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Performance ist relativ

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Scope1

Es existieren verschiedene Möglichkeiten, die Performance bzw. Outperformance einer Anlagestrategie zu messen. Das mit der Anlage verbundene Risiko und der historische Verlauf der Performance sollten berücksichtigt werden. Um auf ihren Erfolg in der Vergangenheit zu verweisen, präsentieren Fonds-Anbieter gerne Performance- Zahlen. 90 Prozent Outperformance gegenüber der Benchmark in sechs Jahren – das klingt gut. Doch ist damit keine Aussage darüber getroffen, wie diese Outperformance erreicht wurde: Über einen stetigen Zuwachs oder einen schnellen, starken Schub.

Weshalb diese Frage jedoch im Hinblick auf eine mögliche Entwicklung in der Zukunft entscheidend sein kann, verdeutlicht die Grafik: Zwei Fonds haben am Ende der Berichtsperiode die gleiche Outperformance gegenüber ihrer Benchmark erzielt. Der jeweilige Graf zeigt die historische Entwicklung der erzielten Outperformance. Obwohl beide Fonds eine Outperformance von etwa 90 Prozent abgeliefert haben, ist ersichtlich, dass Fonds B die Überschussrendite mit deutlich weniger Schwankungen realisiert hat. Dies bedeutet, dass er möglicherweise eine bessere Managementleistung vorweisen kann. Bei Fonds A hingegen ist zu erkennen, dass das Management offensichtlich durch einen „Glücksgriff“ Ende 2007 nahezu seine gesamte Outperformance erreicht hat. Die übrigen Zeiträume hingegen stehen weitestgehend für Erfolglosigkeit. Idealerweise würde ein Fonds exakt auf der Geraden liegen. Dies würde einer perfekten Stetigkeit entsprechen und ist insofern in der Realität kaum zu finden. Diese Betrachtung zeigt also die Nachhaltigkeit, mit der die Fonds- Outperformance gegenüber dem Vergleichsindex erzielt wurde. Berechnen lässt sich die Stetigkeit über die Schwankungsbreite der realisierten monatlichen Outperformance.

Die Grafik zeigt die historische Entwicklung der erzielten Outperformance. Fonds A gelang Ende 2007 offensichtlich ein „Glücksgriff“.

Verschiedene Performancemaße

Auch beim Messen der absoluten Performance können verschiedene Vorgehensweisen angewandt werden. In der Praxis verwendet man zwei verschiedenen Typen von Performancemaßen: eindimensionale und zweidimensionale. Die eindimensionale Performancemessung bezieht sich auf die absolute Höhe der erzielten Rendite. Die traditionelle zweidimensionale Performancemessung berücksichtigt neben der Rendite entweder noch das Gesamtrisiko in Form einer Standardabweichung (Volatilität) oder das systematische Risiko, ausgedrückt durch den Betafaktor. Insbesondere für Privatanleger ist diese Erfolgsmessung nicht einfach. Je nach Auswahl des Risikomaßes ergeben sich verschiedenen Performancekennzahlen. Eines der bekanntesten davon ist das Sharpe Ratio. Dieses setzt die durchschnittliche Rendite eines Fonds dessen Volatilität entgegen und gibt daher an, wie viel Renditeeinheiten für jede zusätzlich eingegangene Risikoeinheit erwirtschaftet wird. Je höher die Volatilität, umso kleiner das Sharpe Ratio, umso schlechter der Fonds. Die Volatilität gibt dabei an, wie stetig die Gesamtperformance zustande gekommen ist, indem sie die Abweichungen der Monatsrendite von deren Mittelwert misst. Lässt man die positiven Monatsrenditen außen vor und berechnet die Volatilität nur auf Basis der negativen Monatsrendite, erhält man ein neues Risikomaß, die Downside Deviation. Ersetzt man in der Formel die Volatilität mit der Downside Deviation, bekommt man das Sortino Ratio – ein alternatives Performancemaß, welches auch eine solide Vergleichsbasis darstellt. Zu den alternativen Methoden der Performancemessung gehören außerdem noch die risikoadjustierte Performance (RAP) von Modigliani/Modigliani, die Differenzrendite, Calmar Ratio und normiertes Jensen Alpha.

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 01/2011 von Scope entnommen.

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