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Prospery – Was bietet der digitale Vermögensmanager der ABN Amro

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Mit Prospery erhalten Kunden einen vollständigen Überblick über Ihr Vermögen und investieren mit Top-Investmentmanagern. Bei Bedarf steht ein Vermögenscoach zur Seite.

Die Prospery GmbH, eine deutsche Tochtergesellschaft der niederländischen ABN Amro, bietet seit neuestem eine innovative digitale Vermögensverwaltung mit persönlichen Coaches an, die einem jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ein Blick auf dieses Angebot lohnt sich – allerdings nicht für jeden.

Die Digitalisierung löst in fast allen Branchen einen enormen Wandel aus – auch in der Finanzbranche und im Speziellen in der Finanzberatung. Sie ermöglicht mehr Transparenz, Flexibilität und Professionalität. Drei Eigenschaften, die für den modernen Anleger im Umgang mit Geld unabdingbar sind. Nicht ohne Grund wächst der Markt für digitale Vermögensverwaltung stetig an. Eine professionelle Vermögensverwaltung wird dabei meist automatisiert gesteuert und dadurch auch kleineren Anlegern kostengünstig zugänglich gemacht. Wichtige Aspekte sind dabei jedoch auch die transparente Darstellung des Portfolios, mobiler Zugriff und ein flexibles Kündigungsrecht. Anders als die „klassischen“ Robo-Advisors versucht nun eine deutsche Tochtergesellschaft der ABN Amro gezielt diese Aspekte aufzugreifen und die Vermögensberatung mit einer digitalen Präsenz zu verschmelzen.

Prospery, eine Initiative der ABN Amro, versteht sich als innovativer digitaler Vermögensverwalter, der bewusst auf den Einsatz von Robotern verzichtet und stattdessen auf menschliches Coaching setzt. Dadurch schafft der Vermögensverwalter ein klares Alleinstellungsmerkmal im stark anwachsenden Markt der digitalen Vermögensverwaltung – verglichen mit den vollautomatisierten Robo-Advisors. Die Innovation liegt hierbei also nicht in der automatisierten Portfolioverwaltung, sondern in der Verbindung von klassischer Vermögensverwaltung und digitalem Angebot. Dieses ist dabei vielschichtiger als bei den meisten Robo-Advisors.

Bei Prospery kann der Kunde aus drei unterschiedlichen Services wählen. Prospery View, einer kostenfreien Variante zur integrierten Kontenüberwachung, Prospery Coach, einem Zugang zu individueller Online-Beratung, und Prospery Invest, der aktiven Vermögensverwaltung im eigentlichen Sinne. Die beiden Letzteren sind kostenpflichtig und lassen sich auf Wunsch auch kombinieren, um dem Kunden ein noch umfangreicheres Angebot zu ermöglichen. Wie die einzelnen Angebote genau funktionieren, was sie kosten und für wen sie besonders geeignet sind, haben wir uns im Folgenden genauer angesehen.

Prospery: Breites Serviceangebot

Prospery bietet drei unterschiedliche Services an. Prospery View, Prospery Coach und Prospery Invest. Alle können dabei unabhängig voneinander in Anspruch genommen, aber auch kombiniert werden. Die beiden kostenpflichtigen Angebote sind dabei monatlich kündbar.

  • Prospery View verspricht dem Kunden eine kostenfreie Lösung zur besseren Übersicht über seine Finanzen. Dabei können Bankkonten und Depots individuell hinzugefügt werden, um dem Nutzer seine gesamten Finanzen aggregiert aufzuzeigen. Diese werden dabei automatisch aktualisiert. Mit automatischen Analysen und Prognosen kann der Nutzer kontrollieren, ob er mit seiner aktuellen finanziellen Ausrichtung seine selbst gesetzten Ziele erreichen wird.
  • Prospery Coach ist ein kostenpflichtiges Angebot. Der Service beinhaltet einen persönlichen Vermögenscoach, den der Kunde montags bis samstags per Video-Call oder Chat erreichen kann. Gemeinsam mit dem Kunden berät und unterstützt der „Wealth Coach“ und zeigt mögliche Investitionsmöglichkeiten auf, die sich mit den persönlichen Vorstellungen decken. Prospery verspricht dabei „unabhängiges & flexibles“, „ganzheitliches & persönliches“ und „individuelles & transparentes“ Coaching.
  • Prospery Invest nennt sich das Angebot der Vermögensverwaltung von Prospery. Professionelle Vermögensverwalter von Partnern wie Amundi oder Blackrock entwickelt und verwaltet ein auf den Kunden individuell zugeschnittenes Portfolio. Dabei ist, ähnlich wie bei den meisten Robo-Advisors, das ermittelte Risikoprofil auschlaggebend. Die langjährige Expertise von ABN Amro und die digitale Kommunikation zum Kunden bergen dabei Potential für ein erfolgreiches aktives Portfoliomanagement. Prospery setzt dabei auf „echte“ Experten anstatt auf Robo-Advisors, und auf aktive Fonds anstatt ETFs. Dies soll gerade in schwierigen Marktphasen eine dynamische und effiziente Umschichtung der Vermögenswerte ermöglichen. Aber nicht nur in der Anlagestrategie und den Anlageklassen unterscheidet sich Prospery von den Wettbewerbern.

Darstellung der Serviceangebote

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Die verschiedenen Angebote von Prospery bieten einiges, sind aber auch dementsprechend teuer.

Prospery: Das kostet die digitale Vermögensverwaltung

Generell verlangt Prospery für seine Dienste einen Pauschalpreis und keine prozentualen Voluminapreise. Diese „Philosophie“ folgt einer laut Prospery logischen Überlegung, denn auf mehr investiertes Geld folgt kein höherer Arbeitsaufwand. Es sollen also bei einer Erhöhung der Volumina keine erhöhten Kosten auf den Endkunden umgeschlagen werden.

Dieses Preismodell deutet schon an, dass bei Prospery Invest möglicherweise Kunden mit hohem Investitionsvolumina besser aufgehoben sind. Wie aus Abbildung 1 zu entnehmen ist, kann der Interessent Prospery View kostenlos in Anspruch nehmen. Für Prospery Coach und Prospery Invest fallen monatlich jeweils fixe Gebühren i.H.v. 179 Euro (89,50 Euro in den ersten drei Monaten) an. Kombiniert kostet Prospery Coach & Invest etwas vergünstigt 239 Euro (119,50 Euro in den ersten drei Monaten) monatlich. Das sind stolze Summen, die sich wie erwartet erst ab einer gewissen Anlagesumme amortisieren – verglichen mit dem prozentualen Preismodell bei bisherigen Robo-Advisors.

Wie Abbildung 2 zeigt, ist Prospery im Schnitt ab Anlagebeträgen von rund 380.000,00 Euro billiger für den Anleger als die bereits existierenden Robo-Advisors. Zusätzlich darin enthalten sind natürlich die Vermögensübersicht von Prospery View und der persönliche Coach von Prospery Coach. Der Pauschalpreis von Prospery exkludiert, analog zu den Angeboten anderer Robo-Advisors, die auf Fondsebene anfallenden Produktkosten. Diese sind variabel, da sie sich je nach Portfoliozusammenstellung unterscheiden. Laut einer Schätzung von Prospery bewegen sich diese zusätzlichen Kosten zwischen 0,3 Prozent und 0,67 Prozent p.a. Es existiert darüber hinaus noch eine Outperformance-Vergütung für die entsprechenden Fondsmanager, welche 20 Prozent des positiven Unterschieds zwischen Portfoliokomponente und dem jeweiligen Vergleichsindex. Alle Kosten werden bereits gebündelt in der Renditeermittlung berücksichtigt, sodass dem Anleger direkt angezeigt werden kann, was das Portfolio netto erwirtschaftet hat.

Kostenvergleich: Prospery – übliche Robo-Advisors

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Erst ab einem Anlagebetrag von rund 380.000,00 Euro entwickelt sich das Preismodell von Prospery zu einer günstigeren Variante als die prozentuale Bepreisung bei üblichen Robo-Advisors.

Prospery: Pro und Contra

Pro:

  • Unterstützung durch Experten-Coaching
  • Hohe Expertise im Kapitalmarktbereich (ABN Amro)
  • Professionelles, aktives Portfoliomanagement durch „echte“ Experten
  • Kostenloses Prospery Sparkonto
  • Vielfaltiges Angebot

Contra:

  • Zu hohe Kosten für Kleinanleger (< 350.000,00 Euro)
  • Keine Anlage in ETFs

Unser Fazit zu Prospery:

Prospery bietet im Bereich der digitalen Vermögensverwalter ein gänzlich neues Konzept an, bei dem lediglich die Kommunikation und Darstellung des Portfolios Inhalt der digitalen Welt ist, die Portfolioverwaltung jedoch weiterhin aktiv von Menschenhand betrieben wird. Die Möglichkeit einer kostenfreien Übersicht der eigenen Finanzlage mit Prospery View ist eine tolle Ergänzung, gerade für erfahrenere Anleger, die bei der Anlagestrategie doch eher den Do-It-Yourself-Ansatz verfolgen möchten. Das unterstützende Coaching, das Prospery anbietet, ist relativ teuer dafür, dass das Portfoliomanagement darin noch nicht enthalten ist. Prospery Invest verfolgt eine aktive Vermögensverwaltung durch echte Experten der Branche, wobei sich diese aufgrund der hohen pauschalen Bepreisung hauptsächlich für Menschen mit großem Vermögen lohnt.

Die Redaktion des EXtra-Magazins hat alle in Deutschland aktiven Robo-Advisors beleuchtet und bewertet und dafür einen eigenen Robo-Advisor-Vergleich erstellt. In den kommenden Wochen werden wir auch zu diesem Anbieter einen umfassenden Testbericht erstellen.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.