Short-ETFs: Gefahr oder steuerbares Risiko?

Short-ETFs sind beliebt. Zugleich warnen Finanzexperten vor den spezifischen Risiken dieser ETFs.  Eine kürzlich erschienene Studie bestätigt nun, dass Investoren Short-ETFs mit Bedacht einsetzen. Was Short-ETFs sind, was sie leisten können und wo die Risiken liegen, beschreibt dieser Beitrag.

Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Kursrückgängen sind Short-ETFs ein häufig diskutiertes Thema. Eine Aktie oder einen ganzen Index „leer“ zu verkaufen, also bei fallenden Kursen Gewinne zu erzielen, war bislang nur institutionellen Anlegern oder sehr gut informierten Privatanlegern möglich. Dank Short-ETFs können jetzt auch Privatanleger sehr einfach Leerverkäufe tätigen. Anlageexperten raten bei diesen Indexfonds allerdings zur Vorsicht. Grund genug für uns, einmal genauer hinzusehen.

Was sind Short-ETFs?

Ein Short-ETF bildet wie jeder ETF einen Index eins zu eins ab. Im Fall der Short-ETFs handelt es sich allerdings um einen Short- Index. Diese reflektieren die tägliche Indexentwicklung invers. Wer „normale“ ETFs auf Indizes kauft, hofft auf steigende Kurse. Mit einem Short-ETF kann der Anleger auf fallende Kurse setzen, ohne die Risiken am Terminmarkt, eines Zeitwertverlustes oder gar eines Totalverlustes eingehen zu müssen. Leerverkäufer, auch Shortseller genannt, verkaufen Aktien, die sie eigentlich gar nicht besitzen. Klingt paradox, ist aber möglich: Sie leihen sich die Papiere, zum Beispiel von einem anderen Fonds, und verkaufen diese dann an der Börse. Fällt der Kurs dieser Aktie, kaufen sie diese wieder billiger über die Börse zurück und erzielen damit einen Kursgewinn. In der Vergangenheit hatten diese Möglichkeit nur Anleger mit einem Zugang zu den Terminmärkten. Dank Short-ETFs kann heute jeder Anleger ohne Einschränkungen und sehr flexibel über die Börse auf einen fallenden Aktien-, Renten- oder Rohstoffmarkt setzen.

Wie funktioniert ein Short-ETF?

Bei einem klassischen Long-ETF investiert der Anleger in einen Indexfonds, der die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index genau abbildet. Demgegenüber spiegelt der Short-ETF die Entwicklung des Aktienmarktes in umgekehrter Form wider: Fällt der Index also um 3 Prozent, steigt der Short-ETF um 3 Prozent – und umgekehrt. Um die Performance eines Short-ETFs genau zu berechnen, reicht es allerdings nicht aus, die Entwicklung des Index mit minus eins zu multiplizieren. Die Wertentwicklung ist auch noch von anderen Faktoren wie zum Beispiel dem Geldmarktsatz (EONIA) abhängig, denn die Entwicklung des Short- Index setzt sich aus der inversen Performance des Long-Index und zweimal dem EONIA-Zinssatz (Geldmarkt) zusammen. Davon werden dann noch die Kosten für den Leerverkauf (Wertpapierleihe) abgezogen. Die Wertentwicklung von Short-ETFs ist deshalb nicht immer leicht nachzuvollziehen.

Achtung: Pfadabhängigkeit

Investoren von Short-ETFs müssen einen wichtigen Punkt berücksichtigen: die Pfadabhängigkeit. Ein Beispiel soll die Pfadabhängigkeit verdeutlichen. An Tag 1 steht der Index bei 100 Punkten. Am nächsten Tag ist er auf 90 Indexpunkte gefallen. Der Index ist also um 10 Prozent gefallen. Der Short-Index ist dementsprechend auf 110 Punkte gestiegen. An Tag 3 steigt der Long- Index wieder auf 100 Punkte (10 Punkte oder 11,11 Prozent). Der Short-Index verliert also 11,11 Prozent von seinem aktuellen Stand bei 110 Punkten. Der Kursrückgang des Short-Index beträgt demnach 12,22 Punkte auf 97,78 Punkte. Obwohl der Aktienmarkt innerhalb dieser drei Tage keine Veränderung hatte, haben Anleger in den Short-Index einen Verlust von 2,22 Punkten erlitten. Grund für diese Pfadabhängigkeit ist das Verlustrisiko des Index. Dieses ist anders als bei klassischen Leerverkäufen nicht unbegrenzt, sondern beträgt „nur“ 100 Prozent des eingesetzten Kapitals. Den Preis für dieses limitierte Verlustpotenzial bezahlt der Investor mit der Pfadabhängigkeit. Wie sie aus der Tabelle des Derivate- Spezialisten IDC AG entnehmen können, ist das Problem der Pfadabhängigkeit in verschiedenen Marktszenarien unterschiedlich stark ausgeprägt, in stetig fallenden Märkten sogar zum Vorteil des Anlegers.

Sinnvoll für Privatanleger?

Viele Finanzexperten raten vor allem Privatanlegern, sehr vorsichtig mit Short-ETFs umzugehen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie hat die Hochschule Konstanz jedoch gezeigt, dass Privatanleger Short- und Hebel-ETFs in Deutschland sehr maßvoll einsetzen und die Risiken gut einschätzen können. „Die Ergebnisse legen nahe, dass Privatanleger in den überwiegenden Fällen wissen, welche Chancen und Risiken mit dem Einsatz von Short- und Hebel-ETFs verbunden sind“, sagt Leo Schubert, Professor für Betriebswirtschaftslehre in Konstanz, der die Studie geleitet hat. Die Produzenten der Short-ETFs freut natürlich das Ergebnis der Studie. „Wir haben die Kritik ernst genommen, dass Short- und Hebel- ETFs nicht für Privatanleger geeignet seien. Nun können wir erstmals zeigen, dass diese Produkte sehr wohl verstanden und risikobewusst eingesetzt werden“, sagt Thorsten Michalik, verantwortlich für db x-trackers. Die wichtigsten Erkenntnisse der Analyse lauten: Die Reduktion der Haltedauer und/ oder der investierten Volumina wird von den Investoren so eingesetzt, dass das Risiko gehebelter ETFs minimiert wird. Je niedriger der Leverage/Short-Faktor ist, desto mehr investieren die Anleger. Um das Risiko bei doppel gehebelten Produkten zusätzlich zu minimieren, sinkt die Haltedauer und/oder das investierte Volumen. Die Studie dokumentiert also, dass sich Anleger beim Einsatz dieser Produkte scheinbar des Risikos bewusst sind und dementsprechend ihr Verhalten hinsichtlich der Haltedauer und des Investitionsvolumens dem gestiegenen Risiko anpassen.

Welche Short-ETFs gibt es?

Anleger in Deutschland können bisher aus einer überschaubaren Anzahl an Short- ETFs auswählen. Darunter befi nden sich meist nur die bekannten Indizes wie DAX und EURO STOXX 50. Zudem gibt es auf einige ausgewählte Sektoren und Rentenindizes Short-ETFs. Noch neu sind gehebelte Short-ETFs mit dem Faktor zwei. db x-trackers hat sogar kürzlich einen Short- ETF auf den MSCI Emerging Markets Index herausgebracht.

Zusammenfassung

Wer mit den Risiken von Short-ETFs leben kann, für den ist dieses Anlageinstrument eine ideale Alternative zu Derivaten, egal ob zum Hedging oder auch nur zur Spekulation. Investoren, die für einen längeren Zeitraum in Short-ETFs investieren möchten, um sich zum Beispiel vor einer längerfristigen Abwärtsbewegung zu schützen, dürfen allerdings das pfadabhängige Risiko nicht außer Acht lassen.

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Weitere interessante Investment Möglichkeiten finden Sie in unserem ETF-Anlageleitfaden. Dieser erleichtert Ihnen den Einstieg in die Welt der Exchange Traded Funds (ETFs). Wir stellen Ihnen darin die Anlegemöglichkeiten einzelner Länder, Regionen, Sektoren oder Investmentthemen vor.

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