Tipps zur Anlage in Rohstoffe
Dank ausgeklügelter Indexkonzepte ist es für Privatanleger ein Leichtes, auf Öl & Co. zu setzen. Sei stoßen hier jedoch auf eine besonders komplexe Anlageklasse – worauf es zu achten gilt.

Die Preise verschiedener Rohstoffe schwanken stark. Maßgeblich für das Auf-und-Ab der Notierungen sind aber nicht nur allein die nackten Angebots- und Nachfragedaten. Rohstoffanalysten und -händler müssen darüber hinaus die konjunkturelle und geopolitische Situation ins Kalkül ziehen, den Dollarkurs im Auge behalten und gleichzeitig darauf achten, ob irgendwo auf der Welt gerade neue Ressourcen erschlossen werden. Überdies sind auf ihren riesigen Bildschirmen die Wetterdaten für die unterschiedlichsten Regionen geöffnet.

Trotz aller Komplexität haben Rohstoffe zur langfristigen Portfoliobeimischung ihren Reiz. Für diese These spricht zum einen die geringe Korrelation mit anderen Anlagen, insbesondere Aktien. Gleichzeitig bieten die Naturwaren einen Inflationsschutz. In der Tat ist das jüngste Lebenszeichen der Verbraucherpreise – zum Jahreswechsel erreichte die Teuerung in Deutschland das höchste Niveau seit 2013 – vor allem auf die steigenden Ölnotierungen zurückzuführen. Ein weiteres Argument für die „Commodities“ liefert die Globalisierung. In vielen Schwellenländern, allen voran China, nimmt der Wohlstand zu. Immer mehr Menschen können sich die eigene Immobilien,ein Auto oder Fleisch leisten. So problematische diese Entwicklung aus ökologischer Sicht ist – sie sorgt für einen strukturellen Anstieg des Rohstoffbedarfs.

Rohstoffe – Trendwende möglich

Gleichwohl wollten die Märkte von diesem vermeintlichen Megatrend über Jahre hinweg nichts wissen. Vielmehr bestimmten die globale Ölschwemme, gut gefüllte Getreidespeicher und vor allem die Zweifel am China-Wachstum das Geschehen. Infolgedessen gaben die Notierungen bis Anfang 2016 auf breiter Front nach (siehe Grafik). Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden. Nicht nur, dass sich die Sorgen vor einer harten Landung in China bis dato nicht bewahrheitet haben. Darüber hinaus kündigte die Opec im vergangenen Herbst an, die Leistung ihrer Pumpen zu drosseln. Vor diesem Hintergrund erwarten Analysten, dass die globalen Ölvorräte im laufenden Jahr schrumpfen. Einen zusätzlichen „Energieschub“ verpasste den Rohstoffmärkten Donald Trump. Der neue US-Präsident kündigte bereits im Wahlkampf umfangreiche Infrastrukturprojekte an. Entsprechend zogen nach seinem Sieg vor allem die im Bausektor vielfach verwendeten Industriemetalle kräftig an.

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Nach einer langen Phase des Rückgangs, deutet sich nun eine Trendwende bei Rohstoffen an.

Trotz der Aufbruchstimmung sollten nur erfahrene und aktive Anleger kurzfristige Wetten bei Öl & Co. eingehen. Zusätzlich erschwert wird eine Positionierung am Rohstoffmarkt durch die Art des Handels. Seit jeher läuft das Geschäft an den großen Warenbörsen auf Termin. Das heisst, die beteiligten Parteien bestimmten den Preis für eine bestimmte Warenmenge und -qualität, welche zu einem fixen Zeitpunkt an einem vereinbarten Ort übergeben wird. Investoren, die sich dauerhaft engagieren möchten, sind naturgemäß nicht darauf erpicht, dass beispielsweise der Öltankzug vorfährt. Sie müssen daher ihren Terminkontrakt gegen ein länger laufendes Pendant tauschen, sobald die Fälligkeit ansteht. Gleiches gilt für Indizes, die den Verlauf eines Warenpreises oder des gesamten Rohstoffuniversums abbilden.

Wichtige Fachbegriffe

Der nötige Rollvorgang kann den Wert des Investments beeinflussen. Dabei sind zwei Konstellationen zu unterscheiden: Sobald länger laufende Terminkontrakte höher notieren, als der nächstfällige, ist vom Contango die Rede. Verantwortlich für die im Zeitverlauf steigenden Preise sind unter anderem Kosten für Versicherung oder Lagerung. Das Contango verursacht einen Rollverlust. Grund: Der Erlös aus dem Verkauf der auslaufenden Kontrakte reicht nicht, um eine identische Stückzahl zu erwerben. Das Gegenteil ist in einer Backwardation der Fall. In dieser Form zeigt sich die Terminkurve, sobald ein Rohstoff zu einem späteren Liefertermin günstiger zu haben ist, als in der nächsten Fälligkeit. Diese Situation beschert Indizes einen Rollgewinn, da die auslaufenden Kontrakte durch eine höhere Anzahl an neuen Futures ersetzt werden können. Die Backwardation entsteht insbesondere in Waren mit drohen Versorgungsengpässen.

Mit speziellen Konzepten versuchen die Indexdienstleister, die Unwägbarkeiten des Terminhandels abzumildern. Bereits den zehnten Geburtstag feiert die CMCI-Methodik. 2007 rief die Schweizer Großbank UBS diese Indexfamilie zusammen mit dem Nachrichtenkonzern Bloomberg ins Leben. Im Kern setzt Ansatz auf eine Streuung über sämtlichen Fälligkeiten sowie den permanenten Austausch von Kontrakten. Mit Erfolg: Im langfristigen Vergleich hat der breit diversifizierte CMCI Composite Index gegenüber anderen namhaften Rohstoffbarometern die Nase vorn.

Passive Positionierung

Seit Ende 2010 bietet die UBS diese Benchmark im ETF-Mantel (WKN: A1C79N) an. Gegen eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,37 Prozent p.a. ermöglicht der passive Fonds Anlegern ein breit angelegtes Engagement im Rohstoffmarkt. Per Ende 2016 dominierten Energieträger mit einem Indexanteil von 34 Prozent. Hoch gewichtet sind zudem landwirtschaftliche Erzeugnisse (29 Prozent) und Industriemetalle (27 Prozent). Edelmetalle (5%) und Nutztiere (4%) spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

UBS ETFs plc – CMCI Composite SF UCITS ETF

WKN: A1C79N ISIN: IE00B53H0131
Kurs

54,53 €

Kosten (TER) 0,37 %
Fondsvolumen 369,45 Mio. €
Indexabbildung synthetisch
1 Monat -2,05 %
Lfd. Jahr -0,70 %
Mehr ETFs finden: ETF-Suche

Während das UBS-Produkt knapp 380 Millionen Euro verwaltet, belaufen sich die Assets under Management (AuM) beim ComStage Commerzbank ( Zum Testbericht) Commodity EW Index TR ETF (WKN: ETF090) auf 674 Millionen Euro. Dieser Basiswert verzichtet auf das Agrarsegment und ist in Energie (36%), Industrie- (35 Prozent) und Edelmetallen (29 Prozent) positioniert. Das jüngste Comeback im Rohstoffmarkt spiegelt sich in der ETF-Performance wieder: Auf Sicht von einem Jahr legte der Fonds um knapp ein Drittel zu. Gegenüber dem Konkurrenzprodukt aus der Schweiz punktet er zudem mit einer TER von 0,30 Prozent sowie der Sparplanfähigkeit.

ComStage CB Commodity ex-Agriculture EW TR UCITS ETF

WKN: ETF090 ISIN: LU0419741177
Kurs

88,83 €

Kosten (TER) 0,30 %
Fondsvolumen 338,81 Mio. €
Indexabbildung synthetisch
1 Monat -0,08 %
Lfd. Jahr +2,83 %
Mehr ETFs finden: ETF-Suche

Weitere interessante Investment Möglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

Erfahren Sie mehr über Rohstoffe in diesem Video:

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.