Mit dem "Plus-Depot" der Targobank erhalten Kunden ab Juli 2016 auch eine Beratung in puncto ETFs.

ETFs werden auch bei Privatanlegern immer beliebter. Davon profitieren derzeit vor allem ETF-Sparplanangebote sowie die Oferten der Robo Advisor. Bei einer klassischen Bankberatung spielen ETFs hingegen bisher aufgrund fehlender Provisionen keine Rolle. Mit dem „Plus-Depot“ der Targobank ( Zum Testbericht) ändert sich dies. Das könnte die Bankberatung insgesamt revolutionieren.

Anders als in den USA setzen in Deutschland noch vor allem Institutionelle Anleger auf ETFs. Aber auch Privatanleger entdecken inzwischen verstärkt diese Finanzinstrument für sich. Zu offensichtlich sind die Vorteile von ETFs: eine erhebliche Kostenersparnis aufgrund wegfallender Ausgabeaufschläge und wesentlich niedrigerer Verwaltungsgebühren, eine hohe Transparenz sowie eine börsentägliche Handelbarkeit – und das bei gleicher Sicherheit wie bei aktiv gemanagten Fonds, da auch sie ein Sondervermögen bilden, auf das im Insolvenzfall von Gläubigern nicht zurückgegriffen werden kann.

ETF-Sparplanangebot wächst rasant

Die erhöhte Nachfrage zeigt sich vor allem bei den Direktbanken, die schon seit Jahren auf kostenlose Sparplanangebote setzen. So waren laut dem ETF-Retail-Marktreport des EXtra-Magazin Ende Mai 8,25 Mrd. EUR in Sparplänen investiert. Die Anzahl der ETF-Sparpläne stieg im Berichtszeitraum gegenüber dem Vormonat um 3,57 Prozent. Damit werden nun Monat für Monat über 253.411 ETF-Sparpläne ausgeführt. Allein im Mai lag das Sparvolumen über solche Sparpläne bei 37,64 Mio. EUR.

Druck auf Banken wächst

Immer beliebter werden in Deutschland auch sogenannte Robo Advisor, d.h. Online-Vermögensverwalter, die allgorithmengesteuert die Anlagevorlieben der Investoren abfragen und sie dann entsprechend ihrem so ermittelten Risikoprofil auf bestimmte ETF-Anlagelösungen lenken. Das EXtra-Magazin stellte zahlreiche dieser Angebote bereits schon vor. (Hier auch der Robo Advisor-Test). Hinzu kommen die immer zahlreicheren ETF-Anlageösungen der verschiedensten Anbieter.

Provisionsgeschäft der Banken verhindert bisher noch ETF-Beratung

Anleger, die hingegen auf eine individuelle Beratung setzen, werden wohl kaum mit dem Thema ETF in Berührung gekommen sein. Man musste schon direkt auf den Bankberater zugehen und ihn aktiv ansprechen, so dass das Produkt dann bei Entrichtung einer entsprechenden Ordergebühr ins Depot eingebucht wurde. Ein akive Einbeziehung der kostengünstigeren Alternative ETF erfolgte aber bewusst nicht, denn anders als bei aktiven Fonds sind hieran keine Provisionen zu verdienen. Doch der Druck auf die Banken steigt stetig, immer öfter wird das Thema ETFs von Anlegern angesprochen, so dass sich Banken nicht mehr dem Thema verschließen können. Hinzu kommt die ab 2018 in Kraft tretende MIFID II-Regelung, welche das Provisionsgeschäft der Banken deutlich einschränken dürfte.

Targobank mit neuem ETF-Beratungskonzept „Plus-Depot“

Die Targobank ( Zum Testbericht) ist nun die erste große Filialbank, welche ab Juli 2016 mit dem „Plus-Depot“ ganz eigene Wege geht, das die Bankberatung in Deutschland revolutionieren könnte. Hierbei erfolgt nach Abklärung der persönlichen Anlagevorlieben ein umfängliche provisions- und emittentenunabhängige Beratung nach dem Vorbild von Honorarberatern. Zur Auswahl stehen dabei über 6.000 aktiv gemanagte Investmentfonds und mehr als 2.000 ETFs. Der Bankberater hilft dabei bei der Auswahl. Ausgabeaufschläge oder Ordergebühren fallen weg, dafür fällt ein vom Depotvolumen abhängiges jährliches Entgelt (Volumenentgelt) an in Höhe von etwas mehr als einem Prozent an. Und da es sich um ein jährliches Entgelt handelt, profitiert der Anleger auf Wunsch von einer stetigen Depotkontrolle. Das macht auch Sinn. Denn das Marktumfeld ändert sich und auch die Asset-Allokation ändert sich infolge der ungleichmäßigen Entwicklung der verschiedenen Anlageklassen. Sehr schnell entspricht dann das Depot nicht mehr dem anfang ermittelten Risikoprofil. So bietet die Targobank in Kooperation mit der FERI EuroRating Services AG einen kostenlosen quartalsmäßigen Depotcheck. Jährlich kann man dann das „Plus-Depot“ beispielsweise für ein Rebalancing kostenlos umschichten. Hinzu gibt es als Schnaps obendrauf 50 Free Trades pro Jahr, so dass der Anleger unabhängig davon noch Positionen nach eigenem Gusto aufstocken kann.

„Die Erfahrungen mit dem „Plus-Depot“ waren in der vorangegangene Testphase gut“, berichtet Axel Bäumer, Pressesprecher der Targobank gegenüber dem EXtra-Magazin“. So testete die Targobank das Angebot von „Plus-Depot“ bereits seit Februar dieses Jahres in München, Berlin, Aachen und Braunschweig.

Sollte sich das Konzept der Targobank bewähren, dürften auch andere Banken hierbei nachziehen – und das spätestens mit Einführung von MiFID II im Jahr 2018 mit Einschränkungen des Provisionsgeschäfts.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.