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Osteuropa: Zurück in die Spur

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Ist die Talsohle durchschritten, könnten die CEE-Länder wieder am Boom aus den Jahren vor der Krise anknüpfen. Allerdings in gemäßigtem Tempo. Emerging Markets sind und bleiben ein beliebtes Thema bei Investoren. Meist stehen Asien oder Südamerika im Blickpunkt. Doch warum so weit in die Ferne schweifen? Mit einigen mittel- und osteuropäischen Ländern liegen aufstrebende Märkte auch vor unserer eigenen Haustür. Indexprodukte ermöglichen den Zugang.

Dabei kommt natürlich schnell wieder ins Gedächtnis, wie es um die mittel- und osteuropäischen Länder (CEE-Länder) zu Hochzeiten der Krise bestellt war: Zeitweise bangte man sogar um die Insolvenz einiger Staaten in dieser Region. Die Credit Default Swaps spiegeln dies wider. Sich gegen den Ausfall eines der Länder abzusichern, wurde im Herbst 2008 besonders teuer: Der Wert für die 3 Year Credit Default Swaps für Rumänien sprang im November 2008 bis auf 623 Basispunkte an. Inzwischen ist der Spread wieder auf 249 Punkte gesunken. Ähnlich sieht das Bild in Ungarn aus. Hier war der höchste Wert mit 575 Basispunkten etwas später, im Februar 2009, zu verzeichnen. Heute beträgt der Spread 224 Basispunkte. Allerdings lagen die Werte bei beiden Ländern zuvor bei rund 50 Basispunkten. Dass dieses Niveau noch nicht wieder erreicht ist, verwundert nicht: Auch heute haben nicht nur die CEE-Staaten mit den Auswirkungen der Finanzkrise und der schwierigen Lage der Weltwirtschaft zu kämpfen. Jedoch sehen einige Marktteilnehmer wieder Erholungsanzeichen und die Fortsetzung der Erfolgsstory „CEE“ in ihrem ersten Kapitel. Die Exportnachfrage hat wieder angezogen, was der Industrieproduktion neuen Schub geben kann. Die Lohnkosten für die Unternehmen bleiben dabei weiterhin gering. Und verglichen mit Ländern der Eurozone ist die Verschuldung der osteuropäischen Staaten moderat. Zwar war das Bruttoinlandsprodukt in den meisten CEE-Ländern 2009 immer noch rückläufig, eine Stabilisierung zeichnete sich aber ab. Vor allem der Konvergenzprozess dürfte dafür sorgen, dass die Talfahrt in der Krise lediglich als Unterbrechung des Aufwärtstrends zu sehen ist. Dabei sind sich Experten jedoch weitestgehend einig, dass die Fortsetzung des Wachstumsstory verglichen mit der Anfangszeit gemäßigter ausfallen wird. Der starke Boom vor der Krise hatte teils zu einer Verdreifachung des Wirtschaftswachstums innerhalb von zehn Jahren geführt. Die Länder hatten alles daran gesetzt, um die Maastricht-Kriterien zu erfüllen und somit in die Europäische Währungsunion aufgenommen werden zu können. Das schnelle Wachstum zu dieser Zeit beurteilen viele rückblickend als ungesund. Umso wahrscheinlicher erscheint nach einem Durchschreiten der Talsohle nun eine Aufwärtsbewegung in gemäßigtem Tempo.

Drei CEE-Indizes

Wer diese Meinung teilt und darauf setzen möchte, dass die Börsenkurse in der CEE-Region weiter steigen, kann zu entsprechenden Indexprodukten greifen. Dabei kommen mehrere Barometer als Benchmark in Frage. Eine der wichtigsten ist der SETX Index, der sich auf Südosteuropa bezieht und von der Wiener Börse berechnet wird. Enthalten sind die liquidesten und höchstkapitalisierten Titel aus Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien und Slowenien. Die Schwergewichte kommen mit dem Pharma-Unternehmen KRKA (22,9 Prozent), HRVATSKI TELEKOM (18,6 Prozent) und BRD Groupe Société Générale (12,9 Prozent) aus Slowenien, Kroatien bzw. Rumänien. Von Herbst 2007 bis Frühjahr 2009 verlor der Index rund 75 Prozent. Die Talfahrt stoppte bei 700 Punkten. Heute notiert die Benchmark bei 1.100 Zählern. Verschiedene Index-Zertifikate beziehen sich auf den SETX. Das Produkt mit dem derzeit niedrigsten Spread von 1,5 Prozent kommt von der Royal Bank of Scotland (ISIN: NL0000683753). Allerdings handelt es sich beim SETX um einen Kursindex. Bei einer Investition über ein Index-Zertifikat gehen daher Dividenden der beinhalteten Aktien verloren. Market Access, die ebenfalls zur Royal Bank of Scotland gehören, hat zum selben Index einen ETF im Angebot (ISIN: LU02593229869). Die Managementgebühr liegt bei 0,8 Prozent, Dividenden werden thesauriert. In einem eigenen Index zusammengefasst sind auch die beiden Deutschland-Nachbarn Polen und Tschechien sowie Ungarn. Der CECE Index wird ebenfalls von der Wiener Börse berechnet und enthält 30 Unternehmen. Polnische Aktien dominieren die Benchmark mit einem Gewicht von 56,84 Prozent. Ungarn kommt auf 12,78 und Tschechien auf 30,38 Prozent. Vom Tief im März 2009 bei 844 Punkten hat sich dieser Index noch deutlicher erholt als der SETX: Er konnte rund 120 Prozent auf 1.872 Zähler zulegen. Da es sich bei diesem Index ebenfalls um einen Kursindex handelt, spricht das Dividenden-Argument auch hier für ETFs. Der Lyxor ETF Eastern Europe (ISIN: FR0010204073) bildet die Entwicklung des SETX nach und schüttet Dividenden aus. Die Kosten belaufen sich auf 0,50 Prozent p.a. Im Scope Rating erhält das Produkt drei Sterne. Weitere ETF-Anbieter nutzen ein MSCIBarometer zu dieser Region als Basiswert: Sowohl iShares (ISIN: DE000A0HGZV3) als auch ComStage (ISIN: LU0392495379) bieten einen ETF zum MSCI Eastern Europe, der auch russische Titel berücksichtigt. Beide Produkte sind mit drei Sternen im Scope Rating bewertet. Generell sollten sich Anleger wie bei allen Investitionen in Emerging Markets auch beim CEE-Thema bewusst sein, dass Investitionen hier in der Regel mit höheren Chancen, aber auch mit erhöhtem Risiko verbunden sind.

Diese News ist aus dem Scope-Newsletter entnommen.

 

Dieser Artikel wurde dem Scope Newsletter entnommen.

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