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Renditequellen bei Unternehmensanleihen

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Grundsätzlich gilt: Wenn Investoren Risiken eingehen, erwarten sie eine Rendite über dem risikolosen Zinssatz. Sie erhalten eine „Prämie“ für das eingegangene Risiko. Die Rendite einer Unternehmensanleihe speist sich aus vier Renditequellen beziehungsweise Risikoprämien. Darunter fallen das Zinsänderungs-, das Inflations-, Ausfall- und Liquiditätsrisiko.

Zins- und Inflationsrisiko

Der nominale Zinssatz deutscher Staatsanleihen umfasst die Prämie für das Zinsänderungsrisiko und die Inflation. Die Rendite einer fünfjährigen deutschen Staatsanleihe fiel im Zuge der Finanzkrise von circa 5 % auf heute etwa 2,56 % (Stand 15. Juli 2009). Dieser Zinssatz setzt sich aus einem realen Zinssatz von 1,67 % und einer Inflationsprämie von 0,89 % zusammen.

Ausfall- und Liquiditätsrisiko

Das Ausfallrisiko und das Liquiditätsrisiko werden durch die so genannte Kreditprämie kompensiert. Die Kreditprämien von Euro-Unternehmensanleihen sind über die vergangenen zwei Jahre stark gestiegen. Seit den Höchstständen im März dieses Jahres aber bereits wieder auf ein Niveau von knapp drei Prozent gesunken. Die extremen Ausschläge wurden vor allem von Bankanleihen verursacht, deren Anteil im iBoxx € Corporate Index rund 55 % beträgt. Die Prämien für „non- Financials“ sind dagegen weit hinter den Höchstständen des Gesamtindex zurückgeblieben. Zum Vergleich zeigt die Grafik auch die Risikoprämien, die mit Kreditderivaten (Credit Default Swaps, hier durch den iTraxx Europe 5 Year Index veranschaulicht) erzielt werden können. Da diese per se keine Liquiditätsprämien beinhalten, kann die Differenz zu den iBoxx € Corporate Index Spreads näherungsweise zur Messung der Liquiditätsprämie herangezogen werden.

Attraktive Prämien

Die Kreditprämien liegen derzeit auf einem historisch hohen Niveau von 3 %. Über fünf Jahre erhält ein Investor folglich 15 % zusätzliche Verzinsung für seinen Liquiditätseinsatz und um Schuldnerausfälle zu kompensieren. Letztere lagen aber in der Vergangenheit über fünf Jahre nur bei 0,53 % aller Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating. Selbst für Investoren, die einen Anstieg der Ausfallraten erwarten, erscheinen die Risikoprämien relativ hoch. Betrachtet man nun die vier Renditequellen für Unternehmensanleihen, so lässt sich festhalten, dass derzeit am Markt deutlich höhere Prämien für Liquiditäts- und Ausfallrisiken gezahlt werden als vor der Finanzkrise, sie allerdings seit den Höchstständen im März dieses Jahres bereits erheblich gesunken sind. Die Prämien für das Zinsänderungsrisiko und die Inflation liegen allerdings auf historisch eher niedrigen Niveaus.

Fazit:

Gerade jetzt sollten Anleger beachten, welche Chancen und Risiken sie bei einer Investition in Unternehmensanleihen eingehen. Jedes der genannten Risiken kann den Marktpreis und die Rendite von Unternehmensanleihen beeinflussen. Daher ist es wichtig, jedes einzelne Risiko zu kennen und zu beobachten. Das erklärt wohl auch den großen Erfolg von ETFs in diesem Bereich. Denn durch die Abbildung eines bestimmten Index ist die Struktur der ETFs transparent. Die Duration und aktuelle Rendite werden täglich veröffentlicht, die Daten zu den Risikofaktoren sind bei den ETF- oder den Indexanbietern erhältlich.

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