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Preisgefahren: Basis-Effekte und mehr

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Dr Huefner Assenagon

Die Inflation ist wieder ein Thema. Nicht die große Hy­perinflation, die Anleger vor einem Jahr im Zusammen­hang mit der hohen Staatsverschuldung fürchteten. Es geht vielmehr um eine schleichende Geldentwertung im Zusammenhang mit dem Konjunkturaufschwung. Im Eu­roraum und in den USA erhöhte sich das Preisniveau zuletzt um 2,7 %, in China um 5,4 %, überall mit auf­wärts gerichteter Tendenz. Nur in Großbritannien hat sich der Preisanstieg zuletzt etwas verlangsamt. Er lag jedoch immer noch bei 4 %. Auf was müssen wir uns in den nächsten Monaten einstellen?

Zunächst Entwarnung: Die aktuelle Inflationsbeschleuni­gung sieht gefährlicher aus als sie ist. Sie beruht näm­lich in erster Linie auf negativen Basis-Effekten. Im letz­ten Jahr sind die Preise von März bis November fast gar nicht gestiegen. Zum Teil sind sie sogar gefallen. Wenn sie jetzt von Monat zu Monat nur mit einer Jahresrate von 2 % nach oben gehen (also in einem durchaus ak­zeptablen Rahmen), dann erhöht sich die Preisverände­rung gegenüber dem Vorjahr allein aufgrund des Basis-Effekts bis auf 3 % und mehr. Danach bildet sie sich aber auch wieder ohne irgendwelche Gegenmaßnah­men auf 2 % zurück.

Die Spekulation spielt bei den Ölpreissteigerungen eine große Rolle

An sich könnte man daher sagen: Was regen wir uns über die derzeitige Preissteigerung so auf? Sie ist so­wie­so nur temporär. Leider ist das nur die halbe Wahrheit. Es gibt daneben auch noch wirkliche Inflationsquellen. Die Ölpreise sind seit Jahresbeginn um 30 % auf USD 120 je Barrel (ge­messen am Nordseeöl Brent) gestiegen. Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Im Jahre 2008 haben sie sich auf USD 150 je Barrel erhöht. Damals nahm die Verbrau­cher­preissteigerung im Euroraum auf über 4 % zu. Natürlich spielt bei den Ölpreissteigerungen auch die Spekulation eine Rolle. Zeichen dafür ist, dass die Öl­lager inzwischen sehr voll sind. Irgendwann wird sich das zurückbilden. Aber niemand weiß, wann das der
Fall ist und ob das Öl nicht inzwischen negative Zweit­rundeneffekte auf Löhne und andere Preise auslöst.

Die deutsche Wirtschaft wächst schneller als die Kapazität

Die Nahrungsmittelpreise sind im März erfreulich gefal­len. Inzwischen ziehen sie aber wieder an (außer Zu­cker). Angesichts der Abhängigkeit inflationdieser Preise vom Wetter kann niemand sagen, ob sich der Aufwärts- oder der Abwärtstrend fortsetzt. Auch im Inland braut sich manches zusammen. In Deutschland wächst die Wirtschaft schneller als die Ka­pazität. Damit haben die Unternehmen mehr Mög­lich­keiten, Kostensteigerungen auf die Verbrau­­­cher zu überwälzen. Das wird in Zukunft sogar noch zuneh­men. Denn selbst wenn sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum im kommenden Jahr verringert, bleibt es doch mit 2 % deutlich über dem Potenzialwachstum, also dem Wachstum, das aufgrund von Kapital, Arbeit und technischem Fortschritt möglich ist.

Hohe Inflationsraten in Südeuropa

In Südeuropa gibt es diese konjunkturellen Effekte nicht. Allerdings fallen hier Preiserhöhungen durch indirekte Steuern oder öffentliche Gebühren im Zuge der Konsoli­dierung der Staatsfinanzen ins Gewicht. In Griechenland liegt die Inflation derzeit bei 4,9 %, in Portugal bei 3,6 %, in Spanien bei 3,0 %. Auf den gesamten Euroraum ge­rechnet erhöhen diese administrierten Preiserhöhungen die Inflationsrate um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte.

Diese Preissteigerungen in den Peripherieländern sind auch insofern ein Problem, weil sie die Wiedergewin­nung der Wettbewerbsfähigkeit in diesen Ländern behin­dern. Jahrelang waren die Preise dort stärker als in Deutschland gestiegen, weil sie über ihre Verhältnisse gewirtschaftet hatten. Jetzt setzt sich das fort, weil sie Geld eintreiben müssen. Lediglich bei den Lohnstück­kosten holen die Peripherieländer gegenüber Deutsch­land auf. Hier ist aber noch ein langer Weg zu gehen.

Die jährliche Lohnerhöhung dürfte leicht über 3 Prozent liegen

Was der Inflation hilft, sind derzeit die Löhne. Sie stei­gen in Deutschland um gut 3 %. Es ist trotz der guten Konjunktur nicht erkennbar, dass sie im Laufe des Jah­res wesentlich stärker zunehmen könnten. In der deut­schen Chemieindustrie gab es zuletzt zwar einen Ab­schluss von über 4 %. Er läuft aber länger als ein Jahr. Zudem gibt es keine Einmalzahlungen. Die jährliche Lohnerhö­hung liegt also auch bei diesem Abschluss
nur bei etwas über 3 %. Viel deutet darauf hin, dass die Löhne auch in Zukunft eher moderat steigen. Die Ge­werkschaften scheinen relativ schwach zu sein, außer vielleicht im öf­fentlichen Dienst (da aber sind die Kassen leer) oder bei Spezialgewerkschaften wie den Lok­führern.

Die sogenannte Kerninflation, auf die die Volkswirte so gerne schauen (statistisch gemessene Inflation abzüg­lich Energie- und Nahrungsmittelverteuerung) ist nach wie vor niedrig. Sie liegt bei 1,3 %. Sie geht aber deut­lich nach oben. Vor einem Jahr war sie nur etwa halb
so hoch.

Für den Anleger

Die Geldpolitik ist in einer schwierigen Lage. Objektiv gesehen sind die steigenden Inflationsraten, zumindest im Euroraum, noch nicht so besorgniserregend. Nie­mand aber weiß, ob die Preiserwartungen davon nicht doch beeinflusst werden und einen inflationären Prozess aus­lösen. Zudem gibt es Preisgefahren auf den Roh­stoff­märkten und durch die konjunkturelle Entwicklung im Inland. Gehen Sie davon aus, dass die Preise stärker steigen und die Notenbank daher die Zinsen weiter an­hebt. Auch die Bond-Renditen werden noch ein Stück ansteigen.

 

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