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Scope Research: Zillmerung – Raubzug am Anleger?

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Die sogenannte Zillmerung soll den Absatz von Sparplänen ankurbeln. Eine Beispiel-Rechnung deckt jedoch die Risiken auf. Der Zinseszins-Effekt kann oftmals nicht mehr eingeholt werden.

Ein gutes Produkt kostet Geld. Dies gilt im Alltag und erst recht in der Beratung bei Geldanlagen. Nicht vergessen sollten Anleger jedoch, dass neben den Management Fees oftmals noch weitere Kosten anfallen. Ein Beispiel sind Ausgabeaufschläge bei Sparplänen, die zum größten Teil an den Vertrieb gehen. Um die Kostenbelastung zu senken, und den Absatz von Sparplänen auch für den Vertrieb attraktiver zu machen, werden seit mehreren Jahren seitens der Fondsindustrie neue Strategien angeboten, nämlich Produkte mit einer sogenannten Zillmerung.

Ausgabeaufschläge nur in der Anfangsphase

Hierbei werden die Ausgabeaufschläge über die gesamte Laufzeit auf die Anfangsperiode vorverlegt. Danach investiert der Anleger ohne Ausgabeaufschläge. Ob dies sinnvoll ist oder nicht, kann am Ende nur mit einem spitzen Bleistift und viel Zeit geprüft werden. Am folgenden Beispiel sollen die Funktionsweise und die möglichen Risiken verdeutlicht werden. Ein Anleger spart monatlich 200 Euro über 30 Jahre, der Ausgabeaufschlag beträgt fünf Prozent. Um eine realitätsnahe Rückrechnung über die letzten 30 Jahre zu machen, wird ein Portfolio aus verschiedenen Indizes (DAX, Dow Jones und Nikkei 225) zusammengestellt und dafür eine Management-Fee in Höhe von 1,5 Prozent p.a. erhoben. In diesem Beispiel werden die gesamten Ausgabeaufschläge über die 30 Jahre zusammengerechnet und in den ersten fünf Jahren gezahlt, danach investiert der Anleger ohne Ausgabeaufschlag. Da die Gesamtsumme der Ausgabeaufschläge in dieser Konstellation 3.600 Euro beträgt, zahlt der Anleger also in den ersten fünf Jahren nur noch 140 Euro in den Sparplan ein, während die restlichen 60 Euro an den Vertrieb als Provision fließen. Nach fünf Jahren fließen die kompletten 200 Euro in den Sparplan, Ausgabeaufschläge fallen also nicht mehr an.

Der Zinseszins-Effekt schlägt durch

Am Ende der Laufzeit von 30 Jahren zeigt sich in dieser Konstellation folgendes Bild: Beim klassischen Sparplan erhält der Anleger eine Ablaufleistung von rund 132.800 Euro, dem gegenüber steht ein Vermögen beim gezillmerten Sparplan in Höhe von lediglich rund 121.500 Euro. Obwohl der Anleger in diesem Beispiel 25 Jahre ohne Provisionskosten investieren kann, erhält er eine niedrigere Ablaufleistung. Zurückzuführen ist das auf den Zinseszins-Effekt: Die entgangenen Erträge in den ersten fünf Jahren konnten in diesem Beispiel nicht mehr eingeholt werden.

Langer Atem ist Voraussetzung

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Selbst wenn es die Marktkonstellation erlaubt, dass die Erträge wieder eingeholt werden können, so ist festzuhalten, dass der Anleger einen sehr langen Atem braucht und seinen Sparplan sehr lange durchhalten muss. Wer jedoch nach zum Beispiel zehn Jahren abbricht, hat neben dem Zinseszins-Effekt auch die gesamten Kosten zu tragen. Dennoch: Zillmerung ist kein Raubzug am Anleger wie in diesem Beispiel. Es kommt auf die Ausgestaltung an, und vor allem auf die Marktentwicklung.

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