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Sinkende Rohstoffpreise: Energierohstoffe und Edelmetalle gefragt

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Viele Investoren sehen in den aktuellen Kurskorrekturen an den Rohstoffmärkten eine sehr gute Gelegenheit zum Einstieg.

In einem sich verschlechternden makroökonomischen Umfeld, in dem die Anzeichen auf ein verlangsamtes weltweites Wachstum zunehmen, hätten Exchange Traded Products (ETPs) auf Energierohstoffe und Edelmetalle im zweiten Quartal Nettomittelzuflüsse erzielt. Desweiteren hätten Investoren kürzliche Kursschwankungen bei Rohöl und Erdgas genutzt und zudem Produkte auf Gold und Silber nachgefragt. Dies geht aus der aktuellen Ausgabe des Global Commodity ETP Quarterly hervor, die heute von ETF Securities (UK) Limited, einem führenden unabhängigen Anbieter für börsengehandelte Investmentprodukte, veröffentlicht wurde.

„In Zeiten einer hohen Staatsverschuldung und lockerer Geldpolitik bleibt die Nachfrage der Investoren nach Sachwerten hoch. Der Ausblick für Rohstoffe insgesamt hängt in der zweiten Jahreshälfte weiterhin stark vom weltweiten Wirtschaftswachstum und der Risikobereitschaft der Investoren ab. Dabei werden die staatliche Finanzpolitik und die Haltung der Zentralbanken voraussichtlich die breite Marktentwicklung weiterhin in einem höheren Maß als bislang üblich beeinflussen“, erklärt Nicholas Brooks, Head of Research and Investment Strategy bei ETF Securities.

Weltweit sei der Markt für ETPs auf Rohstoffe im zweiten Quartal um sieben Prozent auf 175 Milliarden US-Dollar gesunken. Der Rückgang sei größtenteils auf die in den vergangenen Monaten sinkenden Rohstoffpreise zurückzuführen. Eine stabile Nachfrage nach Produkten auf einzelne Rohstoffe, wie Gold, Silber und Öl, habe ETF Securities zufolge die Abflüsse aus den ETCs, die ein diversifiziertes Rohstoffinvestment ermöglichen, teilweise ausgeglichen. Insgesamt haben die Nettomittelabflüsse aus allen Rohstoff-ETPs weltweit lediglich 1,1 Milliarden US-Dollar betragen.

„Der Trend Risiken abzubauen hat im zweiten Quartal über verschiedene Anlageklassen hinweg angehalten. Natürlich waren zyklische Anlageklassen und damit auch Rohstoffe besonders stark betroffen. Aber festzuhalten ist: Trotz der schwierigen makroökonomischen Bedingungen hält die starke Nachfrage nach Rohstoff-ETPs insgesamt an. So bleibt die Nachfrage nach Gold hoch, da die Sorgen um die Staatsverschuldung und Finanzrisiken in Europa sowie um eine mögliche Abwertung des US-Dollar anhalten. Gleichzeitig sehen viele Investoren die gesunkenen Kurse als attraktiv an“, so Brooks.

Edelmetalle sind weiterhin gefragt

ETPs auf Edelmetalle haben laut ETF Securities im zweiten Quartal Nettomittelzuflüsse von 702 Millionen US-Dollar erzielt. Denn Investoren haben sich mit den Produkten gegen die andauernde weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise sowie unsichere politische Entwicklungen absichern wollen. Die höchsten Investments sein in ETPs auf Gold geflossen, die insgesamt Mittelzuflüsse von 570 Millionen US-Dollar verzeichnet hätten. Darauf würden die Produkte auf Silber folgen, in die Anleger zusätzlich 269 Millionen US-Dollar investierten.

ETPs auf Palladium haben Mittelzuflüsse von 36 Millionen US-Dollar erlebt. Offenbar habe die im Vergleich zu anderen Industrien und Staaten stabile Nachfrage nach Benzinmotoren auf den Automärkten in den USA und China die Nachfrage nach den Produkten auf Palladium gestützt. Denn die Automobilindustrie sei ein wichtiger Nachfragefaktor im Markt für Palladium. Schwächer habe sich dagegen die Nachfrage nach Platin entwickelt. So hätte diese stark von dem schnell schrumpfenden europäischen Markt für Fahrzeuge mit Dieselantrieb abgehangen. Trotz vergleichsweise starker Mittelzuflüsse im ersten Quartal dieses Jahres hätten Investoren zwischen April und Juni netto rund 80 Millionen US-Dollar aus Platin-ETCs abgezogen.

Weiterhin volatile Nachfrage nach Energierohstoffen

In ETPs, die ein Investment in Erdgas ermöglichen, haben Anleger im zweiten Quartal neue Gelder in Höhe von 205 Millionen US-Dollar angelegt, so ETF Securities. Das wärmere Wetter in den USA habe den dortigen Stromverbrauch erhöht und damit zur stärkeren Nachfrage nach Erdgas beigetragen. ETPs auf Rohöl würden dagegen auf ein gemischtes Quartal zurückblicken. Zunächst hätten Investoren im April und Mai ihre Positionen netto um 73 Millionen US-Dollar reduziert, da die Anzeichen für ein sich verlangsamendes weltweites Wachstum zugenommen und Investoren gleichzeitig eine militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten als weniger wahrscheinlich eingeschätzt hätten. Saudi-Arabien habe zudem seine Ölförderung im zurückliegenden Quartal erheblich ausgebaut. Die signifikante Preiskorrektur habe offenbar zu einer Trendwende bei den Mittelflüssen der Öl-ETCs geführt. Im Juni hätten die Öl-Produkte so weltweit Zuflüsse in Höhe von 515 Millionen US-Dollar verzeichnet. „Auch bei Rohöl hat die Nachfrage angezogen, da viele Investoren nach der deutlichen Preiskorrektur in Öl eine langfristige Anlagechance sehen“, ergänzt Brooks.

Abbau von Risiken führt zu Mittelabflüssen

Die sich verschlechternden Wirtschafts- und Finanzbedingungen in Europa, sowie die Anzeichen für ein nachlassendes Wirtschaftswachstum in den USA und China haben ETF Securities zufolge breit diversifizierte Rohstoff-Investments und andere zyklische Anlageklassen im zweiten Quartal weniger attraktiv gemacht. Investoren hätten in ETPs auf Industriemetalle, wie beispielsweise Kupfer, in den ersten vier Monaten des Jahres hohe Mittel investiert und dann im Mai und Juni ihre Positionen aufgelöst. Breit diversifizierte Rohstoff-ETPs, beispielsweise auf die DJ-UBS- und GSCI-Rohstoffindizes, hätten Nettomittelabflüsse von 1,1 Milliarden US-Dollar verzeichnet.

Aus ETPs, die ein Investment in Agrarrohstoffe ermöglichen, hätten Investoren im zweiten Quartal 494 Millionen US-Dollar abgezogen. Auch hier seien Produkte, die das Segment der Agrarrohstoffe breit investierbar machen, besonders stark betroffen gewesen. Schlechte Klimabedingungen hätten dagegen zuletzt die Preise mehrerer wichtiger Agrargüter steigen lassen. Es bliebe daher abzuwarten, ob Investoren ihre Positionen in diesem Segment im nächsten Quartal wieder ausbauen werden.

Der aktuelle Ausgabe des Global ETP Quarterly finden Sie hier zum Download.

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