ROBIN - Test - Deutsche Bank - Robo-Advisor
Mit ROBIN bietet die Deutsche Bank AG eine Robo-Advisor-Lösung an. Wir haben uns das Angebot näher angesehen.

Mit ROBIN bietet maxblue ( Zum Testbericht), die Investmentplattform der Deutschen Bank AG, eine Robo-Advisor-Lösung an. Wir haben uns das Angebot näher angesehen.

Der Markt für digitale Vermögensverwalter (Robo-Advisors), hat in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum erfahren. Wir schätzen den Robo-Advisor-Markt in Deutschland derzeit auf ein Volumen von über 1 Mrd. Euro und prognostizieren ein weiteres, starkes Wachstum in den kommenden Jahren. Das Angebot wird immer größer und vielfältiger und auch immer mehr Anbieter aus dem Bereich etablierter Finanzdienstleister, sogenannte Corporate Robo-Advisors, versuchen sich an diesem Service. So haben mittlerweile die comdirect ( Zum Testbericht), die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken eigene Robo-Advisor-Lösungen im Angebot. Wie der Branchendienst „Finanz-Szene.de“ berichtet drängt nun auch die Deutsche Bank AG mit dem digitalen Vermögensverwalter ROBIN auf den Markt und bietet den Kunden eine von einem Algorithmus gesteuerte, automatisierte Geldanlage ab einem Anlagebetrag von 5.000 Euro an. Wir haben uns das Angebot bereits näher angesehen.

Robo-Advisor ROBIN setzt auf ETFs

Genau wie bei den bereits existierenden Robo-Advisors fungieren Exchange Traded Funds (ETFs) als Anlageinstrument für die Umsetzung der Anlagestrategien von ROBIN. Maxblue ( Zum Testbericht) verspricht dabei dem Kunden durch digitale Portfolioverwaltung „Technologie und Know-how“, „Professionelles Management“ und vor allem „Komfortgewinn und Flexibilität“. Mit anderen Worten bedeutet das, dass durch den Verbund von Technologie und der  Finanzmarktexpertise der Deutschen Bank eine kostengünstige aber professionelle Finanzportfolioverwaltung auch für Kunden mit kleinerem Geldbeutel möglich ist. Der Anleger delegiert die  gesamten Anlageentscheidungen an Experten bzw. an einen vom Menschen programmierten Robo-Experten, wodurch der Aufwand und damit die Kosten minimiert werden. Dabei wird das Portfolio dennoch kontinuierlich überwacht und bei Bedarf umgeschichtet. Gleichzeitig ist jedoch auch ein hohes Maß an Flexibilität geboten. Die Kunden haben jederzeit die Möglichkeit, Geld einzuzahlen bzw. sich auszahlen zu lassen.

ROBIN: Anlagestrategie

ROBIN folgt bei der Entwicklung der Anlagestrategie seinen Vorgängern auf dem Markt und bittet den Anleger zunächst eine Profilmaske mit den eigenen Daten zur Person und den Anlagevorstellungen zu befüllen. Daraus entwirft ROBIN ein Anlegerprofil aus dem er dann eine geeignete Anlagestrategie ableitet. Die Portfoliozusammensetzung erfolgt dabei individuell und orientiert sich, im Gegensatz zu vielen anderen Robo-Advisors, nicht an voreingestellten Anlagestrategien mit fixierten Aktienanteilen.

Wir haben den Anmeldeprozess für Sie beispielhaft anhand einer fiktiven Person durchlaufen und zeigen, welche Anlagestrategie uns ROBIN empfiehlt und wie sie diese für den Anleger aufbereitet und dargestellt wird.

Unsere Person heißt Thomas und ist 44 Jahre alt. Thomas ist Unternehmer und erzielt Einnahmen aus seinem Gehalt und aus Vermietung und Verpachtung in Höhe von netto 3.500 €. Nach Abzug seiner Ausgaben bleiben ihm 300 € für die Anlage. Er besitzt ein Vermögen von 100.000 € und möchte davon 20.000 € anlegen. Er plant sein Geld 15 Jahre anzulegen. Das Geld soll später zur Altersvorsorge dienen, von daher möchte er kein allzu hohes Risiko eingehen. Er besitzt schon reichlich Erfahrung im Bereich Finanzanlage und ETFs, hat sich aber dazu entschlossen, einen Teil seines Kapitals automatisiert verwalten zu lassen.

Nach etwa 5 Minuten ist die Erstellung eines Anlegerprofils beendet und Thomas wird eine auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Anlagestrategie angezeigt (Abbildung 1).

ROBIN - Anlagestrategie - Deutsche Bank
Abbildung 1: Gemäß den Angaben von Thomas entwickelt der Roboter eine auf seine individuellen Bedürfnisse ausgerichtete Anlagestrategie mit einem Aktienanteil von 23,52 %.

Der Value at Risk (VaR) entspricht dabei, wie beim Robo-Advisor Scalable Capital ( Zum Testbericht), der individuellen Risikobereitschaft des Portfolios und ist ausschlaggebend für die Bestandteile und die Gewichtung der Assetklassen. Der Wert von 8 % p.a. entspricht dabei dem maximalen prozentualen Verlust, den Thomas‘ Portfolio mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % pro Jahr nicht überschreitet. Gemäß der mittleren Risikobereitschaft von Thomas ist das eine sinnvolle Größenordnung, da es das Risiko seiner Kapitalanlage statistisch begrenzt, ohne dabei zu konservativ zu agieren und mögliche Marktrenditen zu verpassen.

Neben der Anzeige der Einmalanlage, der monatlichen Sparrate und dem Anlagehorizont, zeigt ein übersichtliches Kuchendiagramm die mögliche Aufteilung der Assetklassen im Portfolio an. Dabei empfiehlt ROBIN, 42,87 % als liquide Mittel auf dem Verrechnungskonto zu halten. Dies soll die Wertschwankung des Portfolios zu reduzieren. Auch der Anteil an Staats- und Unternehmensanleihen ist mit 14,13 % bzw. 19,48 % relativ hoch. ROBIN würde für Thomas lediglich 23,52 % in Aktien investieren, was verglichen mit anderen digitalen Vermögensverwaltern sehr konservativ ist.

ROBIN: Das kostet Sie die digitale Vermögensverwaltung

Für den Kunden ergeben sich Gesamtkosten, die sich aus einer Pauschale für die Vermögensverwaltung und den Kosten der eingesetzten ETFs zusammensetzen. Die Kosten für die Vermögensverwaltung liegen bei:

  • bis 25.000 Euro = 1,00 % p.a.
  • ab 25.000 Euro – 50.000 Euro = 0,90 % p.a.
  • ab 50.000 Euro = 0,80 % p.a.

Die jeweiligen Gebühren werden allerdings nach Preisstaffel abgerechnet. Wer also 50.000 Euro anlegt, zahlt für die ersten 25.000 Euro 1,00 %, für die zweiten dann 0,90 %. Die effektive Gebührenbelastung liegt dann bei 475 Euro bzw. 0,95 %. Wobei keine Kosten für liquide gehaltene Beträge (Kontoguthaben) berechnet werden.

Hinzu kommen noch die auf Produktebene anfallenden Verwaltungsgebühren i.H.v. durchschnittlich 0,25 % p.a., die allerdings direkt von der Fondsgesellschaft einbehalten werden.

Die Gesamtkosten betragen demnach je nach Anlagebetrag zwischen 1,05 % – 1,25 % pro Jahr. Die Belastung dieser Gebühren erfolgt quartalsweise rückwirkend.

ROBIN - Kosten - Gebühren - Deutsche Bank
Abbildung 2: Die Gesamtkosten bei ROBIN liegen je nach Anlagebetrag zwischen 1,05 % – 1,25 % pro Jahr inklusive ETF-Kosten.

 

ROBIN: Pro und Contra

Pro:

  • Hohe Sicherheit (Deutsche Bank)
  • Hohe Expertise durch jahrzehntelange Erfahrung
  • Professionelle Portfolioverwaltung mit geringen Kosten
  • Keine Depot- und Kontogebühren
  • Komplett individuelle Anlagestrategien

Contra:

  • Anlage erst ab 5.000 Euro möglich
  • Abrechnung der Gebühren nach Preisstaffel
  • Kosten im Vergleich etwas über denen der Konkurrenz

Unser Fazit zu ROBIN:

ROBIN macht einen sehr übersichtlichen Eindruck, wenngleich er dem bisherigen Marktführer Scalable Capital ( Zum Testbericht) sehr ähnelt. Bei der Strategieentwicklung agiert der Robo-Advisor der Deutschen Bank sehr defensiv, verglichen mit den Mitbewerbern. Die Kosten sind bei niedrigen Anlagebeträgen noch recht hoch, auch sorgt die Abrechnung nach Preisstaffel für eine geringe Kosten-Transparenz. Ein Pluspunkt ist es, dass für auf dem Konto geparkte Gelder keine Verwaltungsgebühr berechnet wird.

Die Redaktion des EXtra-Magazins hat alle in Deutschland aktiven Robo-Advisors beleuchtet und bewertet und dafür einen eigenen Robo-Advisor-Vergleich erstellt. In den kommenden Wochen werden wir auch zu ROBIN einen umfassenden Testbericht erstellen.

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