Droht ein neuer Bärenmarkt?
Als der S&P 500 und der Dow Jones im Februar um 11% gefallen waren, kamen wir dem Bärenmarkt gefährlich nah.

Bislang gestaltete sich das Jahr 2016 für Anleger als turbulent und des Öfteren kam die Sorge auf, ob wir nicht auf einen Bärenmarkt zusteuern. Erik Ristuben, Chief Investment Strategist bei Russell Investments erläutert in seinem aktuellen Marktkommentar, inwieweit er diese Sorge für berechtig hält.

Als der S&P 500 und der Dow Jones im Februar um 11% gefallen waren, kamen wir dem Bärenmarkt gefährlich nah. Derzeit befindet sich der S&P 500 wieder im positiven Bereich und die Märkte zeigten einige Aufwärtsdynamiken.

Bärenmarkt: Geprägt von Rezessionen

Die Voraussetzung, um von einem Bärenmarkt (Rückgang von 20%) sprechen zu können, ist eine vorherrschende Depression oder Rezession. Betrachten wir dazu diesen Chart:

Bärenmarkt wird von Rezessionen geprägt.
Voraussetzung, um von einem Bärenmarkt (Rückgang von 20%) sprechen zu können, ist eine vorherrschende Depression oder Rezession.

Der Chart zeigt die Indexergebnisse und Renditen des S&P 500 zwischen 1929 und 2015. Die Jahre mit den schlechtesten Renditen – Rückgänge von 10% oder mehr – korrelieren meist immer mit einer Art Finanzkatastrophe. Ausnahmen sind das Jahr 1966, das ganz einfach ein schlechtes für Aktien war, und der Kriegseintritt der USA im Jahr 1941. Die schlimmsten Jahre (1931, 1937, 2008) korrelieren mit dem Anfang und der Mitte der Weltwirtschaftskrise und mit der Finanzkrise von 2008.

Steht uns nun eine Rezession bevor?

Befürworter könnten argumentieren, dass wir uns schon seit etwa sieben Jahren im selben Konjunkturzyklus befinden. Aber ein Konjunkturzyklus geht nicht nach der Uhr. Er basiert auf Grundlagen, wie zum Beispiel, ob es signifikante wirtschaftliche Ungleichgewichte gibt wie hohe Verschuldung, rasant wachsende Gehälter, Immobilienblasen o.Ä.. Aber diese Problematiken bestehen im Moment nicht wirklich.

Das jährliche US-Wirtschaftswachstum entwickelt sich derzeit mit 2 % stabil (gemessen am US-BIP). Dies ist positiv aber nicht herausragend. Ein valides Signal für eine positive Entwicklung bieten jedoch die US-Arbeitsmarktzahlen. So enstanden im März 215.000 neue Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote blieb etwa auf gleichem Niveau (sie nähert sich langsam den 5%) und die Löhne wuchsen mäßig.

Darüber hinaus waren Unternehmensinvestitionen nicht so aggressiv wie kurz vorm Platzen der Internetblasse in den späten 1990er Jahren. Mit geringerer Verschuldung und etwas mehr Ersparnissen sind die Haushalte 2016 in einem besseren Zustand als vor der Finanzkrise 2008. All diese Gesichtspunkte zusammen lassen darauf schließen, dass die amerikanische Wirtschaft derzeit viel resistenter gegen eine Rezession ist, als allgemein angenommen.

Unser Vorbehalt für ein positives Fazit ist jedoch, dass wir in einigen Unternehmensbilanzen frühe Anzeichen von Problemen sehen: Die Verschuldung der Unternehmen steigt aufgrund der äußert niedrigen Zinsen der letzten Jahre an. Ökonomen müssten keinen großartigen track record haben, um einen starken Abschwung voraussehen zu können, unkte kürzlich auch der amerikanische Investor Steve Rattner in seiner jüngsten Kolumne in der New York Times.

Betrachtet man außerdem die fortlaufenden Unsicherheiten in China, die Schwierigkeiten der Bank of Japan die japanische Wirtschaft aus seiner deflationäre Spirale herauszuholen und Europas mittelmäßige wirtschaftliche Erfolge, lässt sich erkennen, dass einiges schief gehen könnte.

Nehmen wir jedoch an, dass die USA in absehbarer Zukunft nicht in eine Rezession rutschen – was hieße das für die Aktienmärkte? Wahrscheinlich genau dasselbe wie in den letzten 18 Monaten: Ein paar ordentliche Auf- und Abschwünge, viel Volatilität und Angstanfälle seitens der Investoren gefolgt von vorsichtigem Optimismus.

Zusammenfassend glauben wir, dass der Rest von 2016 eine zufriedenstellende Phase für die Aktienmärkte sein wird. Wir erwarten Gewinne im unteren einstelligen Bereich für Aktien und Anleihen (letztere zwischen 2 und 3 %). In naher Zukunft sehen wir keine Rezession. Trotz der sich weiterhin verlangsamenden globalen Wirtschaft sind das Wachstum und die Zunahme an Arbeitsplätzen in Amerika stabil. Investoren, die bedacht nach den richtigen Möglichkeiten Ausschau halten, können durchaus sicher durch dieses schwierige Fahrwasser navigieren.

Über Russell Investments:

Russell Investments ist eine global agierende Investment- und Beratungsgesellschaft mit Hauptsitz in Seattle, USA. Beim Investmentmanagement hat sich die Gesellschaft als eine von wenigen insbesondere auf aktiv gemanagte Multi-Asset-Portfolios und -Services spezialisiert. Dies umfasst sowohl die Analyse der Kapitalmärkte, die Investmentmanagerauswahl als auch die  Portfoliostrukturierung und –implementierung sowie Faktorenengagement. Russell betreut institutionelle Anleger, Finanzberater und Privatanleger und unterstützt bei der Erreichung der gewünschten Anlageergebnisse.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.