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Rebalancing – das Risikoprofil im Griff

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Wer sein ETF-Investment weder pflegt noch bewirtschaftet, muss damit rechnen, dass sich sein Portfolio im Laufe der Zeit völlig anders entwickelt als ursprünglich geplant. Mit einem Rebalancing jedoch lässt sich das individuelle Risikoprofil auf Jahre berechenbar halten.

ETFs sind die günstigste und einfachste Art, von der Entwicklung verschiedener Märkte zu profitieren. Beim Zusammenstellen eines Portfolios sollte der Anleger allerdings darauf achten, dass er die Risiken so gewichtet und verteilt, dass sie seinem persönlichen Bedürfnis entsprechen. Etwa nach der klassischen Faustformel: Je jünger, desto mehr Geld in Anlageklassen mit mehr Risiko, aber auch Renditepotenzial investieren. Je älter, desto mehr in Sicherheit investieren. Das Risikoprofil ist also individuell verschieden. Es wird zu Anfang festgelegt und folgt langfristig einem bestimmten Plan. Oder auch nicht. Zumindest dann nicht, wenn das gesamte Investment unbearbeitet seinen Weg geht. Hintergrund: Die verschiedenen Märkte entwickeln sich nicht einheitlich. Wenn sich beispielsweise Renten schlechter entwickeln, Aktien oder Rohstoffe aber deutlich besser, so schlägt sich das in einer Veränderung der Gewichtung im Portfolio nieder. Durch die unterschiedlichen Wertzuwächse und – verluste verteilt sich das investierte Kapital dann in Richtung der renditestärkeren Klassen.

Schleichende Risikoprofilverschiebung

Nach einigen Jahren hat das zwischenzeitliche Auf und Ab der verschiedenen Märkte zur Folge, dass das gesamte Ursprungsprofi l des Portfolios nicht mehr zu erkennen ist. Zwar mag unter Umständen die Rendite stimmen, jedoch: „Der Preis dafür ist, dass das Portfolio immer risikobehafteter und schwankungsanfälliger wird“, sagt Günter Stibbe von der Münchner Vermögensverwaltung AVANA Invest. Der ETF-Spezialist, der sich gezieltes Risikomanagement auf die Fahnen geschrieben hat und vorwiegend langfristig planende, institutionelle Investoren betreut, nennt die potenziellen Folgen: „Wenn die Märkte einmal einbrechen, verlieren meist die, die zuvor stark gewonnen haben, besonders deutlich und umgekehrt.“ Erkennbar ist ein gestiegenes Risiko an der erhöhten Volatilität und am Maximum Drawdown, also dem maximalen Kursverlust in einem bestimmten Beobachtungszeitraum (siehe Grafik). Das Beispiel zeigt einen simulierten Verlauf über 13 Jahre: Die ursprünglich mit 60 Prozent gewichtete Rentenstrategie hatte am Ende der 13 Jahre nur noch eine Gewichtung von 32 Prozent. Die Aktien- und Rohstoffstrategien haben im Gegenzug deutlich an Gewichtung gewonnen.

Ungleichheiten ausbügeln

Verhindern lässt sich eine derartige Verschiebung im Risikoprofil nur, wenn in regelmäßigen Abständen rebalanciert wird. Titel mit zuvor guter Performance werden also verkauft und Anlageklassen, die schlecht gelaufen sind, werden zugekauft. Es wird also umgeschichtet von Positionen mit höherer Rendite in solche mit niedrigerer Rendite, bis das anfängliche Risiko- Gewinn-Verhältnis wieder hergestellt ist. „Damit ist diese Vorgehensweise gleichzeitig antizyklisch“, sagt Günter Stibbe und beschreibt diesen Anlageprozess wie folgt: „Wenn Aktien stets fallen, kann der Investor durch Zukauf bei niedrigen Kursen seine Ursprungsallokation beibehalten. Bei einer Erholung des Marktes kann er sie dann auf einem höherem Niveau wieder verkaufen.“ Kaufen und Verkaufen gegen den Trend also. Eine andere Variante ist, dass ein Investor eine Bandbreite festlegt, innerhalb derer er Abweichungen toleriert. Werden diese überschritten, wird umgeschichtet. Häufig wird hier eine Toleranz von fünf Prozent bevorzugt. Zusätzlich lässt sich ein Cap einziehen, bei dem nur bestimmte definierte Assetklassen die festgelegte Bandbreite nicht überschreiten dürfen. Dem Anleger stehen also einige Variationen offen. Für Stibbe ist das Rebalancing letztlich „eine Art Feintuning“. Zwar werde gelegentlich von einer Risikostrategie gesprochen, meint er, doch das sei nicht ganz zutreffend. Immerhin schützt diese Anpassung nicht vor möglichen Kurseinbrüchen. Zumindest aber reduziert sie das Risiko deutlich.

Kosten – Nutzen

Rebalancing gehört zum Bewirtschaften eines passiven Investment-Portfolios mit langfristig ausgelegter Allokationsstrategie. Insofern ist es ein aktives Element im ansonsten passiven Investment. Üblicherweise wird ein Rebalancing einmal pro Jahr vorgenommen. Weil aber das Umschichten Transaktionskosten verursacht, sollte nachgerechnet werden, ob es nicht vielleicht besser in größeren Abständen erfolgt. „Gerade bei kleineren Beträgen wirken sich die Kosten stärker aus“, sagt Stibbe und fügt hinzu: „Bei Volumina um die 10.000 Euro ist schon fraglich, ob es sich jährlich lohnt.“ Wer jedoch sein Investment nicht selbst bearbeitet, sondern in einen Dachfonds eines Anbieters investiert, der bekommt das Rebalancing meist mitgeliefert. Insgesamt lässt sich die Frage, ab wann die Kosten die Vorteile übersteigen und umgekehrt, nur schwer beantworten. Grund: Ein Vergleich ist kaum darstellbar, da es beim Rebalancing keinen eigentlichen Ertragseffekt gibt.

Steuer beachten

Beim Kaufen und Verkaufen im Umschichtungsprozess muss natürlich auch an die Abgeltungssteuer gedacht werden. Auch hier fragt sich mancher, in welchem Verhältnis der gewünschte Effekt zu einer Steuerbelastung steht. Abgesehen von der Arbeit für den Steuerberater wird in der Regel mit einer Art Grundstock gearbeitet. Die Spitzen werden dann obendrauf ausgeglichen. Für den Grundstock wird ein Depot eingerichtet, um anschließend zuordnen zu können, welche Teile des Portfolios gehandelt wurden und welche nicht. Für die Kursgewinne des Grundbestands fällt die Steuer erst am Ende der Laufzeit an.

Performance steigern

Rebalancing ist eine Vorgehensweise innerhalb der Diversifikationsstrategie, die ein vorgegebenes Risikoprofil aufrechterhält, indem sie die langfristigen Folgen von Ausschlägen nach unten und oben durch regelmäßiges Ausglätten verhindert. Sie ist keine Performancestrategie, um bessere Renditen zu erzielen. Es gilt, die persönliche Risiko-Rendite-Balance zu halten, wobei eben die Renditen etwas niedriger sein können. Einige Berechnungsmodelle jedoch, wie etwa vom Schweizer Fundexplorer, kommen dagegen durchaus zu einer Überrendite bei zugleich verringertem Risiko, und zwar im Vergleich zu einer einfachen Buy-and- Hold-Strategie.

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