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Rohstoffe im Rahmen der Asset Allokation

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Während Rohstoffinvestments noch vor einigen Jahren faktisch institutionellen Investoren vorbehalten waren, können Anleger mit entsprechenden Exchange Traded Funds heute sehr einfach in Rostoffe investieren. Der Kauf eines breit diversifizierten Rohstoffkorbes wird auf diese Weise genauso einfach wie ein DAX-Investment. Einiges gilt es jedoch zu beachten.

Die Vorteile von Rohstoffen für die eigene Geldanlage sind hinlänglich bekannt: Mit einer Rohstoffinvestition lassen sich nicht nur attraktive Renditen erzielen, als Depotbeimischung eignen sie sich auch zur Diversifikation eines Wertpapierportfolios, da sich Rohstoffe häufig anders verhalten als traditionelle Anlageinstrumente wie Aktien oder Anleihen. Rohstoffe sind mit diesen nur schwach korreliert, d.h. wenn Aktien oder Anleihen steigen bzw. fallen, entwickeln sich Rohstoffe häufig nicht gleichgerichtet.

Auf diese Weise können Rohstoffe ein bestehendes Wertpapierdepot stabilisieren. Vergleicht man beispielsweise den Aktien- (repräsentiert durch den MSCI World) mit dem Rohstoffmarkt (repräsentiert durch den CRB Total Return Index) während der letzten zehn Jahre, erkennt man nur eine sehr schwache Korrelation dieser beiden Märkte. Oft sah man auch, dass, wenn die Aktienmärkte einen Sprung nach oben machten, Rohstoffe umgekehrt reagierten und fielen. Rohstoffe bieten Anlegern also nicht nur zusätzliche Renditechancen, sondern können auch das Gesamtrisiko eines Wertpapierdepots reduzieren. Somit ist die Anlageklasse Rohstoffe bei einem modernen Investment nicht mehr wegzudenken.

Wie werden Rohstoffe gehandelt?

In Rohstoffe zu investieren bedeutet nicht etwa, Aktien von Ölfördergesellschaften, sondern den jeweiligen Rohstoff selbst zu kaufen. Hierfür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder erwirbt man den Rohstoff seiner Wahl physisch, um diesen später wieder zu verkaufen. Diese Möglichkeit ist beispielsweise mit Gold umsetzbar, führt bei einem Ölinvestment aber bereits zu großen Lagerproblemen und ist bei Agrarrohstoffen kaum möglich. Die Alternative, die den meisten Rohstoffinvestments zu Grunde liegt, besteht im (indirekten) Kauf von börsengehandelten Rohstoff-Futures. Diese Terminkontrakte haben im Vergleich zum physischen Kauf einige Vorteile: Man muss sie nicht lagern und man kann sie jederzeit wieder verkaufen. Allerdings hat jeder Terminkontrakt eine feste Fälligkeit. Hierzu ein Beispiel: Bei Rohöl-Futures auf die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI), die in vielen Rohstoffindizes wie zum Beispiel dem Reuters/Jefferies CRB TR Index enthalten ist, gibt es für jeden einzelnen Monat einen eigenen Future-Kontrakt. Der aus der Sicht von Mai 2011 nächste („nearby“) Kontrakt bezieht sich auf Juni 2011, danach kommt der Juli 2011-Kontrakt usw. Für jede einzelne Laufzeit der unterschiedlichen Futures-Kontrakte stellt sich der Preis zu jedem Zeitpunkt separat durch Angebot und Nachfrage ein.

Sobald der Fälligkeitstermin eines Futures näher rückt, hat der Besitzer zwei Möglichkeiten: Er kann den Kontrakt auslaufen lassen und bekommt im Gegenzug dessen Basiswert geliefert. In diesem Fall wären dies 1.000 Barrel Rohöl der Sorte WTI, da ein Kontrakt zu dem Bezug von 1.000 Barrel Öl berechtigt. Weil dies für Finanzinvestoren kein sinnvolles Vorgehen ist, verbleibt die Alternative, seinen Future kurz vor dem Fälligkeitstermin zu verkaufen und den Kontrakt des Folgemonats („2nd nearby“) zu kaufen. Dieser Vorgang wird auch als „Rollen“ bezeichnet. Hier ist regelmäßig zu beobachten, dass der Preis des nearby-Kontraktes vom 2nd nearby-Kontrakt abweicht. Ist ein weiter in der Zukunft liegender Kontrakt billiger, spricht man von einer „Backwardation- Situation“, ist er dagegen teurer, spricht man von „Contango“.

Wovon hängt es ab, ob ein Rohstoff in contango oder Backwardation notiert?

Man kann zeigen, dass in einem Markt, der in Backwardation notiert, eine Arbitragemöglichkeit besteht, sofern man den Rohstoff leihen kann. Das Vorgehen sähe wie folgt aus: Ein Anleger würde sich den Rohstoff (physisch) leihen und diesen zu den hohen Kursen am Markt verkaufen. Nun deckt er sich mit den später fällig werdenden Terminkontrakten ein und würde auf diese Weise einen Arbitragegewinn in Höhe des Preisunterschiedes (zusätzlich zu dem Zinsgewinn) erzielen. In der Praxis ist eine solche Arbitragestrategie häufig nicht möglich, weil kaum jemand bereit ist, Rohstoffe zu verleihen. Der Hintergrund ist, dass diejenigen, die beispielsweise Öl besitzen, dieses brauchen, um etwa Benzin herzustellen. Daher kann es trotz einer theoretischen Arbitragemöglichkeit zu einer Forwardkurve in Backwardation kommen. Eine andere Erklärung für die Existenz einer Backwardation- Situation ist die „Theorie der künstlichen Verknappung“. Angenommen, lang laufende Futures-Kontrakte notieren bei einen höheren Kurs als kürzer laufende (der Markt befindet sich also in einer Contango-Situation) und diese steigen nicht stärker als die Marktzinsen. In einer solchen Situation wäre es für Öl-Produzenten vorteilhaft, die Produktion zu drosseln und das Angebot zu verknappen. Gehen jedoch alle – oder zumindest die meisten – Produzenten so vor, würde sich das zeitnah verfügbare Öl verknappen und daher im Vergleich zum später fällig werdenden Öl teurer werden. Die Konsequenz wäre, dass eine Backwardation-Situation sogar notwendig ist, damit Öl-Produzenten Öl fördern und anbieten.

Rohstoffe als Teil der Core-Satellite-Strategie

Die Anlegerweisheit, nach der man nicht alle Eier in einen Anlagekorb legen soll, gilt für Rohstoffe genauso wie für Aktien oder Anleihen auch. Deshalb setzen viele Anleger ihr Rohstoffinvestment im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie um. Dieses Anlagekonzept funktioniert folgendermaßen: Der Hauptanteil des zu investierenden Kapitals wird auf breit diversifizierte Anlageinstrumente verteilt. Dieser Hauptteil bildet das Kern- beziehungsweise Core-Investment und soll für stabile Renditen sorgen. Dafür wird klassischerweise der MSCI World verwendet. Je nach Risikoneigung kommen auch Geldmarkt- und Rentenprodukte für den Kernteil infrage. Der kleinere Teil des zu investierenden Kapitals wird in die Satelliten-Investments angelegt, die mit einem höheren Risiko behaftet sind, dafür aber auch das Potenzial bieten, eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Zu den möglichen Satelliten-Investments gehören auch Rohstoffe. Exchange Traded Funds auf Rohstoffindizes sind die einfachste Art und Weise, an der Wertentwicklung eines breit diversifizierten Rohstoffkorbes zu partizipieren. Die Vielzahl an Rohstoffen in einem Index führt dabei zu einer erheblichen Risikodiversifikation gegenüber einem Investment in einen einzelnen Rohstoff.

Zwei Rohstoff-ETFs von Lyxor

Lyxor bietet zwei Exchange Traded Funds auf den Reuters/Jefferies CRB TR Index sowie den Lyxor ETF Commodities CRB Non Energy Index an. Der Reuters/Jefferies CRB Total Return Index ist einer der ältesten und bekanntesten Rohstoffindizes der Welt. Er bezieht sich aktuell auf 19 verschiedene Rohstoffe und repräsentiert so den Wert einer breiten Rohstoffpalette, die für die Weltwirtschaft eine wesentliche Bedeutung hat. Der Ölsektor macht derzeit mit 33 Prozent den größten Anteil im CRB-Index aus, Agrarrohstoffe wie Kakao und Kaffee haben eine Gewichtung von 21 Prozent.

Darüber hinaus sind Industriemetalle (13 Prozent), Getreide (13 Prozent), Edelmetalle (7 Prozent), Vieh (7 Prozent) und Erdgas (6 Prozent) im CRBIndex vertreten. Der Index wird im Zeitraum der ersten vier Tage eines jeden Monats auf eine festgelegte Zielgewichtung angepasst, sodass ein breit diversifiziertes Rohstoffinvestment auch dauerhaft möglich ist. Da es sich bei dem CRB-Index um einen Total Return- Index handelt, profitieren Anleger nicht nur von der reinen Performance der enthaltenen Rohstoffe, sondern auch von den Zinseinkünften, die aus der Anlage frei gebliebener liquider Mittel resultieren. Die Non Energy-Variante des CRB-Index deckt insgesamt 15 Rohstoffe ab, wobei Nahrungs- und Genussmittel rund zwei Drittel des Index umfassen und Energieträger nicht enthalten sind. Wichtig für Anleger: Während es aufsichtsrechtlich nicht möglich ist, einzelne Rohstoffe als Fonds abzubilden, handelt es sich bei den beiden Lyxor ETFs auf den CRB TR Index bzw. den CRB TR Non Energy Index um Sondervermögen. Einem Rohstoff-Satelliten- Investment sollte damit nichts mehr im Weg stehen.

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Der Artikel wurde dem Anlegermagazin „Die Welt der ETFs“ von Lyxor übernommen.

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.