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Short-Strategie: Worauf Anleger bei der Wette auf fallende Kurse achten sollten

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Short-Strategie - Darauf sollten Anleger achten
Wegen der Pfadabhängigkeit eignen sich Short-ETFs nur bedingt für eine dauerhafte Depotabsicherung oder Short-Strategie.

Momentan kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung, nach oben. Allerdings scheint nicht zuletzt wegen der bestehenden politischen Risiken eine Korrektur jederzeit möglich. Mit Short-ETF können mutige Anleger eine Short-Strategie umsetzen und damit auch bei fallenden Kursen Gewinne erzielen.

Es gibt Filme, die sollten sich Börsianer auf keinen Fall entgehen lassen. Zum Pflichtprogramm zählt „The Big Short“. Die Ende 2015 erschienene Tragikomödie erzählt, wie ein paar Fondsmanager und Banker lange vor der dem Ausbruch der globalen Finanzkrise die Blase am US-Immobilienmarkt erkennen und auf eine Crash bei Kreditausfallversicherungen setzen. Der mit einem Oscar ausgezeichnete Film gibt interessante Einblicke in den von Gier, Betrug und extremen Übertreibungen geprägten US-Immobilienboom. Ganz nebenbei wird dem Zuseher deutlich, wie schwer es ist, eine Short-Strategie erfolgreich umzusetzen. Der verschrobene Hedgefonds-Manager Michael Burry, gespielt von Christian Bale, hält trotz aller Widerstände und einem zwischenzeitlich drohen Totalverlust an seiner Wette fest. Als die Immobilienblase platzt und die größte Volkswirtschaft der Welt in den Abgrund blickt, kassiert er zusammen mit seinen Gesinnungsgenossen groß ab.

Wetten auf Leihbasis

Seit jeher nutzen vor allem institutionelle Adressen das so genannte Short-Selling. Sie leihen sich dazu von anderen Investoren Fonds, Aktien oder sonstige Wertpapiere und stoßen sie sofort wieder ab. Da die entsprechenden Titel nicht ihr Eigentum sind, spricht der Fachjargon von einem Leerverkauf. Geht es mit dem Kurs wie gewünscht nach unten, deckt sich der Short-Seller günstig wieder ein und erzielt einen hohen Profit. Hinter solchen Trades können gezielte Wetten auf negative Ereignisse oder Unternehmensnachrichten stecken. Darüber hinaus dient diese gängige Praxis zur Portfolioabsicherung.

Längst können Anleger diese Strategie auch mit Hilfe von Short-ETFs fahren. In Deutschland stehen mehr als 50 Produkte dieser Bauart zur Verfügung. Sie geben den Verlauf eines Index spiegelverkehrt wieder. Allerdings gibt es dabei einige Besonderheiten und Risiken zu beachten. Besonders wichtig ist, dass die umgekehrt proportionale Entwicklung nur im Prinzip gilt. Auf die Wertentwicklung eines Short-Index nehmen mehrere Faktoren Einfluss. Sie können dazu führen, dass der ETF vom spiegelverkehrten Verlauf zur Benchmark abweicht. Eine wesentliche Rolle spielt die Zinskomponente. Neben dem Ertrag aus dem Leerverkauf des Index kann der Anbieter für das investierte Anlagevolumen am Markt für Tagesgeld Erträge generieren. Maßgeblich ist hierfür der Euro Overnight Index Average, kurz EONIA. Dabei handelt es sich um einen von der Europäischen Zentralbank festgestellten Satz, der auf den von wichtigen Instituten für bestimmte Interbankengeschäfte durchschnittlich bezahlten Zinsen basiert. Die Krux: Seit einiger Zeit hält sich der EONIA-Satz hartnäckig im negativen Bereich. Short-Indizes müssen daher eine Belastung verkraften, welche allerdings nicht all zu stark ins Gewicht fallen sollte.

Achtung: Spurverlust möglich

Stärker aus dem Tritt bringen kann dagegen die Pfadabhängigkeit eine solche Strategie. Grund hierfür ist die Benchmark-Berechung auf täglicher Basis. Sie führt dazu, dass der Short-ETF überproportional verliert, sobald es am Markt zu Erholungsphasen kommt. Für ein Beispiel nehmen wir an, dass DAX bei 12.000 Punkten notiert und ein fiktives Short-Produkt auf den heimischen Leitindex 100 Euro kostet. Sollte der Index am ersten Tag um drei Prozent nachgeben, würde der passive Fonds – unter Ausklammerung sonstiger Einflussfaktoren – um drei Prozent auf 103 Euro klettern. Bei der nächsten Handelssitzung holt der DAX das Vortagesminus komplett auf. Dazu braucht er einen Gewinn von 3,1 Prozent. Für die Short-Position bedeutet das einen Abschlag von 3,1 Prozent (auf Basis der 103 Euro). Dadurch rutscht der ETF bereits unter den Ausgangskurs. Wir lassen den DAX zehn Tage lang auf und ab springen, wobei er am Schluss wieder bei 12.000 Punkten notiert. Dieses Szenario endet für den ETF unterhalb der Nulllinie (siehe Abbildung). Über einen längeren Zeitraum kann dieser Effekt noch weitaus negativer zu Buche schlagen. Auf der anderen Seite führt er bei einer stabilen Abwärtsbewegung dazu, dass die Short-Strategie überproportional zulegen kann.

Beispiel für eine Short-Strategie: Short-ETF auf den DAX

db x-trackers ShortDAX® Daily UCITS ETF

Kurs

20,70 €

Kosten (TER)0,40 %
Fondsvolumen326,63 Mio. €
Indexabbildungsynthetisch
1 Monat-0,62 %
Lfd. Jahr-14,05 %
Mehr ETFs finden: ETF-Suche

Short-Strategie: Erfahrung gefragt

Wegen der Pfadabhängigkeit eignen sich Short-ETFs nur bedingt für eine dauerhafte Depotabsicherung. Um die Wirkung der „Versicherung Marke Eigenbau“ zu erhalten, müssten Anleger ihre Position immer wieder auf den Ausgangswert zurücksetzen. Eine solche Vorgehensweise zieht einen Zeitaufwand und zusätzliche Transaktionskosten nach sich. Etwas Abhilfe können Produkte leisten, deren Berechnung auf monatlicher Basis erfolgt. Zwar wird hier die tägliche Pfadabhängigkeit abgemildert. Jedoch greifen solche ETF einen dauerhaften Ausverkauf weniger stark ab. Aufgrund der skizzierten Tücken und den mit einer Short-Position verbundenen Risiken sollten ohnehin nur Börsianer mit Erfahrung und Mut zu diesen Instrumenten greifen.

Diese Gruppe kann gezielt auf eine Korrektur setzen. Gerade im von politischen Unwägbarkeiten geprägten Börsenjahr 2017 könnten sich dazu noch einige Gelegenheiten bieten. Als mögliche Auslöser für einen Rücksetzer bei DAX & Co. gelten insbesondere die anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und auch Deutschland. Unsere Tabelle enthält Short-ETF auf bekannte Börsengradmesser. Wir zeigen an dieser Stelle ausschließlich Produkte, die den Index einfach umgekehrt abbilden. Spekulanten mit einem Hang zum Risiko finden am ETF-Markt auch Fonds mit Hebel. Ungeachtet vom „Beschleunigungsfaktor“ bergen solche Wetten enorme Risiken. Davon können viele Investoren ein Lied singen, die sich im Vorfeld der US-Wahlen unter der Annahme eines Sieges von Donald Trump auf die Short-Seite gestellt haben. Bekanntlich dauerte das durch den überraschenden Triumph des Republikaners ausgelöste Börsenbeben nur wenige Stunden. Dann drehten die Kurse nach oben und die mit Trump einhergehende Konjunktureuphorie bescherte der Wall Street eine regelrechte Rekordjagd – für die Leerverkäufer setzte es dagegen schmerzliche Verluste.

Diese ETFs können Sie für eine Short-Strategie nutzen:

Ausgewählte Short-ETFs für eine Short-StrategieWKN
db x-trackers – ShortDAX DailyDBX1DSMehr Infos
Lyxor EURO STOXX 50 Daily ShortA0MNT8Mehr Infos
db x-trackers – S&P 500 Inverse DailyDBX1ACMehr Infos
Amundi Short MSCI USA DailyA0X9PCMehr Infos

 

Aktuelle Kurse für Short-ETFs finden Sie hier: Liste von allen in Deutschland handelbaren Short-Aktien-ETFs. Interessant ist auch ein Beitrag über das Thema Pfadabhängigkeit bei Short-ETFs.

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Markus Jordan, Gründer und Geschäftsführer der 2007 gegründeten Isarvest GmbH. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkt Exchange Traded Funds und Derivate. Davor arbeitete er als Private Banking Berater bei der Unicredit, als Senior Produktmanager bei der DAB bank AG und als Senior Sales bei der Deutschen Bank.