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Schlechter Zeitpunkt für neue USA-ETFs

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Zehn Jahre lang hatte BlackRock die Exklusivrechte, auf den S&P 500 ETFs auflegen zu dürfen. Nachdem die Lizenz jetzt ausgelaufen war, standen andere Anbieter sofort Schlange. Und so existieren heute sechs ETFs auf diesen einen Index. Die Produkte kommen zu einer Zeit, da die Öffentlichkeit in der Tat wieder verstärkt über den Atlantik blickt – die wenigsten allerdings sehen dort eitel Sonnenschein.

Die USA gilt als Ausgangsland der Wirtschaftskrise. Dort war zunächst die Rede von einer Immobilien-, dann von einer Subprimekrise und als Finanz- und Wirtschaftskrise schwappte sie auf weite Teile der Welt über. In den vergangenen Wochen wackelten dann Staaten wie Griechenland, viele sahen gar das Ende des Euro gekommen. Der Worst Case konnte jedoch abgewendet werden und in Europa kann man inzwischen wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Dagegen hat sich das Bild in den USA nur wenig aufgehellt. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke fasste seine Einschätzung zur aktuellen Wirtschaftslage mit den Worten „außergewöhnlich unsicher“ zusammen.

Wachsende Zahl der Arbeitlosen ist ein alamierendes Signal

Große Sorgen bereitet die hohe Arbeitslosigkeit. Zwar melden viele Unternehmen in der aktuellen Berichtssaison gute Zahlen, neue Jobs werden aber nicht vergeben. Der US-Markt verlor in den vergangenen zwei Jahren fast 8,5 Mio. Stellen. 14,6 Mio. Amerikaner suchen einen Job – eine Arbeitslosenrate von 9,5 Prozent. Der Stellenmarkt in den USA galt schon immer als besonders flexibel. Schnell wurden Jobs gestrichen, doch genauso schnell wieder geschaffen, wenn es aufwärts ging. Die Phase ist bislang nicht erreicht. Die wachsende Zahl der Langzeitarbeitslosen gilt als alarmierendes Signal – auch deshalb, da in den USA Strukturen fehlen, die diese Menschen auffangen. Die staatliche Unterstützung ist auf sechs Monate beschränkt. Und ohne Arbeit – so die Befürchtung – kommt auch die Wirtschaft des Landes nicht in Schwung. Beispiel Häusermarkt: Arbeitslose erhalten kein Hypothekendarlehen, die Nachfrage stockt und die Häuserpreise fallen weiter. Auch die Baubranche, die als wichtiges Standbein der US-Wirtschaft gilt, leidet darunter. Vom Architekten bis zum Bauarbeiter zieht sich die Kette der fehlenden Aufträge durch.

Die US-Regierung stützt das System. In Folge steigt die Verschuldung drastisch. Laut Haushaltsplan werden es Ende 2010 14,4 Billionen US-Dollar sein.

Europa spürt Aufwind

Wurde Europa – insbesondere Deutschland – von den USA lange für strikte Sparpläne kritisiert, kommen nun immer mehr Zweifel an der eigenen Taktik auf, Schulden mit Schulden bekämpfen zu wollen. Die aktuelle Situation gibt den Zweiflern recht: Deutschland spürt den Wind anziehender Konjunktur und kann mit seinen Export-Produkten punkten. Die Kurzarbeit wurde vielfach eingestellt, jetzt werden wieder Sonderschichten gefahren. Den DAX jagte die Euphorie bereits auf neue Jahreshochs. Die Börse Frankfurt meldete zwar, die ETF-Anleger verblieben noch in Wartestellung. Einige Market Maker erwarteten aber eine schnelle Belebung, wenn der Markt nach den jüngsten Rücksetzern wieder nach oben klettert. Mit ETFs können Anleger auf diesen Zug aufspringen. Wie beim S&P 500 gibt es auch im Falle des DAX mehrere Emittenten, die einen passenden Indexfonds anbieten. Dazu zählen zum Beispiel ComStage und ETFlab, die den DAX mit bzw. ohne Swaps abbilden (ISIN: LU0378438732 bzw ISIN: DE000ETFL011). Die Gesamtkosten liegen bei 0,12 bzw. 0,15 Prozent. Beide ETFs erhalten fünf Sterne im Scope Rating.

Beim DAX ist daneben ein Blick auf das meist kostengünstigere Angebot der Zertifikate-Emittenten sinnvoll. Da der DAX als Performance-Index berechnet wird, gehen auch bei einer Investition via Zertifikat Dividenden nicht verloren. Außerdem ist bei der WestLB eine ETN (ISIN: DE000ETN1WL5) zu finden, die zusätzlich fixe 0,2 Prozent p.a. zahlt. Sowohl bei Zertifikaten als auch bei ETNs gilt jedoch: Auf das Emittentenrisiko achten! Weiter streuen und ganz Europa in den Blick nehmen können Anleger mit Indexprodukten auf den Euro STOXX 50 oder den STOXX Europe 600, wo ETFs ihre Stärken ausspielen können: Beide Indizes werden als Preisindex berechnet, Dividenden bleiben außen vor. Beim Indexfonds auf die Euroland-Benchmark von db x-trackers werden die Erträge jedoch ausgeschüttet (ISIN: LU0274211217, TER: 0,0 Prozent, Scope Rating: vier Sterne), das Produkt von ComStage auf den STOXX Europe 600, der ganz Europa berücksichtig, thesauriert Dividenden (ISIN: LU0378434582, Scope Rating: fünf Sterne). Bei beiden Benchmarks reichte es zuletzt zwar nicht zum Jahreshoch, doch befinden sich auch diese Indizes auf Kurs und konnten auf Sicht der vergangenen Monate den S&P 500 deutlich outperformen.

Für USA-Optimisten

Allerdings verweisen einige Analysten darauf, dass sich das Bild mittelfristig wieder umkehren könnte – nicht alle sehen die US-Konjunktur kritisch. Sie blicken beispielsweise auf das Wirtschaftswachstum, das im zweiten Quartal in den USA zwar schwach, aber stärker ausgefallen sei als in der Eurozone. Anhänger dieses Lagers können einen Blick auf die neuen S&P 500-Produkte werfen. Wie die Vorreiter-Produkte von iShares (z.B. ISIN: DE0002643889) bildet auch die Credit Suisse den Index eins zu eins nach. Swaps kommen dagegen bei Lyxor, db xtrackers und ComStage zum Einsatz. Mit 0,18 Prozent weist die Commerzbank ( Zum Testbericht)-Tochter die niedrigste Gesamtkostenquote auf.

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