Start ETF-News Ratings geben auch bei ETFs eine Orientierungshilfe

Ratings geben auch bei ETFs eine Orientierungshilfe

45

Je dichter der ETF-Dschungel wird, desto wichtiger wird der Blick auf Details. Scope Analysis startete daher im Herbst 2009 mit dem Rating von Indexfonds. In drei Panels werden ETF-Mantel und Index nach einer Vielzahl von Kriterien bewertet.

Der Europäische Fonds-Dachverband Efama hat vor kurzem angekündigt, die Öffentlichkeit mit einem Grundlagendokument besser über Exchange Traded Funds (ETFs) aufklären zu wollen. Die European Fund and Asset Management Association sieht demnach die Notwendigkeit, für mehr Durchblick zu sorgen. Selbst einige Emittenten beäugen das rasante Wachstum des Markts inzwischen kritisch. Es herrscht allgemeines Bedenken, dass die Produkte immer komplizierter werden und das „E“ wie einfach, mit dem sie vielfach beworben werden, bereits wackelt. Als sich Scope Analysis 2009 entschloss, das Rating von ETFs zu starten, waren diese Warnrufe noch nicht so laut zu hören. Doch zeichnete sich der Weg bereits ab. Die Produkte kritisch zu prüfen und zu bewerten wurde zum Rating- Start vielfach als wichtige Orientierungshilfe für Anleger aufgefasst und ist es heute mehr denn je. Die Idee von ETFs – die Abbildung eines Index – hört sich „einfach“ an. Auf den ersten Blick scheint es auch, als ließen sich hierbei nicht allzu viele Fehler machen. Doch weshalb sich viele Anleger nach mehr Durchblick sehnen, wird bei einem näheren Blick auf Details verständlich: Die Lücken zwischen Index- und ETF-Entwicklung klaffen bei manchen Produkten erheblich auseinander, nicht jeder Index bietet eine gute Abdeckung des vom Investor gewählten Zielmarktes und transparent kann ein ETF nur sein, wenn der Anbieter alle notwendigen Informationen zu seinem Produkt zur Verfügung stellt. Mit diesen Schlaglichtern sind bereits die drei Bewertungsfelder angesprochen, an denen Scope Analysis das ETF-Rating aufspannt: Produktqualität (40 Prozent), Indexqualität (35 Prozent) und Transparenz (25 Prozent).

Panel 1: Qualität der Produkthülle

Auf Produktebene prüft Scope Analysis den ETF-Mantel. Ein wichtiges Kriterium in diesem ersten Panel ist die Frage, wie genau der Fonds den Index widerspiegelt. Die Replikationsqualität ist aus Sicht des Investors ein entscheidendes Kriterium, zumal genau dies die eigentliche Aufgabe eines Indexproduktes ist. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds verzichten Anleger hier bewusst auf einen möglichen Mehrertrag gegenüber der Benchmark durch aktive Komponenten – zugunsten der Eliminierung einer ebenfalls möglichen Underperformance solcher

Strategien. Ein weiteres wichtiges Kriterium sind auf dieser Ebene die anfallenden Kosten. ETFs zeichnen sich in der Regel durch geringe Kosten aus, da hier weder ein Fondsmanager noch eine Researchabteilung oder Ähnliches bezahlt werden müssen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Kosten sind, desto geringer ist – ceteris paribus – die Wahrscheinlichkeit einer langfristig stabilen Indexreplikation. Auch wenn ein ETF z. B. durch etwaige Dividendenoptimierungen einen Teil der Kosten reduzieren kann, bleibt dieser Punkt ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl und Bewertung von börsengehandelten Indexfonds. Ein letztes Merkmal in Panel eins ist die Handelsqualität, die seitens Scope durch das Xetra Liquiditätsmaß abgedeckt wird.

Panel 2: Auf den Inhalt kommt es an

Panel zwei der Bewertung wendet sich von der Produkthülle ab hin zum eigentlichen Inhalt eines ETFs – dem Index. Geschuldet ist dies der Tatsache, dass Scope bei der Bewertung einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Das bedeutet, dass neben der Produkthülle auch der Kern des Fonds analysiert werden muss, um so für den Anleger eine höhere Transparenz zu erlangen. Investoren muss bewusst sein, dass die Chancen und Risiken aus den jeweiligen Märkten kommen. Ein ETF ist, weitestgehend, eine Produkthülle, die dem Anleger den Zugang zu diesen Märkten ermöglicht. Die dazugehörige Analyse zum zugrunde liegenden Index umfasst drei Teile: Repräsentations- und Reinheitsgrad, Indexsteuerung sowie die Indexberechnung. Bei der Bewertung des Repräsentationsgrads wird eine Marktanalyse vorgenommen. Ein guter Index muss den zugrunde liegenden Markt breit abdecken. Gerade bei Themeninvestments ist dieser Punkt von hoher Bedeutung. Hier besteht der Anspruch an den Indexkonstrukteur, dass der Index thematisch und inhaltlich sauber abgegrenzt ist. Wird z. B. ein bestimmtes Thema abgebildet, so sollte der Index solche Mitglieder enthalten, die zumindest weitestgehend dieses Thema als Kerngeschäftsfeld haben. Werden Unternehmen beigemischt, die dies nur am Rande abbilden, ist die Gefahr von strukturellen Risiken für den Anleger sehr hoch. Gerade im Rahmen einer strategischen Portfoliooptimierung kann die Unkenntnis über solche Risiken zu erheblichen Verwerfungen in der Risiko-Ertrags-Struktur führen. Ebenfalls spielt die Diversifikation eine ausschlaggebende Rolle: Insbesondere bei kleinen Märkten können schnell hohe Klumpenrisiken entstehen. Der zweite Punkt in der Indexbewertung, die Indexsteuerung, umfasst die Flexibilität bzw. Trägheit einer Indexkonstruktion. Ein als qualitativ hochwertig anzusehender Index zeichnet sich durch regelmäßige Anpassungen aus. Dazu gehört nicht nur die mathematische Revision von Gewichtungen, sondern auch und insbesondere die Überprüfung der Indexmitglieder auf Regelkonformität. Ein weiteres Qualitätskriterium ist die Kursversorgung des Index: Ein guter Index zeichnet sich durch eine hohe Berechnungsfrequenz aus.

Panel 3: „t“ wie transparent

Die Informationsqualität steht im Mittelpunkt des dritten Bewertungspanels auf ETF-Ebene. Auch wenn ETFs scheinbar transparente Anlagevehikel sind, muss dies insbesondere vor dem Hintergrund des massiven Anstiegs der Anzahl und Komplexität von ETFs kritisch hinterfragt werden. Der Emittent steht in der Pflicht, Anleger sowohl über die Basiswerte bzw. Märkte zu informieren, auf die sich der ETF bezieht, als auch über spezifische Eigenschaften des Produkts. Dazu gehören z. B. Ausschüttungs- und Thesaurierungsdaten, interaktive Charts, historische Kurse (auch vom Index) sowie steuerliche Aspekte.

Die drei Panels werden am Ende des Rating- Verfahrens zu einer Gesamtnote für den jeweiligen ETF verdichtet und das Ergebnis veröffentlicht. Auf der Website www. scope-indexfonds.de können Sie jederzeit die ETF-Ratings von Scope abrufen. Derzeit wird bei 17 Indexfonds das Höchstrating mit 5-Sternen vergeben.

TEILEN
Vorheriger Artikel2011 wird ein gutes Jahr für Rohstoffe
Nächster ArtikelTrendfolgestrategie – Trittbrettfahrt mit System
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.