Dag Rodewald. Leiter Vertrieb UBS ETFs Deutschland und Österreich

Die Bedeutung nachhaltiger Investments wächst stetig: Bis zum Jahresende 2014 flossen laut Global Sustainable Investment Review rund 21,4 Billionen US-Dollar in sozial verantwortlichen Investments (SRI-Depots). Europa beweist sich in diesem Markt als Vorreiter mit einem Investitionsvolumen von 13 Billionen US-Dollar, gefolgt von den USA (6,5 Billionen US-Dollar). Ob sozial verantwortliche Investmentstrategien einen Mehrwert für Anleger bieten, wird dennoch häufig debattiert. Die im Rahmen eines aktuellen UBS ETF White Paper durchgeführte SRI-Studie geht dieser Hypothese nach und prüft, ob ein auf nachhaltige Faktoren ausgerichtetes Screening das Portfolio aufwertet.

SRI-Studie: Methodik und Analysezeitraum

Die Analyse beschränkt sich dabei auf drei Aspekte: Zunächst wird die risikobereinigte Performance verglichen. Die zweite Methode nutzt einfache sowie erweiterte Regressionsmodelle. Dabei wurde untersucht, inwiefern systematische Aktienmarkt-Risikofaktoren die Performance sozial verantwortlicher Investments lenken. Eine dritte Methode prüft schließlich anhand der Portfolio-Bewertungen die Auswirkungen des Markt-Sentiments auf die gegenseitige Abhängigkeit zwischen SRI-Portfolios und konventionellen Investments.

Fokus der Studie ist eine Datenstichprobe von SRI-Aktien- und Anleihen-Portfolios aus unterschiedlichen Regionen. Diese wurden im Zeitraum von Oktober 2007 bis März 2016 täglich gescreent. Das Ziel: Die Vorteile sozial verantwortlicher Investments anhand langfristiger Renditedaten aufzeigen. Für die Prüfung der aufgestellten Hypothese ist besonders der Beispielzeitraum relevant, da dieser eine Anzahl schwerwiegender Marktkorrekturen beinhaltet. Darunter die Finanz- und europäische Staatsschuldenkrise sowie die Auswirkungen massiver Eingriffe der Zentralbanken. Die Analyse beschränkt sich auf vollkommen regelbasierte, transparente SRI-gescreente Portfolios, die mithilfe von Lösungen zur Indexabbildung ohne Probleme dem Anlageuniversum hinzugefügt werden können. So kann geprüft werden, ob ein isolierter SRI-Screeningprozess einen Mehrwert für Portfolios bietet.

Vergleichbare Wertentwicklung zu konventionellen Portfolios

Nach ausführlicher Recherche kommt die SRI-Studie zu einem Kernergebnis: Zwischen SRI-Portfolios und konventionellen Portfolios bestehen keine großen Renditeunterschiede. Hinweise, dass sich Anleger auf eine niedrigere Rendite und höheres Risiko einstellen müssen, gibt es ebenfalls nicht. Die Studie zeigt: Ein sozial verantwortliches Engagement liefert solide Ertrags- und Risikoergebnisse – Anleger können gegenüber konventionellen Portfolios sogar höhere risikobereinigte Renditelevel erwarten. So zeigt die Statistik der Referenzperiode, dass die durchschnittliche Rendite für SRI-Portfolios grundsätzlich höher ausfiel als bei Engagements ohne SRI-Screening. Dies zeigt sich beim Vergleich zum eingegangenen Risiko: SRI investments in Schwellenländern zeigen das beste Rendite-Risiko Verhältnis, dicht gefolgt von Grossbritannien. Lediglich für den US Markt scheinen sich SRI investitionen nicht von konventionellen portfolios abzuheben. Auch bei Anleiheinvestitionen zeigt der Fokus auf SRI, dass damit auf risikoadjustierter Basis Mehrwert entsteht. Damit bestätigt das Ergebnis frühere Untersuchungen, in denen das SRI Investitionen dank weniger Risiko besser abschneiden. nur unwesentlich von Null abweicht.

Wie sieht es mit einem SRI Alpha aus?

Mittels einer erweiterten Regressionsanalyse kommt die Studie zum Schluss, dass SRI-Portfolios nur geringfügig positive Alphas erwirtschaften. Das verdeutlichen die beiden zur Analyse herangezogenen Regressionsmodelle, welche die erzielten Überrenditen einerseits um das Marktrisiko und zusätzlich um die bekannten Faktorrenditen korrigieren. Auch hier verdeutlichen die Resultate, dass SRI Portfolios nicht in erster Linie ein Alpha generieren, sondern eher das Risiko zum Markt reduzieren, somit also kleinere Betas aufweisen. Das Ergebnis trifft auch bei der Berücksichtigung von Preisindizes zu, beispielsweise wenn Dividenden nicht reinvestiert werden. Das bedeutet: Selbst für den Fall, dass nicht-SRI konforme Unternehmen ihr Leistungsversprechen an Aktionäre und potenzielle Investoren mit Hilfe steigender Dividendenausschüttungen ausgleichen, erbringen auf SRI geprüfte Portfolios den gleichen Kapitalertrag bei geringerem Risikolevel. Der Vorteil des SRI Screenings bleibt somit erhalten. Zwischen der durchschnittlichen Performance von sozial verantwortlichen Investments und konventionellen Portfolios besteht folglich kein Unterschied.

Gastautor: Dag Rodewald, Leiter Vertrieb UBS ETFs Deutschland und Österreich

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.