Start ETF-News Rentenmarkt – Ruhe vor dem Sturm oder endgültiges Ende der Zinsflaute

Rentenmarkt – Ruhe vor dem Sturm oder endgültiges Ende der Zinsflaute

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Der Rentenmarkt kannte zuletzt nur eine Richtung. Die Zinsen fielen im Zuge der Folgen der Finanzkrise auf ein historisches Tief. Die Lage scheint sich zu entspannen, nun drohen aber neue Risiken.

Renten-ETFs waren der sichere Hafen in der Krisenzeit. Anleger konnten ihr Geld dort parken und mit einem vergleichsweise niedrigen Risiko attraktive Renditen erwirtschaften. Zudem konnten sie von sinkenden Zinsen profitieren. Dementsprechend flossen auch beträchtliche Mittel in diese Produkte und aufgrund der Nachfrage wurden auch entsprechend viele emittiert. Weltweit macht diese Sparte etwa 19 Prozent aus. Innerhalb eines Jahres stieg die Anzahl der Renten-ETFs um 72 an und das darin investierte Vermögen legte um 22 Prozent auf 203,6 Milliarden US-Dollar zu. Nun liegen die Zeiten der fallenden Zinsen hinter uns und die Anleihenrenditen sind im Keller. Dass das Zinsniveau so stark absackte, obwohl der Kapitalmarkt in einem bisher nie dagewesenen Maße von allen Seiten zur Refinanzierung gebraucht wurde und wird, ist erstaunlich und ein Kapitel für sich. Die Bund- Renditen und der EONIA-Satz sind so niedrig wie seit langem nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen wieder anziehen, steigt und damit auch das Risiko für Anleger in Renten-ETFs.

Experten warnen

„Wenn man den Bund Future betrachtet, ist die beste Zeit für Renten vorbei. Das Nachgeben war ein klares Signal. Kurz zuvor hat man gerade noch zwei Prozent für zehnjährige Bundesanleihen erhalten“, sagt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Wenn ein Anleger die Erwartung hat, dass das Zinsniveau um 200 Basispunkte steigt, ist ein klassischer Renten-ETF nicht unbedingt das richtige Finanzinstrument, da hier mit deutlichen Kursverlusten zu rechnen wäre“, sagt Anouch Wilhelms, ETF-Experte der Commerzbank. Die Renditen deutscher Staatsanleihen liegen derzeit bei einer Laufzeit von zwei Jahren bei 0,7 Prozent, bei fünf Jahren bei 1,35 Prozent, bei zehn Jahren bei 2,37 Prozent und bei 30 Jahren bei 2,96 Prozent.

Risiken weiter vorhanden

Die große Renten-Hausse bleibt offenbar erst einmal aus. Das bedeutet aber nicht, dass damit goldenen Zeiten anbrechen. „Hurra, alles ist wunderbar – das können wir nicht sagen. Die Konjunkturprobleme sind nach wie vor virulent“, sagt Halver. Doch immerhin sei der Rentenmarkt bereit, anzuerkennen, dass ein Wirtschaftswachstum existiere. Wahrscheinlich werde sich das „Double-Dip-Gespenst, also die große Deflationsgefahr, verflüchtigen“. Ähnlich äußerte sich auch der Chefvolkswirt des Bankenverbandes, Bernd Brabänder. „Die Sorge vor rasch und kräftig steigenden Inflationsraten teilen wir nicht.“, betonte er. Die reichliche Liquiditätsbereitstellung der EZB sei in erster Linie ein Ersatz für den immer noch nicht reibungslos funktionierenden Geldmarkt. Für die Inflationsperspektiven spiele die Liquidität keine Rolle, weil sie zurzeit keine unmittelbare Nachfragewirkung auf den Gütermärkten entfaltet. Das werde sich erst ändern, wenn der Kreditschöpfungsprozess im Bankensektor deutlicher anspringt. „Bis dahin hat die EZB aber genügend Zeit, um zu reichliche Liquidität abzuschöpfen“, sagte Brabänder am Donnerstag. Für den Euroraum wird nach Angaben des Bankenverbandes mit einer Inflation von 1,5 Prozent gerechnet, die im nächsten Jahr auf 1,7 Prozent steigen soll. Der Markt preist für Deutschland eine Inflation von 1,63 Prozent in den nächsten zehn Jahren und von 1,04 Prozent über die nächsten fünf Jahre ein. Dennoch – sowohl die Prognose des Bankenverbandes als auch die Meinung des Marktes sehen keine große Inflationsgefahren und sind von einem Deflationsszenario noch weit entfernt. Allerdings wird die Zielgröße der EZB von einer Inflationsrate von zwei Prozent wohl demnach auch im nächsten Jahr nicht erreicht.

Zinsänderungsrisiken

Ob Ruhe vor dem Sturm oder der Anfang einer Gut-Wetter-Front – die wirt schaftliche Wetterlage wird wohl eher dazwischen liegen. „Es wird im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen lediglich ein verhaltenes Wirtschaftswachstum geben, das mit sehr viel staatlicher Alimentierung, sprich durch Finanz- und Geldpolitik, am Köcheln gehalten wird. Die Suppe wird also zunächst nicht richtig heiß werden“, sagt Halver. Im nächsten Quartal werde das dadurch spürbar, dass Deutschland an Dynamik verliere. Auf die Frage, was das für den Rentenmarkt bedeutet, antwortet er: „Ich denke, es wird schwanken und im Trend wird der Rentenmarkt eher abgeben. Das wird aber kein sehr schneller, sondern ein allmählicher Prozess sein.“ Egal, ob die Zinsen langsam oder schnell steigen und die Renten-Renditen damit sinken – für die Anleger von Renten- ETFs bedeutet das, dass sich das Risiko durch Kursverluste erhöht. Denn generell gibt es bei Investments in Renten zwei Risikofaktoren – die Duration und die Bonität des Emittenten. „Das Verhältnis von Zinssätzen und Preisen ist invers. Das heißt, wenn die Zinssätze sinken, steigen die Preise und umgekehrt“, sagt Blanca König, Renten-Expertin von BlackRock und erläutert: „Wenn ich zum Beispiel eine Anleihe mit einer 20-jährigen Duration habe und der Zinssatz, also die Zinskurve, sich um ein Prozent erhöhen würde, dann würde meine Anleihe ungefähr um 20 Prozent im Wert fallen.“ Bei fallenden Zinsen steigen die Preise entsprechend. Generell sei es so, dass kurzlaufende Anleihen ein geringeres Zinsänderungsrisiko aufweisen als langlaufende.

Bonitätsrisiken

Das zweite Risiko ist das Emittenten- Risiko, das im Frühjahr bei europäischen Staatsanleihen mit einer möglichen Pleite Griechenlands in das Bewusstsein der Anleger gerückt ist. Diese waren zum Beispiel in einigen iBoxx-Indizes enthalten und fielen erst dann aus den Branchenbarometern, nachdem die Ratingagenturen ihr Rating für Griechenland abgestuft hatten. „Man muss schon ganz genau schauen, was im Index enthalten ist. Ein Index nimmt einem zwar etwas an Entscheidung ab. Denn, wenn die Richtlinien sagen, dass er nur Investmentgrade- Anleihen annimmt, impliziert das, dass sobald eine Anleihe heruntergestuft wird, sie auch aus dem Fonds genommen wird. Es kann aber auch passieren, dass ein Land, das ein Investmentgrade-Rating hat, ausfällt.“, sagt König. Unter Investmentgrade versteht man, dass eine Anleihe mindestens ein BBB-Rating haben muss. Alle Anleihen, die schlechtere Ratings vorweisen, sind so genannte Subinvestment-Grades oder auch High-Yield-Bonds, weil sie ein höheres Risiko, aber auch höhere Renditen aufweisen. Wer auf risikoreiche, südeuropäische Staatsanleihen verzichten will, kann ETFs auf die eb.rexx-Indizes, in denen die größten deutschen Staatsanleihen enthalten sind, kaufen. Dort sind nur deutsche Staatsanleihen enthalten.

Hohe Vielfalt

Innerhalb der Renten-Familie kann man grob die folgende Risikoskala ansetzen. Generell ist es so, dass Staatsanleihen entwickelter Länder als besonders sicher gelten und meist gute Ratings aufweisen. Das beste Rating ist AAA. Danach folgen Pfandbriefe, weil man bei ihnen zusätzlich zum Emittenten noch eine Sicherheit durch die Vermögen, die dahinter stehen, hat. An dritter Stelle kommen Unternehmensanleihen. Und dann gibt es noch die Schwellenländer-Anleihen. Einige verfügen über ein Investmentgrade- Rating, andere können das aber nicht vorweisen. Momentan sind Schwellenländer- Anleihen beliebt, weil die Emerging Markets derzeit eine niedrigere Schuldenquote als die Industriestaaten haben. Allerdings kommt es da auch wieder auf das jeweilige Land an. Momentan sind Renten-ETFs auf Unternehmensanleihen sehr gefragt. „Seit neuestem wächst auch die Nachfrage nach risikoreichen Unternehmensanleihen, den sogenannten High- Yield-Anleihen“, sagt König. Es gebe einen Trend, der erkennen lasse, das die Kunden bereit seien, ein höheres Risiko einzugehen. Darauf reagiert die Branche bereits. In London wurde vor Kurzem der weltweit erste Euro High- Yield-ETF von iShares gelistet

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