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Trendwende bei Rohstoff-ETPs: Anlageklasse verzeichnet wieder Zuflüsse

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Im ersten Quartal 2014 haben Investoren ihre Positionen in Rohstoff-ETPs nach vier Quartalen mit Nettomittelabflüssen wieder ausgebaut.

Zudem legten die Rohstoffpreise gemessen am DJ-UBS Commodity Index in den ersten drei Monaten des Jahres um sieben Prozent zu. Dadurch stieg das weltweit in Rohstoff-ETPs verwaltete Vermögen von 122,1 Milliarden Ende 2013 auf 122,4 Milliarden US-Dollar zum Ende des Quartals an. Der Großteil der Zuflüsse war bei Edelmetallen, Agrarrohstoffen und Industriemetallen zu beobachten. Die meisten neuen Mittel verzeichneten Silber-ETPs, da einige Investoren in Silber einen Hebel auf den verbesserten Goldpreis sehen.

Foto Nicholas Brooks 
Nicolas Brooks
Leiter Research und
Investmentstrategie
bei ETF Securities

„Nach weiteren Verkäufen im Januar hat sich die Nachfrage nach Gold-ETPs im Februar und März deutlich erholt, da Investoren weniger optimistisch auf die Konjunktur in den USA geblickt und verstärkt globale Risiken einkalkuliert haben. Auch breite Rohstoffkörbe verzeichneten wieder Zuflüsse, da die Anlageklasse als Alternative zu den hoch bewerteten Aktienmärkten der Industrieländer genutzt wurde“, sagt Nicholas Brooks, Leiter Research und Investmentstrategie bei ETF Securities, und ergänzt: „Platin-ETPs erlebten starke Zuflüsse, da anhaltende Streiks in Südafrika Angebotssorgen geschürt haben. Bei ETPs auf Kaffee und Erdgas haben Investoren dagegen in großem Umfang Gewinne mitgenommen. Denn die Preise beider Rohstoffe stiegen infolge wetterbedingter Angebotsprobleme zwischenzeitlich enorm an. Auch aus Öl-ETPs haben Investoren erhebliche Mittel abgezogen, nachdem der Preis für WTI-Öl aufgrund der hohen Nachfrage nach Ölprodukten zu Beginn des Jahres deutlich angezogen hatte.“

Die wichtigsten Trends bei den Rohstoff-ETPs im ersten Quartal 2014

  • Rohstoff-ETPs verzeichnen nach einem Jahr wieder Nettomittelzuflüsse über den Zeitraum eines Quartals. Die erstmaligen Zuflüsse seit dem vierten Quartal 2012 betrugen 271 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig verteuerten sich die Rohstoffpreise gemessen am DJ-UBS Index um sieben Prozent. Das weltweit in Rohstoff-ETPs verwaltete Vermögen ist so von 122,1 auf 122,4 Milliarden US-Dollar bis Ende des ersten Quartals 2014 angewachsen.
  • Silber-ETPs verbuchen mit 354 Millionen US-Dollar die höchsten Zuflüsse. Silber war einer der wenigen Rohstoffen, bei denen in allen drei Monaten des ersten Quartals Zuflüsse zu beobachten waren. Bereits 2013 haben Investoren das Edelmetall stark nachgefragt. Offensichtlich betrachten die Anleger den Kurs von 20 US-Dollar pro Unze als einen günstigen Einstiegszeitpunkt. Denn Silber ist aktuell weniger als halb so teuer wie auf dem Höchststand 2011. Einige Investoren betrachten Silber auch als eine gehebelte Variante von Gold. So hat eine verbesserte Erwartung für den Goldpreis dazu geführt, dass Investoren ihre Positionen in Silber-ETPs ausgebaut haben.
  • Investoren haben Gold-ETPs im Februar und März stark nachgefragt, als sie zunehmend globale Risiken wahrgenommen haben. Gold-ETPs wurden im Februar und März stärker als alle anderen Rohstoff-ETPs nachgefragt und verzeichneten Mittelzuflüsse von 322 Millionen US-Dollar bzw. 536 Millionen US-Dollar. Allerdings zogen die Investoren im Januar 946 Millionen US-Dollar aus den Gold-ETPs ab. Über das ganze Quartal verzeichneten die Gold-ETPs so Mittelabflüsse in Höhe von 88 Millionen US-Dollar. Mehrere Faktoren haben die Investoren dazu bewegt, im Februar und März eine positivere Haltung zu Gold einzunehmen. Erstens haben sie ihre hohen Wachstumserwartungen für die US-Wirtschaft zurückgenommen, nachdem schwächere Wirtschaftsdaten bekannt wurden. Zweitens sehen sie nun wieder größere Risiken für die weltweite Wirtschaftsentwicklung und politische Unsicherheiten, da mehrere Emerging Markets politische und finanzielle Unruhen erlebt haben. Schließlich hat die Annexion der Krim durch Russland und die andauernde Sorge vor einem größeren Konflikt in der Ukraine Investoren dazu veranlasst, Gold als Versicherung gegen unvorhergesehene negative politische und wirtschaftliche Entwicklungen dem Portfolio hinzuzufügen.
  • Die Nachfrage nach Platin-ETPs ist groß, da sich Investoren um das Angebot aus Südafrika Sorgen machen. Ein ausgeweiteter Streik in Südafrika, wo mehr als 70 Prozent des weltweiten Platinangebots gefördert wird, nährt die Sorgen um Angebotsdefizite in diesem Jahr. Die Folge: Der Preis für Platin ist gestiegen und Investoren bauen ihre Positionen in dem Edelmetall aus. Da es nur wenige Anzeichen für ein schnelles Ende des Streiks gibt, erscheinen weitere Preisanstiege und Zuflüsse als wahrscheinlich.
  • ETPs auf breite Rohstoffkörbe verzeichneten hohe Mittelzuflüsse, da der Anteil von Rohstoffen in Portfolios ausgebaut wird. Breit diversifizierte Rohstoffkörbe erlebten mit Nettomittelzuflüssen von 324 bzw. 186 Millionen US-Dollar im Februar und März die höchsten Zuflüsse nach Silber- und Gold-ETPs. Trotz dieser starken Zuflüsse stehen für das Quartal Nettomittelabflüsse von 173 Millionen US-Dollar, da Investoren im Januar 683 Millionen US-Dollar aus den Produkten abzogen. Das Interesse der Investoren an den ETPs auf breit diversifizierte Rohstoffkörbe ist stark gestiegen und deutet darauf hin, dass Rohstoffe weltweit in der Asset-Allocation wieder stärker berücksichtigt werden. Denn die Rohstoffpreise notierten Ende 2013 weit unter ihren Höchstständen von vor drei Jahren, während die Bewertungen an den entwickelten Aktienmärkten bereits weiter vorangeschritten sind. Viele Investoren haben offenbar daher in den vergangenen zwei Monaten ihre Positionen in Rohstoffe wieder ausgebaut. Da China zuletzt ein weiteres Konjunkturprogramm angekündigt hat und seine lockere Geldpolitik wahrscheinlich fortsetzt, kann sich das Umschichten in Rohstoffe noch beschleunigen, sofern sich die wirtschaftliche Erholung der USA fortsetzt.
  • Preiserholungen bei Agrarrohstoffen wecken Interesse der Investoren. ETPs auf Agrarrohstoffe haben im ersten Quartal 2014 ein starkes Interesse seitens der Investoren gefunden. Die Mittelzuflüsse in ETPs auf Agrarrohstoffe betrugen 217 Millionen US-Dollar. Die höchsten Mittelzuflüsse (182 Millionen US-Dollar) entfielen auf ETPs auf breit diversifizierte Agrarrohstoffe. Dies deutet darauf hin, dass Investoren vor allem breit diversifizierte Positionen in diesem Bereich einnehmen wollen, statt taktisch auf einzelne Rohstoffe zu setzen. Unter den einzelnen Agrarrohstoffen haben die Investoren insbesondere ETPs auf Mais nachgefragt, denen im Quartal Mittel in Höhe von 109 Millionen US-Dollar zuflossen.
  • Nach dem starken Anstieg der Preise für Arabica-Kaffee nehmen Investoren ihre Gewinne mit und verkaufen ETPs auf Kaffee. 2013 hatten die ETPs auf Arabica-Kaffee noch Rekordzuflüsse erzielt, als die Kaffee-Preise auf den niedrigsten Stand in sieben Jahren fielen. Im Februar und März verkauften Investoren Kaffee-ETPs im Umfang von 264 Millionen US-Dollar, da der Preis für Arabica-Kaffee um 70 Prozent gestiegen ist. Zuletzt haben daher Short-Kaffee ETPs wachsendes Interesse der Investoren gefunden.
  • Der Preis für Henry Hub Erdgas stieg angesichts der kalten Witterung in den USA stark an, weshalb Investoren bei den ETPs auf Erdgas Gewinne mitgenommen haben. Der Handel von ETPs auf Erdgas wird üblicherweise durch Handelsspannen bestimmt. Dies war auch im ersten Quartal dieses Jahres so. Im zweiten Halbjahr 2013 haben noch Mittelzuflüsse überwogen, als sich der Spotpreis für Henry Hub Erdgas über längere Zeit nahe der Marke von 3,50 US-Dollar je MMBtu bewegte. Zu Beginn des neuen Jahres schnellte der Kurs jedoch in die Höhe und erreichte im März 2014 einen Höchststand von 7,98 US-Dollar je MMBtu, weshalb Investoren ihre Gewinne mitnahmen und allein im März 218 Millionen US-Dollar abzogen. Ähnlich wie bei Kaffee hat zuletzt das Interesse der Investoren an Short-ETPs auf Erdgas zugenommen. Aus ETPs auf Öl zogen Investoren im Januar hohe Mittel ab, nachdem der Ölpreis infolge der kalten Witterung in den USA und schwindender Ölvorräte stark angezogen hatte. Allerdings haben Investoren ihre Positionen gehalten, als sich die Kurse im Februar und März stabilisierten. Die Mittelflüsse bei den ETPs auf Öl haben sich daher stabilisiert.
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