Die Sutor.Bank untersuchte in einer Studie die Chancen und Risiken von 17 WM-Teilnehmern hinsichtlich des fußballerischen Erfolgs sowie der Anlegerchancen an den jeweiligen Kapitalmärkten.

Wer wird Fußball-Weltmeister 2018? Diese Frage bewegt die Gemüter spätestens ab dem morgigen 14. Juni, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt. Ein Blick auf die FIFA-Weltrangliste hilft bei der Beantwortung dieser Frage durchaus weiter, wie eine Analyse der Hamburger Sutor Bank ergab. Beim Thema Geldanlage geht es in ähnlicher Weise um eine Zukunftsfrage, nämlich welche Aktienmärkte wohl die beste Performance haben werden. Die Analyse der Sutor Bank zeigt, dass es deutlich einfacher ist, den nächsten Fußball-Weltmeister vorherzusagen als die Entwicklung an den Kapitalmärkten.

Auswahl von 17 Nationen der Fußball-Weltmeisterschaft nach Bedeutung in FIFA-Weltrangliste und am Kapitalmarkt

Für die Auswertung hat die Sutor Bank 17 Nationen ausgewählt, die einerseits in der FIFA-Weltrangliste erscheinen, andererseits auf dem Weltkapitalmarkt eine wichtige Rolle spielen. Darunter sind alle Weltmeister der letzten 60 Jahre, die acht besten der aktuellen Weltrangliste, aber auch Länder, deren Mannschaften sich nicht für die WM 2018 qualifiziert haben wie Italien, die Niederlande, Südafrika oder China. Diese sind dabei, weil sie für ihre Kontinente börsenmäßig von großer Bedeutung sind. Im Gegenzug fallen fußballerisch talentierte und WM-qualifizierte Nationen wie Peru (11. Platz Weltrangliste), Tunesien (14.) oder Kroatien (18.) heraus, da diese nur im Fußball bedeutsam sind, nicht aber an der Börse. Aus Gründen der Vereinfachung wurde das wirtschaftliche Großbritannien mit dem fußballerischen England gleichgesetzt. Aufgrund der Datenzugänglichkeit wurde der Zeitraum ab 1995 bis Ende 2017 gewählt.

„Unsere Performance-Rangliste basiert auf der relativen Performance, um ein Ranking zu ermöglichen. Währungseffekten begegnen wir, indem wir eine Vergleichswährung zugrunde legen“, sagt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung bei der Sutor Bank.

Erkenntnis 1: Börsen und FIFA-Weltrangliste korrelieren nicht

Eine Erkenntnis des Vergleiches ist, dass die Position eines Landes in der FIFA-Weltrangliste keinen Einfluss auf den Kapitalmarkt des Landes hat. „Die Nationalkicker können noch so erfolgreich spielen und jeden Titel holen – die Börsen lassen sich davon in keiner Weise beeindrucken“, erklärt Lutz Neumann. So war beispielsweise Spanien Ende 2010 als Weltmeister Tabellenführer der FIFA-Rangliste und zugleich Letzter im hier dargestellten Performance-Ranking der Aktienmärkte. Bei China verhielt es sich 2006 genau andersherum: Das Land war Sieger unter den Aktienmärkten und zugleich Tabellenletzter dieses FIFA-Rankings.

Erkenntnis 2: Berechenbare Konstanz (FIFA-Weltrangliste) vs. Durcheinander (Aktienmärkte)

Die grafische Darstellung zeigt, dass sich bei der Börsen-Performance keine Systematik erkennen lässt. „Die Länderbörsen fahren Fahrstuhl, es geht ständig auf und ab. Eindeutige Gewinner oder Verlierer gibt es nicht. In der FIFA-Weltrangliste hingegen geht es deutlich ruhiger und konstanter zu“, sagt Lutz Neumann.

Die Konstanz der FIFA-Weltrangliste liegt daran, dass ihr ein ausgeklügelter Berechnungs­modus zugrunde liegt, der die Leistungen eines längeren Zeitraums mit einbezieht. Gewertet werden alle Spiele der A-Nationalmannschaften aus den letzten vier Jahren, wobei Spielergebnis, Wichtigkeit des Spiels, Stärke des Gegners (nach FIFA-Rangliste) und Stärke des Kontinentalverbandes berücksichtigt werden. „Dieser Modus sorgt dafür, dass rabiate Abstürze in der Tabelle vermieden werden – anders als an den Börsen“, sagt Lutz Neumann.

„Blickt man auf die Aktienmärkte, so fällt auf, dass diese permanent stark in Bewegung und damit unberechenbar sind. Steile Aufstiege und rasche Abstürze im Performance-Ranking sind fast an der Tagesordnung“, ergänzt Lutz Neumann. Beispiel: Russland war 1997 Performance-Sieger, im Jahr darauf Schlusslicht, 1999 wieder Erster und danach Vorletzter. Oder Dänemark: Dänemark war in 23 Jahren nur einmal Erster (2015) und im Folgejahr Letzter, ansonsten ging es im Mittelfeld auf und ab. Und dennoch geht Dänemark im gesamten Beobachtungszeitraum (1995-2017) mit einer durchschnittlichen Rendite von 13,1 Prozent pro Jahr als Performance-Sieger vor Russland (10,95 Prozent) den USA (10,37 Prozent), Spanien (9,92 Prozent) und der Schweiz (9,90 Prozent) ins Ziel. Deutschland liegt mit einer jährlichen Durchschnittsperformance von 8,29 Prozent im Mittelfeld (10. Platz), Schlusslicht ist Japan mit gerade einmal 1,82 Prozent.

Übersicht: Durchschnittliche jährliche Rendite der Aktienmärkte im Zeitraum 1995-2017

1.         Dänemark      13,10 %

2.         Russland         10,95 %

3.         USA                10,37 %

4.         Spanien            9,92 %

5.         Schweiz            9,90 %

6.         Brasilien            8,98 %

7.         Niederlande      8,81 %

8.         Argentinien       8,64 %

9.         Frankreich        8,40 %

10.       Deutschland     8,29 %

11.       Südafrika          8,07 %

12.       Belgien              7,79 %

13.       England            7,07 %

14.       Italien                5,15 %

15.       China                3,87 %

16.       Portugal            3,86 %

17.       Japan                1,82 %

Quelle: Sutor Bank, eigene Zusammenstellung

Die Ungerechtigkeit des FIFA-Berechnungsmodus: Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft benachteiligt

Seit Einführung der FIFA-Weltrangliste 1993 wurde der Berechnungsmodus mehrfach geän­dert, um eine größtmögliche Gerechtigkeit zu erzielen. Dass das heute immer noch nicht ganz gelungen ist, zeigt sich an der offensichtlichen Benachteiligung der Gastgeberländer. Der Gastgeber eines Turniers ist direkt qualifiziert und muss in den Jahren davor keine Qualifikationsspiele absolvieren – dadurch stürzt er aber in der Rangliste ab, da ihm diese Spiele in der Wertung fehlen. So fiel Deutschland nach der EM 2004 als Gastgeber der WM 2006 um 10 Plätze auf Rang 22. Da die FIFA-Weltrangliste die Grundlage für die Lostöpfe bei der Auslosung der nächsten WM-Qualifikationsrunde ist, sind dann schwerere Gegner zu erwarten. Schon jetzt Weltmeister beim „Austricksen“ der Weltrangliste ist Polen. Polen gelang es in den letzten drei Jahren, durch die perfekte (und gezielte) Auswahl der ranglistenrelevan­ten Gegner, von Ranglistenplatz 70 auf Platz 6 zu klettern. Vorteil: Bei der WM 2018 wurden Polen als „Gruppenkopf“ vermeintlich leichtere Gegner zugelost.

Wer wird Weltmeister? Statistik und Wahrscheinlichkeit sprechen für Argentinien
Wie kommt man nun zu einem sicheren Weltmeistertipp? „Das ist eine Frage von Statistik und Wahrscheinlichkeit“, meint Lutz Neumann. „Deutschland wird es nicht, da überhaupt nur einmal der FIFA-Weltranglistenerste im darauffolgenden Jahr auch Weltmeister wurde, nämlich Spanien 2010. Wahrscheinlicher ist ein anderer Weltmeister aus der Spitzengruppe des Vorjahres. Auch konnte seit 1962 kein Weltmeister seinen Titel beim nächsten Turnier verteidigen.“

Was das Tippen vereinfacht: Der Weltmeister kommt immer aus den Top 10 der Weltrangliste. Noch ein Hinweis für die Prognose: In den 19 Turnieren seit 1934 war immer Brasilien oder Deutschland unter den ersten Drei – Deutschland zwölfmal (4x Weltmeister, 4x Zweiter, 4x Dritter) und Brasilien neunmal (5x Weltmeister, 2x Zweiter, 2x Dritter). „Portugal mit Ronaldo ist mit dem Europameistertitel bestens versorgt, Belgien ist keine Turniermannschaft, Brasilien leidet noch unter den 1:7-Nachwehen und Messi will seine letzte Chance nutzen, um Weltmeister zu werden. Damit steht der neue Weltmeister eigentlich schon fest: Argentinien“, sagt Lutz Neumann. „Die Analyse zeigt, dass Fußball prinzipiell viel leichter vorherzusagen ist als die Kapitalmärkte – obwohl es ein Spiel ist. Aber zum Glück ist es ein Spiel, das trotz aller Statistik immer wieder für eine Überraschung gut ist.“

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.