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Professionelle Anleger setzen verstärkt auf ETFs

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Die starken Kursrückgänge am Aktienmarkt hinterließen auch deutliche Spuren im Fondsmarkt. Aktienfonds erlitten im August 2011 laut einer aktuellen Untersuchung des Finanzberatungsunternehmens kommalpha Fondsvolumenverluste von über 20 Prozent. Auch in anderen Asset Klassen ergeben sich laut dieser Untersuchung Reduktionen. Professionelle Anleger schichteten teilweise in ETFs um.

„Legen wir durchschnittliche Fees zugrunde, so schätzen wir aus den aktuellen Marktturbulenzen für die Produzenten eine kalkulatorische Reduzierung der Ertragsbasis p.a. um über 500 Mio. Euro. Bei Analyse der Bilanzen der etablierten Fondshäuser zeigten sich schon in den letzten Jahren deutlich sinkende Margen und verschlechterte Ertragssituationen. Die aktuelle Entwicklung erhöht also grundsätzlich den Druck“, so die Studienautoren von kommalpha.

Aktuell würden laut dieser Untersuchung vor allem professionelle/institutionelle Kunden auf diese Entwicklung reagieren und entzögen sich dem Publikumsfondsmarkt oder schichteten teilweise in ETFs um. „Sie haben ihre Risikotragfähigkeit im Auge und nutzen systematische Verfahren, um aus Investments auszusteigen bzw. Risiken zu hedgen. In Spezialfonds würden dagegen diese individuellen Risikoprofile der Investoren im Normalfall bereits berücksichtigt und die Anleger pflegten einen engen Kontakt zum Fondsmanager, sodass Schließungen – auch in schwierigen Marktphasen – in der Regel nicht notwendig seien. „In den vergangen Quartalen haben wir daher einen Trend der wachsenden Bedeutung von Spezialfonds zu beobachten gehabt“, so kommalpha weiter.

Privatanleger reagieren noch schneller

Der Retailmarkt dagegen hat laut dem Finanzberatungsunternehmen andere Mechanismen. Private Fondsanleger würden teils noch drastischer als institutionelle reagieren. Wie 2008/2009 würden aktuell wieder viele Fondsanleger zu ehemaligen Fondsanlegern. „Die Erhebung des DAI (Deutsches Aktien Institut) hierzu erwarten wir mit Spannung. In der letzten Krise verlor die Branche nicht weniger als 1,3 Mio. private Fondsanleger. Viele Kleinanleger werden auch erst nach Erhalt ihrer Jahresdepotauszüge Anfang 2012 entscheiden, ob sich die getätigte Anlage für die Erreichung ihrer Ziele überhaupt eignet. Bis dahin könnte eine freundliche Marktentwicklung gegebenenfalls heilen.

Druck auf Produktanbieter wächst

Die aktuelle Situation wird nach Meinung von kommalpha erneut für alle Produzenten den Druck erhöhen, sich den bekannten Herausforderungen schneller und konkreter zu stellen:

  • Eine Produktentwicklung auf Basis klarer Orientierung an den – oft sehr konservativen – Kundenbedürfnissen
  • Eine stärkere Kundenorientierung bei der Kommunikation auch in schwierigen Marktphasen
  • Transparenz als wichtiges Gebot für alle Produkte
  • Fairness und Professionalität im Vertrieb von Fondsprodukten
  • Eine schnellere Bereinigung der viel zu umfangreichen Produktportfolien
  • Eine stärkere Profilierung im Sinne der Fokussierung auf klar definierte und gelebte Kernkompetenzen
  • Die Schaffung von einfachen Lösungen für den Kern deutscher Vermögensbildung: Die Altersversorgung

Generelle Trends wie die Honorarberatung und der Erfolgszug der ETFs als wichtiges Vehikel seien auf dieser Basis entstanden und setzten sich generell fort bzw. verstärkten und beschleunigten sich nach unseren Analysen in krisenhaften Situationen wie der aktuellen.

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.