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PIMCO-Konjunkturausblick: wirtschaftliche Konvergenz, geldpolitische Divergenz

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PIMCO Konjunkturausblick
PIMCO, eine weltweit führende Investmentgesellschaft, erwartet für 2016 ein globales Wachstum von 2,6% gegenüber dem Vorjahr.

Bei seinem Konjunkturausblick sagt das Unternehmen ferner eine Wachstumsrate von 2,0% bis 2,5% für die US-Wirtschaft und ein über dem Trend liegendes Wirtschaftswachstum von etwa 1,5% in der Eurozone voraus.

Zinsanhebungen in den USA, geldpolitische Lockerung in Europa, China und Japan

PIMCO erwartet, dass der Verlauf weiterer Zinsanhebungen der US-Fed nach der ersten Anhebung vom Dezember der flachste in der Geschichte wird. PIMCO schätzt den aktuellen neutralen Leitzins für die USA auf lediglich etwa 2,5% gegenüber den historischen 4,25%. Bei der Fed sieht PIMCO die Gefahren darin, dass die Fed 2016 mehr als die zwei weiteren Zinsanhebungen um je einen Viertelpunkt liefert, die vom Markt derzeit eingepreist sind. Während sich manche Zentralbanken einschließlich der Bank of England eventuell den Zinsanhebungen anschließen, werden die meisten anderen großen Zentralbanken einschließlich der Europäischen Zentralbank, der Bank of Japan und der People’s Bank of China die Politik im Jahr 2016 eher lockern.

Weltwirtschaft konvergiert bei divergierenden Zentralbanken

Inmitten einer divergierenden Geldpolitik erwartet PIMCO, dass die großen globalen Volkswirtschaften weiter konvergieren. Für die Eurozone sieht das Basisszenario eine Fortsetzung des überdurchschnittlichen BIP-Wachstums von rund 1,5% vor. Der Schritt der EZB in die quantitative Lockerung hat weiterhin einen positiven Einfluss auf das Kreditwachstum und unterstützt den Rückgang der Spreads bei den Kreditzinsen der Banken in den Peripherieländern. Andrew Bosomworth, Leiter Portfoliomanagement bei PIMCO Deutschland, sagt: „Wir denken, dass die Gesamtinflation bei einem schwächeren Euro und niedrigeren Ölpreisen von etwa null im Jahr 2015 auf ungefähr 1% im Jahr 2016 steigen wird, glauben aber, dass sich die Kerninflation bei den gegenwärtigen geldpolitischen Bedingungen wahrscheinlich nicht auf ein Niveau erholen wird, das mit der EZB-Definition der Preisstabilität vereinbar ist.“ In diesem Fall sollte die EZB unter Druck geraten und den Umfang und das Tempo von QE anpassen, was die Türen für eine mögliche Erweiterung des bestehenden Programms öffnet.

In Großbritannien erwartet PIMCO für 2016 ein über dem Trend liegendes Wachstum im Bereich von 2% bis 2,5%. Das zentrale inländische Risiko besteht im Zusammenhang mit dem potenziellen „Brexit“-Referendum im dritten Quartal 2016. Mike Amey, Managing Director, sagt: „Obwohl dies nicht im Zentrum unserer Erwartungen steht, würde eine Entscheidung für das Ausscheiden das BIP in den zwölf Monaten danach wahrscheinlich um 1% bis 1,5% vermindern.“

In China rechnet PIMCO mit einem Wachstum von rund 6% und einer Gesamtinflation von rund 2%. Das Unternehmen glaubt immer noch, dass China über den notwendigen Willen und die erforderlichen Mittel verfügt, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich aufgrund des schwächeren Wachstums und des Wandels zu einer von der Inlandsnachfrage angetriebenen Dienstleistungsgesellschaft stellen. Wir erkennen jedoch, dass die Aufgabe schwierig ist und dass auf diesem Weg politische Fehler begangen werden können.


Wichtigste Makro- und Marktrisiken im Jahr 2016

PIMCO nennt mehrere Risiken für ihre Konjunkturprognosen: Erstens bedeutet ein bimodaler Ausblick für die USA, dass sich entweder die Inflation in den nächsten vier Quartalen wieder den von der Fed angestrebten Zielwerten annähert, oder es zu einer weiteren Enttäuschung nach unten kommen könnte. Zweitens und damit zusammenhängend waren die Rohstoffmärkte 2015 eine bedeutende Quelle der Volatilität, und dies könnte sich 2016 fortsetzen. Drittens bleiben die Schwellenmärkte eine potenzielle Quelle der Volatilität. Viertens stellen sich, obwohl Europa und Japan die expansive QE-Politik fortsetzen dürften, während die Fed zur selben Zeit ihre Geldpolitik strafft, Fragen zur Bereitschaft und Fähigkeit zu diesen Interventionen sowie zu deren Wirksamkeit. Fünftens hat die geringere Marktliquidität dazu geführt, dass die Märkte zu Überreaktionen auf relativ kleine Veränderungen der Informationslage oder der Politik neigen. Der Liquiditätsrückgang beruht zum großen Teil auf regulatorischen Initiativen, die es für die Banken teurer machen, Teile ihres Bilanzvolumens für den Handel zu verwenden, wenngleich die gedrängte Positionierung der Anleger, die aus QE-ähnlichen Interventionen herrührt und tatsächlich teilweise deren Ziel ist, ein weiterer Faktor ist, der dazu beigetragen hat. Alle diese Faktoren können ein Risiko für die Genauigkeit der Prognose sein und sollten genau überwacht werden.

Anlageimplikationen:

Auf globaler Ebene erwartet PIMCO die Durationsuntergewichtung in den meisten Portfolios beizubehalten. Dies spiegelt das Potenzial für einen gewissen Aufwärtsdruck auf die US- und die globalen Renditeniveaus, wenn die Fed die Geldpolitik weiter strafft, und den Umstand wider, dass die Laufzeitprämien entlang den Zinskurven in den Industrieländern im Allgemeinen niedrig sind. In den europäischen Portfolios erwartet PIMCO eine durchschnittlich eher neutrale Duration mit einem Fokus auf mittleren Laufzeiten.

In einer Welt der angemessenen bis hohen Bewertungen erscheint die Kreditrisikoprämie angemessen. Außerhalb des Energiesektors sind die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen solide, und PIMCO plant insgesamt im nächsten Jahr die Positionen in Kredittiteln zu erhöhen und dabei Schwächeperioden des Marktes auszunutzen. Zugleich sehen die Experten Chancen bei Investment-Grade-Anleihen, High-Yield-Anleihen, vorrangigen Schuldtiteln von US-Banken und Bankkapital in Europa sowie in größeren Peripherieländern in der Eurozone. Bei den Währungen sieht PIMCO beim US-Dollar Potenzial für weitere Aufwertungen, wenn auch in geringerem Tempo als in den letzten 18 Monaten.

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