Start ETF-News „Made in Germany“ punktet

„Made in Germany“ punktet

26
etf_marktbericht

13. September 2011. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit der sich verschärfenden Not Griechenlands und hochnervösen Märkten üben sich Anleger bei Aktien-ETFs in Zurückhaltung. Eine Verkaufswelle bleibt aber aus, wie die Händler einhellig berichten. Der DAX war gestern zwischenzeitlich unter die Marke von 5.000 Punkten gerutscht und damit so tief wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Nach einem Schlussspurt an den US-Börsen – Auslöser war eine Meldung der „Financial Times“, derzufolge Italien mit chinesischen Investoren über den Ankauf von Staatsanleihen verhandelt – startete der DAX am Dienstagmorgen mit Kursgewinnen in den Tag, hält sich aber mittlerweile nur noch mühevoll oberhalb von 5.000 Zählern. Sorgen bereiten den Börsianern wieder einmal französische Banken.

Alexander Kuppler von der Deutschen Bank beschreibt die Reaktion der ETF-Anleger indes als „verhalten“: „Von Panik oder Ausverkaufsstimmung kann nicht die Rede sein.“ Das Handelsaufkommen bewegte sich eher am unteren Rand. „Selbst gestern waren die Umsätze nur guter Durchschnitt.“ Das beherrschende Thema bleibe im Übrigen Gold. Auch Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von „besonnenen“ Investoren und einem nur leichten Verkaufsüberhang bei rückläufigen Umsätzen.

Leichter Abgabeüberhang bei Bluechips-ETFs

Das Bild bei Trackern der Standardindizes ist zwar nicht freundlich, aber auch nicht dramatisch. Der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge hielten sich bei DAX-ETFs (WKN 593393, ETF001) Zu- und Abflüsse in etwa die Waage, während bei Euro Stoxx-ETFs (WKN 593395) Käufe und bei US-Produkten (WKN 794358) Verkäufe leicht dominiert hätten. Die DekaBank meldet sogar einen Käuferüberhang bei DAX- (WKN ETFL01) und Euro Stoxx-Indexfonds (WKN ETFL02), eindeutig auf den Verkaufslisten sieht Mark Schönbrodt hingegen die Dow Jones-ETFs wie den iShares DJ Industrial Average (WKN 628939).

Besondere Beachtung finden derzeit Short-Produkte. Etwa wird der Short-DAX der Deutschen Bank zufolge rege gehandelt (WKN DBX1DS). „Hier werden beide Seiten gespielt“, heißt es. Das derzeit hohe Interesse an Short- auch gehebelten Produkten belegt auch der Blick auf die Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage: Hier steht der db x-trackers Short-DAX auf dem zweiten Platz und damit ungewöhnlich weit oben. Auch der db x-trackers Euro Stoxx 50 Short (WKN DBX1SS) und der Lyxor LevDAX (WKN LYX0AD) wurden öfter gehandelt als üblich, ebenso der Comstage Short DAX (WKN ETF004) und der ETFX DAX 2x Short Fund (WKN A0X9AA) von ETF Securities.

Deutsche Staatsanleihen weiter Kassenschlager

Im Übrigen steht Sicherheit weiter hoch im Kurs, die Flucht in Bundesanleihen setzt sich fort. „Wir sehen fast nur Käufer bei Festverzinslichem“, heißt es von der DekaBank.

Speziell die deutschen Staatsanleihen zögen – und das über alle Laufzeiten hinweg (WKN ETFL20, 628947). Der Deutschen Bank zufolge setzen Investoren vor allem auf ETFs mit kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen wie den db x-trackers II iBoxx Euro Germany 1-3 Total Return (WKN DBX0C9), die Commerzbank sieht das Interesse hingegen eher bei langen Laufzeiten (WKN ETF522). Bei den an europäischen Staatsanleihen gekoppelten ETFs beobachten manche Händler Nachfrage. „Außerdem waren geldmarktnahe ETFs sehr gesucht“, ergänzt Bartels (WKN ETF100). Auffallend ist auch hier das große Interesse an ETFs mit Struktur. Als Beispiel nennt Bartels den ComStage Commerzbank Bund-Future Short (WKN ETF562) und den Lyxor Daily Double Short Bund (WKN LYX0FW). „Diese „Diese ETFs werden als Handelsinstrumente genutzt“. Vor dem Hintergrund der Massenflucht in deutsche Staatsanleihen erklimmt der Bund-Future derzeit immer neue historische Höchststände, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sackte gestern zwischenzeitlich auf ein Rekordtief von 1,708 Prozent ab.

Anleger winken bei Banken ab

Bei den Branchen-ETFs stehen nach wie vor die Indexfonds mit Bankaktien im Fokus, von denen sich Anleger im großen Stil trennen. Betroffen war laut DekaBank etwa der iShares Stoxx Europe 600 Banks (WKN A0F5UJ), der Deutschen Bank zufolge gab es neben den Verkäufen aber durchaus auch einzelne Zukäufe (WKN DBX1SF). Die Preise der Bankenaktien und damit auch die ETFs zu den Branchenindizes sind in den vergangenen Wochen deutlich günstiger geworden. Etwa hat der db x-trackers Stoxx 600 Banks (WKN DBX1SF) auf Sicht von vier Wochen mittlerweile 19 Prozent an Wert verloren, auf Sicht von drei Monaten 35 Prozent. Ansonsten fehlen große Trends. Laut Société Générale finden allenfalls defensive Sektoren wie die Gesundheitsbranche Anhänger, die DekaBank meldet Abgaben bei den Grundstoffen und vereinzelt Zuflüsse bei den Telekommunikationswerten.

Funkstille bei Schwellenländer-Indexfonds

Uninspiriert präsentiert sich unterdessen der Handel mit Schwellenländer-ETFs. „Hier wird überwiegend verkauft“, meldet Kuppler mit Blick auf marktbreite Indexfonds (WKN DBX1EM). Die Commerzbank sieht nur geringes Interesse an Schwellenländern. „Die Emerging Markets sind in den Hintergrund gerückt“, kommentiert auch Marco Salaorno von der Société Générale.

TEILEN
Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.