Start ETF-News Realität enttäuscht die Markterwartungen

Realität enttäuscht die Markterwartungen

46
ETF-Experten Dr. Alexander Seibold

Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu, es hat viele Überraschungen bereit gehalten. Ich möchte diesen Marktkommentar für einen Rückblick auf die Aktienmärkte des vergangenen Jahres nutzen, verbunden mit einem ersten Ausblick auf den Start des Börsenjahres 2010.

Der Obama Squeeze-Out

Das Jahr begann mit dem „Krisen-Nachgrollen“, das bis auf das Jahrestief von fast 3.600 Punkten im deutschen Aktien-Index DAX führte. Es folgte eine Phase, die ich „Obama Squeeze-Out“ genannt habe. Eine ganze Reihe Hilfspaketen von Notenbanken und Regierungen auf der ganzen Welt hat zu der – richtigen – Einschätzung geführt, dass das Finanzsystem nicht kollabieren wird und eine Wende in der Weltwirtschaft möglich ist. Verbunden mit dem Optimismus des US-Präsidenten Barack Obama („Yes we can“) führte es zu einem radikalen Marktumschwung.

Die Fabel vom Hase und Igel

Eine spannende Entwicklung begann im Frühsommer. Wie in der Fabel vom Hase und Igel warteten alle auf eine neue Korrektur. Sie kam aber nicht, sondern ein neuer Aufschwung war jedes Mal bereits da. Die Sommerrallye trieb den DAX bis auf neue Jahreshöchststände in der Spitze auf über 5.800 Punkte.

Die Optimisten-Dämmerung

Seitdem befinden wir uns in einer Phase, die ich „Optimisten-Dämmerung“ genannt habe. Die Aktienmärkte – wie beim DAX gilt das für die meisten großen Indizes – schaffen keine neuen Höchststände, weil die Zweifel wachsen.  Diese Zweifel betreffen die Basis des bisherigen Aktienmarktaufschwungs und können mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in eine neue, krisenhafte Phase führen. Worum geht es? Nach Daten des Informationsdienstleisters Bloomberg prognostizieren Banken und Forschungsinstitute für 2010 in den USA ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, in 2011 sogar von fast drei Prozent. Gleichzeitig wird aber erwartet, dass die Arbeitslosenquote im Jahresschnitt 2010 bei nahezu zehn Prozent verharrt und dass die öffentlichen Haushalte neue Schulden in großem Stil aufnehmen müssen. Das passt nicht zusammen.

Die Diskrepanz ist zu hoch

Einen weiterer Hinweis auf die zu optimistischen Erwartungen: Die Frühindikatoren der wichtigsten Industrieländer haben nach Berechnungen von Bloomberg schon wieder das Niveau vor der Finanzkrise erreicht, dagegen hat sich die Industrieproduktion erst wenig von den Tiefstständen erholt. Es besteht die Gefahr, dass diese Diskrepanz zu den (noch) nicht erfüllten Erwartungen zu deutlichen Kursverlusten führt.

Der japanische Aktienmarkt als Vorläufer

Während die Aktienindizes in Europa und den USA sich in der beschriebenen Endphase des Optimismus befinden, scheint der japanische Aktienmarkt das nächste Kapitel angeschnitten zu haben. Die Kurse haben sich schon sehr deutlich von den vergangenen Höchstständen entfernt. In der Vergangenheit hat sich Japan schon mehrmals als Vorläufer entpuppt.

Fazit:

Dr. Seibold Capital wird weiter großen Wert auf Risikokontrolle legen, um für die beschriebenen Unwägbarkeiten gerüstet zu sein.

TEILEN
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.