Im Interview erklärt Verbraucherschützerin Annabel Oelmann, worauf es bei Fonds zu achten gilt.
Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, über passive und aktive Fonds.

Frau Oelmann, für eine breit gestreute Aktienanlage bieten sich Fonds an. Raten Sie Verbrauchern eher zu aktiven oder zu passiven, also ETFs?

Annabel Oelmann: Eher zu ETFs. Passiv gemanagte Indexfonds oder ETFs haben im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds eine Reihe von Vorteilen, weshalb wir in der Beratung eher zu ETFs anstelle zu aktiv gemanagten Fonds raten. Es kommt aber auch immer auf den Einzelfall an. Der größte Vorteil von Indexfonds ist, dass die Kosten in der Regel deutlich geringer sind. Die jährlichen Verwaltungskosten bei aktiv gemanagten Fonds liegen oft zwischen 1,5 bis zwei Prozent, bei Aktienfonds beispielsweise. Hinzu kommt ein Ausgabeaufschlag, der bis zu fünf Prozent betragen kann. Letzteres gibt es bei Indexfonds nicht und die jährlichen Verwaltungskosten liegen eher im Bereich von 0,5 Prozent. Da Indexfonds passiv einen Index abbilden, handeln sie folglich viel seltener mit Wertpapieren, was ebenfalls Kosten spart. Ferner konnten in der Vergangenheit nur wenige aktive Fonds langfristig eine bessere Rendite erzielen als der zugrundeliegende Vergleichsindex, was ebenfalls für Indexfonds spricht. Physisch replizierende Indexfonds zeichnen sich auch durch eine hohe Transparenz aus. Die Wertentwicklung und die zugrunde liegenden Wertpapiere lassen sich leicht nachvollziehen. Bei aktiv gemanagten Fonds bekommen Anleger diese Informationen nur stichtagsbezogen und mit zeitlicher Verzögerung.

Bei welchen ETFs sollten Einsteiger lieber die Finger lassen?

Annabel Oelmann: Vorsichtig sollten Anleger bei sogenannten Smart-Beta ETFs sein. Bei diesen sind die genannten Vorteile oft nicht vorhanden, da sie häufig teurer und auch weniger nachvollziehbar sind. Hier entwickeln Fondsgesellschaften oft einen eigenen Index und passen die Zusammensetzung regelmäßig an, so dass wir hier schon fast wieder von aktiv gemanagten Fonds sprechen können.

Worauf sollten Anleger außerdem bei beiden Gattungen achten?

Annabel Oelmann: Neben den bereits genannten Kostenaspekten sollten Anleger vor allen Dingen auch auf eine ausreichende Streuung und auf die Anlagestrategie achten. Speziell unerfahrene Anleger sollten zunächst auf Fonds setzen, die möglichst weltweit und in verschiedene Branchen entwickelter Volkswirtschaften investieren. Kleinere Fonds oder Fonds, die nur in einzelne Branchen, Länder oder auch ähnlich gelagerte Ländergruppen investieren, eignen sich höchstens als Beimischung. Ein weiteres Kriterium ist das Fondsvolumen. Das sollte nicht zu klein sein. Sonst besteht die Gefahr, dass der Fonds mangels Masse schließen oder mit einem anderen verschmolzen werden muss.

Haben Sie noch einen Tipp für Verbraucher, die sich für ETFs interessieren?

Annabel Oelmann: Speziell bei Indexfonds sollten Anleger darauf achten, wie der Index nachgebildet wird. Physisch replizierende Indexfonds investieren tatsächlich in die Aktien oder Anleihen des zugrundeliegenden Index. Synthetisch replizierende Indexfonds bilden den Index künstlich nach. Je nach Art der Replikation gehen auch unterschiedliche Risiken einher. Anleger, die noch keine Erfahrungen mit Indexfonds gemacht haben, sollten zunächst nach geeigneten physisch replizierenden Indexfonds Ausschau halten bevor sie sich mit den komplizierteren synthetischen Indexfonds auseinandersetzen.

Frau Oelmann, vielen Dank für das Gespräch.

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Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin „Der Aktionär“ tätig. Im Anschluss schrieb er mehr als vier Jahre für das Verbraucherportal biallo.de und einige Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extra-funds.de und das ETF EXtra-Magazin.