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Tücken historischer Durchschnittsrenditen

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Die historische Durchschnittsrendite gibt oftmals ein statistisch verzerrtes Bild wieder. Und sie sagt nichts überden tatsächlichen individuellen Erfolg eines Fonds aus. Auch wenn mittlerweile weitestgehend bekannt ist, dass die historische Performance keinen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds hat, werden oft Vergangenheitsdaten herangezogen, um die Attraktivität bestimmter Märkte zu illustrieren.

Diese besonders in der Fondsbranche gerne verwendete Strategie besteht darin, für einen Index oder bestimmten Markt, zum Beispiel international anlegende Aktienfonds, für die Historie eine durchschnittliche Performance aller Fonds dieser Peergroup zu berechnen. Diese zeigt an, wie sich die Performance aller Fonds im Beobachtungszeitraum im Schnitt entwickelt hat. Hierfür wird die Rendite aller Fonds einer Kategorie gemessen, der Durchschnitt gebildet und anschließend annualisiert. Heraus kommt die Aussage (fiktives Beispiel), dass global anlegende Fonds eine durchschnittliche Jahresrendite von acht Prozent in 20 Jahren erwirtschaftet hätten.

Doch diese Angabe hat nicht nur mehrere Haken, sie ist auch statistisch verzerrt und irreführend. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

1. Diese durchschnittliche Rendite sagt nichts über den tatsächlichen, individuellen Erfolg aus.

2. Ausgabeaufschläge, Depotgebühren und sonstige Transaktionskosten werden meist nicht berücksichtigt.

3. Alle Fonds werden gleichgewichtet. Um eine Aussage darüber zu treffen, ob und um wieviel das Vermögen der Anleger tatsächlich gestiegen ist, müssten die Fonds gemäß ihrer Größe gewichtet werden.

4. Steuern werden nur unzureichend berücksichtigt.

Die durchschnittliche jährliche Rendite ist und bleibt nun einmal ein statistischer Wert. Sie sagt aber nichts über den tatsächlichen individuellen Erfolg aus.

Der Anleger kauft nicht den Durchschnitt. Vielmehr entscheidet er sich für einen oder mehrere Fonds. Diese wiederum können besser oder schlechter laufen als der Durchschnitt. Dieser Punkt vermag durch Glück oder Können vielleicht irrelevant sein. Jedoch sind die weiteren Faktoren nicht zu unterschätzen. Da ist z.B. die Tatsache, dass in diesen Berechnungen keine Ausgabeaufschläge und Depotgebühren mit berücksichtigt werden. Ein Ausgabeaufschlag stellt rechnerisch aber eine Verlust dar. Im obigen Beispiel würde ein Ausgabeaufschlag von fünf Prozent bei einer Anlage von 10.000 Euro zu einer Vermögensminderung von über 2.300 Euro (stetige Verzinsung unterstellt) führen. Und Depotgebühren mindern ebenfalls langfristig die Rendite, auch wenn sie gering erscheinen.

Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Anleger zwischenzeitlich umschichtet. Dies erhöht die Transaktionskosten weiter, im schlimmsten Fall könnte auch hier wieder ein Ausgabeaufschlag anfallen.

Die steuerliche Situation hat sich in den letzten zwanzig Jahren geändert. Es muss daher auch berücksichtigt werden, dass in solchen Berechnungen etwaige zukünftige Steuereffekte nicht berücksichtigt sein können.

Ein in der Literatur oft benanntes Phänomen ist der Survival Ship Bias. Hiermit ist gemeint, dass erfolglose Fonds oft geschlossen werden, was zu einer statistischen Verzerrung führt. Dies macht sich z.B. in exotischen Indizes stark bemerkbar.

Schlechte Fonds fallen heraus

Hedge-Fonds-Indizes etwa weisen oft eine erfolgreiche Historie auf. Vergessen wird aber, dass die schlechten Hedgefonds, bei denen Anleger ihr Geld nahezu komplett verloren haben, aus dem Index herausfliegen und somit ein verzerrtes Bild entsteht. Werden die schlechten Produkte herausgerechnet, muss zwangsläufig ein im Schnitt besseres Ergebnis herauskommen.

Schlussendlich taugt eine solche Berechnung nicht dazu, um eine Aussage darüber zu treffen, wie hoch die Wertentwicklung tatsächlich war.

So kann es zum Beispiel passieren, dass kleine Fonds besonders erfolgreich waren, während die großen Flaggschiffe aufgrund ihrer Unbeweglichkeit eine unterdurchschnittliche Rendite erwirtschaftet haben. Würde man in dieser Berechnung die Größe aber berücksichtigen, ergäben sich hier wahrscheinlich andere Werte.

 

Dieser Artikel wurde der Analysis Kompakt Nr. 07 von Scope entnommen.

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