Europa

Für viele Anleger scheint die aufkommende Deflation bereits eine beschlossene Sache zu sein. Doch was müssen diese Anleger beachten?

Einfach ausgedrückt steigt bei einer Deflation der Wert des Geldes. Also trotz niedriger bis gar nicht vorhandener Zinsen erhöht sich real der Wert des Vermögens. Auch, wenn man das Geld bloß auf dem Konto oder Sparbuch liegen lässt. Dies ist an sich eine positive Nachricht für Anleger.

stephanwitt 

Stephan Witt

FiNUM.Private

Finance AG

 

Natürlich entwickelt sich nicht jede Assetklasse gleich. Anleihen werden in deflationären Zeiten tendenziell gewinnen, da ältere Wertpapiere noch höhere Zinsen bieten, als neu emittierte. Diese höheren Kuponzahlungen führen zu einem besseren Kurs des Wertpapiers. Außerdem bleibt der Nennwert über die Laufzeit fix, und da das Geld immer wertvoller wird, gilt dies auch für die Anleihe. Wird dann der Nennwert zurückgezahlt, erhält man real mehr, als man damals investiert hat. Trotzdem sollten Anleger das Zinsniveau im Auge behalten: Steigen die Zinsen wieder, verliert die Anleihe an Wert.

Aktien werden durch ihre Dividende kurzfristig sehr interessant. Dadurch steigt der Kurs. Auf lange Sicht gesehen muss der Sparer beachten, dass aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit der Konsum sinken wird. Diese fallende Nachfrage wirkt sich schlecht auf die Unternehmen aus, wodurch Aktienkurse auf Dauer eher fallen werden. Anleger sollten sich also eher auf Gesellschaften fokussieren, die ihren Gewinn hauptsächlich in Regionen mit geringer Deflation erwirtschaften.

Auch Immobilien haben eher schlechte Karten. Da Geld immer wertvoller wird, Immobilien aber auf der Stelle treten, ist es für Anleger interessanter, eher auf Geldwerte zu setzen. Zwar generieren Hauseigentümer eventuell Mieteinnahmen, aber auch die fallen bei einer Deflation, sodass kaum ein Gewinn übrig bleiben wird. Immobilien bleiben also weiterhin ein Inflationsschutz.

Wie sieht es beim Gold aus? Das Edelmetall ist zwar ein Sachwert, also eigentlich nicht zu empfehlen, allerdings ist die große Schwäche des Goldes (nämlich, dass es keinen Zinsertrag generiert) in deflationären Zeiten fast egalisiert, da es generell kaum Zinsen gibt. Außerdem kostet es fast nichts, Goldbestände mit Fremdmitteln zu finanzieren. Dies wirkt sich positiv auf den Goldpreis aus. Dennoch gibt es bei einer Deflation generell wenig Nachfrage, sodass man die Entwicklung des Goldpreises nicht überschätzen sollte.

Anleger sind also mit einer Mischung aus Anleihen, Gold und Aktien gut beraten. Auch einen Teil des Vermögens auf dem Konto liegen zu lassen, kann sich trotz geringer Zinsen durchaus lohnen.

TEILEN
Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.