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Strategien – Investieren mit Plan

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Wer langfristig und berechenbar investieren will, braucht einen Plan und eine Strategie. Dabei geht es nicht immer nur um höhere Renditen, sondern auch um Sicherheit und Berechenbarkeit. Wir stellen in unserer Reihe Anlagestrategien Möglichkeiten zur Optimierung eines ETF-Investments vor.

Teil 4: Core-Satellite – Solide Kernanlage mit Booster

Durch eine geschickte Kombination verschiedener Investments ermöglicht die Core-Satellite-Strategie hohe Gewinnchancen bei insgesamt solidem Sicherheitsprofil. Für das Zusammenspiel von Sicherheit und Renditetreibern sind ETFs besonders gut geeignet.

Risiko und Gewinnchancen lassen sich durch die Core-Satellite-Strategie mit Sicherheit und Grundrendite verbinden. Dabei wird das gesamte Portfolio in einen Kernbereich, den Core, und verschiedene Satelliten aufgegliedert. Breit gestreut und mit soliden Werten sorgt das Kernportfolio zuverlässig für einen langfristigen und stabilen Ertrag, während die Satelliten zusätzlich als Renditetreiber bei etwas höherem Risiko beigemischt werden. Der Core-Satellite- Ansatz schafft somit eine Trennung zwischen dem Kern, der berechenbar die Grundrendite erwirtschaftet, und der Beimischung, die flexibel eingesetzt wird, um Überrenditen zu erzielen.

Risikostreuung

Bei der Core-Satellite-Strategie geht es darum, ein insgesamt zuverlässiges und zugleich flexibles Investment zu ermöglichen, bei dem das Risiko weitgehend reduziert ist. Aus diesem Grund sollte der Kernbereich als solide Grundlage breit diversifiziert sein – mit risikoarmen Anlageinstrumenten. ETFs eignen sich hierfür besonders. Mit ihnen kann sich der Anleger problemlos und günstig einzelne Märkte in seinen Kern holen. Das Angebot ist mittlerweile groß. Für eine robuste Langfristanlage eignen sich die großen Standardwerteindizes wie DAX oder STOXX ebenso wie ETFs auf Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefe oder Währungen. Der Vorteil verschiedener ETFs: Je weniger die einzelnen Positionen miteinander korrelieren, desto besser. Mehrere verschiedene Assetklassen erhöhen zudem den Effekt einer optimalen Diversifikation. Entsprechend der Lehre des Begründers der Portfoliotheorie und Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz ist sie nämlich die Grundlage für ein „effizientes Portfolio“, das bei gleichen Renditechancen weniger Risiko aufweist.

Flexibel mit ETFs

Dies gilt im Wesentlichen auch für die Satelliten. Also den Bereich des Investments, der als Spielraum gedacht ist, um mit etwas risikoreicheren Strategien höhere Renditen zu erzielen. Hier sind die Anlagen oft auch auf kürzere Zeiträume ausgelegt und weichen naturgemäß vom Risiko-Rendite-Profil des Kerninvestments ab. Einige Anleger setzen im Satellitenbereich zusätzlich zu ETFs auf aktiv gemanagte Einzelwerte. Die höheren Kosten hierfür relativieren sich dann durch das vorwiegend aus günstigen ETFs bestehende Gesamtportfolio. Jedoch bietet das breite Spektrum an ETFs genügend Möglichkeiten, auf aktuell vielversprechende Indizes oder exotische Märkte zu setzen. Sie lassen sich schnell und kostengünstig in ein Satellitenportfolio integrieren.

Beratung tut not

Mit dem Kerninvestment den Markt eins zu eins abbilden und mit den Satelliten den Markt schlagen – diesen Core-Satellite-Ansatz verfolgen bereits die meisten institutionellen Anleger. Der breite Spielraum, den diese Strategie bietet, erfordert beim Privatanleger jedoch eingehende Beratung, wie der Honorarberater und ETF-Experte Davor Horvat von der Karlsruher Aventus Finance weiß: „Etliche Kunden haben zu Anfang mutige Vorstellungen, die sich mit der Portfoliotheorie nicht vereinbaren lassen, und viele denken, ETFs seien völlig risikofrei. Die meisten aber kennen ETFs gar nicht. Wir müssen zuerst das persönliche Risiko- Rendite-Profil herausarbeiten, um dann das geeignete Portfolio zusammenzustellen.“

Individuelles Portfolio

Je nach Anlegertyp wird dann ein Portfolio erarbeitet, das entweder mehr ausgewogen, konservativ oder dynamisch ist. „Die deutschen Anleger sind eher weniger risikofreudig“, sagt Horvat und nennt Anlagebeispiele: „Hier empfehlen sich beim Kerninvestment etwa Pfandbriefe, zum Beispiel über den Lyxor ETF Covered Bond, oder Unternehmensanleihen über den Corporate Bond ETF von iShares. Für die Satelliten käme ein Weltindex infrage wie zum Beispiel der ETF von iShares auf den MSCI World Index, dann Rohstoffe und einige Schwellenländer.“ Spezielle Kundenwünsche gerade von mehr risikofreudigen Anlegern finden sich zumeist in den Satelliten wieder.

Langfristig planen

Bei einigen ETFs ist allerdings damit zu rechnen, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder herausgenommen werden müssen. „Wenn die Verlust-Schmerzgrenze, die der Kunde festgelegt hat, beispielsweise mit 10 oder 15 Prozent Minus überschritten wird, reden wir mit ihm und schichten um. Das betrifft aber nur den Satellitenbereich“, sagt Horvat. Die Transaktionskosten sind bei Aventus übrigens in der Honorarpauschale enthalten. Der Wechselbedarf ist nach seiner Erfahrung jedoch eher selten. „Wir raten zu einem Anlagehorizont auf lange Sicht, denn der Core-Satellite-Ansatz ist insgesamt eine Buy-and-hold-Strategie.“ Entsprechend sieht er auch Short-Produkte als weniger passend.

Typische ETF-Strategie

Bei der Zusammenstellung eines Portfolios hält Davor Horvat bis zu zehn ETFs für eine überschaubare Größe. „Mehr macht meist keinen Sinn“, fügt er hinzu. In der Gewichtung sollte der Kern, mit bis zu sechs verschiedenen ETFs, zwischen 50 und 70 Prozent des gesamten Investments ausmachen. Der Rest entfällt auf die Satelliten. ETFs sind gerade wegen der niedrigen Kosten die ideale Anlageform für eine Core-Satellite-Strategie. Die durchschnittlichen Renditeerwartungen – bis zu fünf Prozent konservativ, bis zu sieben Prozent ausgewogen und bis zu zehn Prozent gewinnorientiert – sind langfristig auch deshalb möglich, weil ETFs lediglich zwischen 0,1 und 0,75 Prozent pro Jahr kosten. So jedenfalls die Erfahrungswerte von Horvat. „Ein gemanagter Fonds würde bis zu zweieinhalb Prozent kosten“, sagt er. „Das geht notfalls noch mit einzelnen Satelliten. Aber eine ganze Core-Satellite- Strategie könnte man so nicht darstellen.“

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