent im Jahr 2016. Trotz dieses starken Momentums besteht Raum für weiteres Wachstum. Denn europäische Asset Manager nutzen ETFs im Rahmen von Multi-Asset-Strategien bislang weitaus geringer als ihre Kollegen in den USA.

ETF-Zuflüsse von rund 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis zum Jahr 2020 im institutionellen Bereich

„In Anbetracht dieser starken Trends dürften ETFs wahrscheinlich auch im kommenden Jahr wachsen. Etwa 40 Prozent der Umfrageteilnehmer, die momentan in Aktien-ETFs investiert sind, wollen den ETF-Anteil in diesem Bereich auf Sicht der kommenden zwölf Monate ausbauen“, berichtet BlackRock. Im Anleihesegment treffe das auf ein Viertel der Befragten zu. Greenwich Associates geht davon aus, dass die jährlichen ETF-Zuflüsse im institutionellen Bereich bis 2020 rund 300 Milliarden Dollar erreichen werden.

Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.