Short-ETFs: Achtung Pfadabhängigkeit

Die  ungelöste Schuldenkrise in der EU und den USA sowie die Angst vor einer weltweiten Rezession lässt die Aktienkurse weiterhin auf Tauchstation gehen. Allein der DAX verlor im Monat August rund 21 Prozent. Mittels Short-ETFs können Anleger Aktien leer verkaufen und damit auf fallende Kurse setzen. Und dass ein Short-ETF in Krisenzeiten erheblich zur Renditemaximierung bzw. als Komponente zur Absicherung des eigenen Depots geeignet ist, zeigen beispielsweise ETFs wie der gehebelte Lyxor ETF Short DAX x 2, der eine Monatsrendite in Höhe von 36,37 Prozent (Stand: 05. September 2011) einfuhr. Aber es gibt auch einige Tücken, so zum Beispiel die Pfadabhänigkeit, die zu beachten sind.

Ein Short ETF bildet im Prinzip die Entwicklung eines Index spiegelverkehrt ab. Möglich ist dies durch sogenanntes Short-Selling, den Leerverkauf von Aktien. Dabei leiht sich der Anleger von anderen Investoren, beispielsweise Fonds, Aktien, die er nicht besitzt und hofft dabei, sie dann künftig für billigeres Geld wieder zurückkaufen zu können. Der Leihnehmer hofft bei dem Geschäft also auf fallende Kurse.

Short-ETFs sind von zahlreichen Einflussfaktoren abhängig

Allerdings reagiert ein Short-Index nur im Prinzip spiegelverkehrt zum Index, denn solche Produkte sind als komplexe Finanzinstrumente von zahlreichen anderen Einflussfaktoren abhängig. Ein entscheidender Faktor ist beispielsweise der EONIA-Geldmarktsatz, denn die Entwicklung des Short Index setzt sich aus der inversen Performanceentwicklung und dem zweifachen EONIA-Zinssatz (Geldmarkt) zusammen. Der EONIA-Zinssatz ist der durchschnittliche Zinssatz, zu dem eine Auswahl europäischer Banken einander Kredite in Euro gewährt, deren Laufzeit 1 Tag beträgt. Von diesem werden dann die anfallenden Kosten für die Wertpapierleihe abgezogen.

Tägliche Anpassung kann zu Pfadabhängigkeitsverlusten führen

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist zudem die sogenannte Pfadabhängigkeit, die bewirkt, dass Short-Investments in zwischenzeitlichen Aufwärtsphasen überproportional verlieren.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: der DAX verliert an einem Tag 5 Prozent (von 100 auf 95 Punkte). Der ShortDAX steigt, wenn man die zuvor erwähnten Einflussfaktoren einmal unberücksichtigt lässt, um 5 Prozent auf 105 Punkte. Am nächsten Tag jedoch steigt der DAX wieder auf das vorherige Niveau. Um zu diesem Ausgangspunkt wieder zu gelangen, muss er allerdings um 5,26 Prozent zulegen. Da der ShortDAX die tägliche prozentuale Indexabwicklung abbildet verliert er entsprechend 5,26 Prozent. Diesen Prozentsatz verliert er allerdings auf den aktuellen Indexstand von 105 Punkte. Das bedeutet, dass der ShortDAx Index von 105 Punkte auf 99,47 Punkte fällt (105 * 5,26% = 5,53 Punkte). Der Short-Index verliert also, obwohl sich der DAX Index sich nach dem Zwischentief im Prinzip nicht verändert hat. Damit entsteht für den Anleger unter dem Strich ein Verlust von 0,53 Prozent zu Buche. Bei einem häufigem Auf und Ab kann sich somit der Verlust bei täglicher Berechnung des Index erheblich summieren. In stetig fallenden Märkten dagegen sorgt die Pfadabhängigkeit für zusätzliche Einnahmen, da der ShortDAX einen immer höheren Wert annimmt.

Alternative: monatliche Anpassung von Short-ETFs/ETCs

Für Anleger, die nicht auf eine kontinuierliche Abwärtsentwicklung setzen, sondern auch eine zumindest zwischenzeitliche Seitwärtsbewegung mit einkalkulieren, empfiehlt sich eine monatliche Anpassung von Short-Indizes, wie es derzeit die ETF-Anbieter db x-trackers und die Royal Bank of Scotland (RBS) anbieten (siehe Liste). Hier entsteht die Wertentwicklung des Short-Index aus dem Vergleich zum Vormonat. Damit wird die tägliche Pfadabhängigkeit in Seitwärtsbewegungen deutlich reduziert. Gleichzeitig profitiert der monatliche Short-Index bei konstant fallenden Marktphasen nicht so stark wie der tägliche Short-Index. Für mittelfristig agierende Anleger sind ETFs auf die monatlichen Short-Indizes gut geeignet.

Einige Short-Produkte mit monatlicher Berechnung:

RBS Euro STOXX 50 Monthly Double Short (WKN: A1H6H2)
DB ETC Monthly Short Brent Crude Oil Euro Hedged (WKN: A1AQGW)
DB ETC Monthly Short Gold Euro Hedged (WKN: A1AQGZ)

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Weitere interessante Investment Möglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.