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Rekordabflüsse bei Rohstoff-ETPs

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Geld- oder Goldabnahme

Rohstoff-ETPs haben im zweiten Quartal 2013 laut ETF Securities so hohe Mittelabflüsse verzeichnet wie nie zuvor. Der überwiegende Teil der Abflüsse entfiel auf Gold-ETPs.

„Investoren haben vor allem auf die steigenden Realzinsen in den USA und den stärker werdenden US-Dollar reagiert. Die Realzinsen sind vor allem infolge der Erwartungen eines vorzeitigen Endes der Anleihekäufe der Federal Reserve (Fed) gestiegen. Das weltweit in Rohstoff-ETPs verwaltete Vermögen ist um 49 Milliarden auf 127 Milliarden US-Dollar gesunken. Einen maßgeblichen Anteil an diesem Rückgang hatten der Einbruch des Goldpreises und die umfangreichen Abflüsse aus Gold-ETPs. Damit ist das verwaltete Vermögen auf dem niedrigsten Stand seit dem zweiten Quartal 2010. Die Mittelabflüsse aus Gold-ETPs waren im April am höchsten und sind im Mai und Juni jeweils zurückgegangen“, berichtet der ETP-Anbieter und Rohstoff-Spezialist.

„Die tendenziell abnehmenden Mittelabflüsse signalisieren, dass der Höhepunkt der Goldverkäufe bereits hinter uns liegt. Die höchsten Zuflüsse waren mit 712 Millionen bei Platin-ETPs zu beobachten, da die Sorgen auf der Angebotsseite zugenommen haben“, sagt Nicholas Brooks, Head of Research and Investment Strategy bei ETF Securities, und ergänzt: „Der Ausblick bei den meisten Rohstoffen hängt wahrscheinlich davon ab, ob der Liquiditätsengpass und das verlangsamte Wachstum in China nur eine Momentaufnahme oder der Beginn eines längerfristigen Trends ist. Die Gold- und Silberkurse werden voraussichtlich weiterhin davon bestimmt, wie die Investoren die Politik der Fed und die Entwicklung der Realzinsen einschätzen. Auf beide Sachverhalte haben sie unserer Auffassung nach übertrieben reagiert“, so ETF Securities weiter.

Die wichtigsten Trends bei den Mittelflüssen von Rohstoff-ETPs im zweiten Quartal 2013

Das in Rohstoff-ETPs verwaltete Vermögen ging laut dem ETP-Anbieter im zweiten Quartal so stark zurück wie nie zuvor. Die zentralen Gründe dafür seien der deutliche Preisverfall von Gold und die großflächigen Goldverkäufe durch taktische und Momentum-Investoren gewesen. Das weltweit verwaltete Vermögen sei im Vergleich zum Ende des ersten Quartals von 186 Milliarden auf 127 Milliarden US-Dollar gefallen.

Preiskorrekturen machten zwei Drittel des Rückgangs des verwalteten Vermögens aus. Das restliche Drittel sei durch Nettomittelabflüsse zustandegekommen. Allein der Goldpreis habe das verwaltete Vermögen um 51 Prozent zurückgehenlassen. Die gesamten Nettomittelabflüsse aus allen Rohstoff-ETPs hätten 19 Milliarden US-Dollar betragen. 97 Prozent der Verkäufe gingen allein auf Gold zurück.

„Gold-ETPs erlebten Nettomittelabflüsse in Höhe von 18,5 Milliarden US-Dollar. Dies sind die höchsten vierteljährlichen Mittelabflüsse aus Gold-ETPs seit der Einführung des ersten Gold-ETPs im Jahr 2003. Die Realzinsen in den USA sind gestiegen, da die Investoren ein schnelleres Wachstum und eine Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed erwartet haben. Gleichzeitig ist auch der US-Dollar stärker geworden. Dies führte zu einem Einbruch des Goldpreises um 21 Prozent im Verlauf des vergangenen Quartals. Die Folge: Taktische und Momentum-Investoren haben Ihre Gold-Positionen im Zuge dieser Preiskorrektur zurückgefahren. Die Goldverkäufe kulminierten im April, als 8,7 Milliarden US-Dollar aus Gold-ETPs abflossen. Im Mai und Juni haben sich die Abflüsse auf 6 bzw. 3,9 Milliarden abgeschwächt“, berichtet ETF Securities.

Platin war laut dem ETP-Anbieter mit Nettomittelflüssen von 712 Millionen US-Dollar die positive Ausnahme im zweiten Quartal. Investoren hätten ihre Positionen in ETPs auf Platin trotz der generell negativen Stimmung bei Rohstoffen ausgebaut. Wachsende Bedenken bezüglich der künftigen Versorgungssituation in Südafrika hätten die ohnehin angespannte Angebots- und Nachfragesituation weiter verstärkt. Arbeitskämpfe und potenzielle Engpässe bei der Energieversorgung seien hier die zentralen Treiber gewesen. Palladium habe starke Zuflüsse im April und Mai erlebt. Im Juni allerdings habe sich der Markt gedreht, nachdem sich Anzeichen verdichtet hätten, dass sich das Wachstum in China aufgrund von Liquiditätsengpässen verlangsamt habe. Denn dorthin fließe über die Herstellung von Katalysatoren für Benzinmotoren ein großer Anteil des Palladiumangebots.

Bei den Kupfer-ETPs sei kein klarer Trend erkennbar. So seien die Abflüsse im April durch Zuflüsse im Mai und Juni in Höhe von 67 Millionen US-Dollar zum Teil ausgeglichen worden. Durch Zwischenfälle in US-amerikanischen und indonesischen Minen seien Bedenken aufgekommen, ob die weltweite Kupferversorgung beeinträchtigt werde. Auch Zink sei im Fokus der Investoren gestanden. Sie hätten ihre Positionen in Produkten auf das Industriemetall im zweiten Quartal netto um 13 Millionen US-Dollar ausgebaut.

ETPs auf Agrarrohstoffe hätten Nettoabflüsse von insgesamt 108 Millionen US-Dollar verbucht. Damit seien die Zuflüsse aus dem ersten Quartal wieder nahezu ausgeglichen worden. Die Mittelabflüsse hätten allerdings nur ein Drittel der Abflüsse im entsprechenden Vorjahresquartal betragen. Investoren hätten ihre Positionen in Agrarprodukten zurückgefahren, da die Ernteerwartungen in den USA zuletzt gestiegen seien. Denn dort sei so viel Getreide und Sojabohnen gesät worden wie nie zuvor. Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr zeigten aber, dass anhaltende Dürrephasen die positiven Erwartungen schnell eintrüben könnten. Die Mittelflüsse bei den Produkten seien daher stark von den Wetterbedingungen im Sommer abhängig.

„Spannungen im Nahen Osten haben dafür gesorgt, dass die Abflüsse aus Öl-ETPs deutlich zurückgegangen sind. Nachdem die Abflüsse im ersten Quartal noch 848 Millionen US-Dollar betragen hatten, waren es im zweiten Quartal nur 170 Millionen US-Dollar. Die Zuflüsse in Erdgas-ETPs im Juni haben die Abflüsse im April und Mai größtenteils ausgeglichen. Denn Investoren werteten die fallenden Preise für Henry Hub Erdgas als günstige Einstiegsgelegenheit“, so ETF Securities abschließend.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.