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Robo-Advisor: Zeit für den Performance-Check

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Robo-Advisor Performance Check
Viele Online-Vermögensverwaltungen buhlen um das Geld der Anleger. Wir haben die Rendite der Anbieter verglichen.

Jedes Jahr im Februar und März ist es so weit: Viele Unternehmen geben ihre operative und finanzielle Verfassung preis. Während der Bilanzsaison stellen sich beinahe tagtäglich Top-Manager den Fragen von Pressevertretern und Analysten. Schon vor den meisten Großkonzernen präsentierten einige Robo-Advisor Zahlen für 2016. Anders als Daimler, Telekom & Co. gewährten die digitalen Vermögensverwalter und Anlageberater allerdings keinen Einblick in ihre Gewinn- und Verlustrechnungen. Vielmehr legten sie die Performance ihrer Portfolios offen. Damit bietet sich erstmals die Gelegenheit, den Leistungsausweis des jungen Kapitalmarktsegments anbieterübergreifend unter die Lupe zu nehmen.

Weder die Robos noch die „leibhaften“ Anlageexperten hatten es 2016 leicht. „ In vielerlei Hinsicht war es ein verrücktes Jahr“, bringen die Verantwortlichen von Ginmon in ihrem Rückblick den turbulenten Verlauf auf den Punkt. Zunächst drückten vor allem die Zweifel an der Nachhaltigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums auf die Kurse. Kaum, dass sich die Lage etwas beruhigt hatte, sorgte der Brexit für Verunsicherung. Einen weiteren politischen Paukenschlag erlebte die Märkte am 8. November. Donald Trump gewann ziemlich überraschend die Wahl zum US-Präsidenten. Anders als von so manchem Börsianer erwartet, blieb das große Beben jedoch aus. Vielmehr sorgten die wirtschafts- und konjunkturfreundlichen Pläne des umstrittenen Republikaners für steigende Aktienkurse.

Erfolgreiches Faktor-Investing

In den meisten Portfolios von Ginmon kommt die Trump-Rally deutlich zum Ausdruck. Insgesamt bieten die Frankfurter ihren Kunden zehn verschiedene Risikoklasse an. Die Auswahl der eingesetzten Aktien- und Anleihen-ETF erfolgt auf Basis des so genannten Faktor-Investings. Dabei wird über einen Algorithmus versucht, bestimmte Marktprämien – beispielsweise für kleinere Unternehmen (Small Caps) abzugreifen. Selbst in den gemäßigten Risikoklassen warf dieser Ansatz im vergangenen Jahr mehr als fünf Prozent ab. Die mittlere und höchste Stufe schloss 2016 sogar mit einem prozentual zweistelligen Plus ab. Dieser Erfolg lässt auch bei Ginmon selbst die Kasse klingeln: Zusätzlich zur Fixgebühr von 0,39 Prozent p.a. behält das Unternehmen eine Performancebeteiligung von zehn Prozent ein.

Angesichts der jüngsten Börsenentwicklung geht die Erfolgsprämie in Ordnung. Der weltweite Aktienmarkt in Form des MSCI World legte 2016 lediglich um 4,5 Prozent zu. Für den DAX reichte es immerhin zu einem Aufschlag von knapp sieben Prozent, während der US-Leitindex S&P 500 um 8,5 Prozent vorankam. Aufgrund der vor allem im vierten Quartal steigenden Renditen war im Fixed Income-Bereich weit weniger zu holen. Euro-Staatsanleihen traten 2016 auf der Stelle, das Unternehmenssegment zog um rund zwei Prozent an.

Gelungener Markteintritt

Insofern reklamiert Whitebox für seine Portfolios zu Recht eine Outperformance gegenüber dem Markt. Wobei der Online-Vermögensverwalter keine Zahlen für das volle Kalenderjahr präsentiert hat. Vielmehr beginnt die Zwölf-Monats-Rechnung mit dem 14. Januar 2016, an diesem Tag nahm der Robo-Advisor den Betrieb auf. Insofern konnte der Ausverkauf zu Beginn des vergangenen Jahres den zehn Risikoklassen von Whitebox zunächst nichts anhaben. Anleger, die in den analysierten zwölf Monaten auf der sichersten Stufe agierten, fuhren einen Gewinn von 5,2 Prozent ein. In der höchsten Kategorie warfen die enthaltenen ETF nahezu ein Fünftel ab. „Unsere Anlagemethode hat sich in der Praxis bewährt: ein globales und über viele Anlageklassen gestreutes Portfolio, niedrige Gebühren, Daten statt Emotionen“, freut sich Whitebox-Mitbegründerin Salome Preiswerk. Das Start-Up setzt vor allem auf die Erkenntnisse der Finanzmarktforschung. „Damit lassen sich höhere Renditen erzielen, ohne unnötiges Risiko einzugehen“, sagt die Expertin. Im ersten Jahr des Robo-Advisors machte sich ihren Worten zufolge vor allem der bewertungsorientierte Ansatz bezahlt. Dabei werden fundamental starke, am Markt jedoch unterbewertete Anlagen gekauft.

Ab dem mittleren Risikobereich aufwärts fuhr VisualVest mit seinen ETF-Portfolios prozentual zweistellige Renditen ein. Am offensivsten hat der Online-Anlagenvermittler das Depot „VestFolio 7“ aufgestellt. Nicht nur, dass die Aktienquote bei stattlichen 75 Prozent liegt. Hier ist die Allokation zudem im MSCI Emerging Markets Index positioniert. Hinzu kommt ein ETF auf den MSCI World. Lediglich fünf Prozent entfallen auf Anleihen, während Rohstoffe ein Fünftel beisteuern. Damit hat das Comeback der Warenpreise einen gehörigen Anteil am Erfolg. Die höchste Risikoklasse von Visualvest fuhr 2016 mehr als zwölf Prozent Gewinn ein.

Mittelmäßige Performance, hohe Zuflüsse

Hier kann Scalable Capital nicht Schritt halten. Seit ziemlich genau einem Jahr ist der Robo-Advisor aus München online. Scalable orientiert sich bei der Gestaltung der Portfolios am Value-at-Risk (VaR). Dabei handelt es sich um ein statistisches Risikomaß. Die Kennzahl steht für den Jahresverlust, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent nicht überschritten werden sollte. Scalable hat 2016er-Performancedaten für fünf verschiedene Kategorien vorgelegt. Der VaR erstreckt sich dabei von fünf Prozent bis zu 25 Prozent. Erstaunlicherweise fuhr das ausgewogene Depot (VaR 15 Prozent) die höchste Rendite ein. Die hier erzielten 6,88 Prozent reichten, um in 2016 den MSCI World Index abzuhängen. Gleichzeitig zeigen alle Portfolios eine relative geringe Kursschwankungsbreite. Das Konzept des Anbieters, die Verlustrisiken zu kontrollieren, hat also funktioniert. Was nichts daran ändert, dass die Bayern im Performance-Ranking der Robo-Advisoren im Mittelfeld landen. Was die eingesammelten Gelder anbelangt, steht Scalable dagegen ziemlich weit vorne. Bereits nach zehn Monaten kletterte das verwaltete Vermögen über die Marke von 100 Millionen Euro.

Robo-Advisor: Performance 2016

Hier sehen Sie die Wertentwicklung der Robo-Advisor im Jahr 2016.
 Geringes RisikoMittleres RisikoHöheres Risiko 
Zeitraum: 01.01. - 31.12.2016
easyfolio4,1 %4,7 %6,4 % Testbericht
fintego3,1 %6,8 %11,3 %Testbericht
GINMON5,8 %10,0 %14,3 %Testbericht
growney5,1 %7,6 %13,7 %Testbericht
LIQID5,3 %7,5 %10,4 %Testbericht
quirion1,8 %7,7 %12,8 %Testbericht
Scalable Capital2,2 %6,9 %5,8 %Testbericht
Vaamo6,9 %10,0 %12,9 %Testbericht
Visualvest3,4 %10,4 %12,3 %Testbericht
Zeitraum: 14.01. - 14.01.2017
Whitebox5,2 %14,4 %19,6 %Testbericht

Quelle: Unternehmensangaben. Anmerkung der Redaktion: Am 24.02.2017 haben wir aktuelle Daten von vaamo und ginmon für den Zeitraum 01.01.2016 – 31.12.2016 erhalten. Die Renditen von Whitebox werden nun gesondert dargestellt, da sich die Zahlen auf den Zeitraum 14.01.2016 – 14.01.2017 beziehen. Diese sind wegen starken Marktschwankungen Anfang Januar 2016 nicht mit den Zahlen der anderen Anbieter vergleichbar. Am 22.03.2017 haben wir von growney die Kennzahlen erhalten und die Tabelle ergänzt. Am 29.05.2017 haben wir die Zahlen von fintego aktualisiert.

Hier finden Sie für jeden Robo-Advisor einen ausführlichen Testbericht.

Alles in allem geben die vorgelegten Zahlen einen ersten Fingerzeig, was die Leistungsfähigkeit der digitalen Anlagemanager betrifft. Da eine vernünftige Vermögensplanung langfristig ausgerichtet sein sollte, braucht es sicher noch Zeit, bis sich ein endgültiges Urteil fällen lässt. Interessant wird es, sobald den Börsen eine längere Abwärtsphase ins Haus stehen sollte. Noch ist es nicht soweit, weshalb die meisten Robo-Advisoren bis auf weiteres ordentliche Renditen zeigen dürften – vor der Konkurrenz brauchen sich die „Revolutionäre“ der Finanzindustrie bis dato jedenfalls nicht zu verstecken.

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