Head of Lipper EMEA Research
Detlef Glow, Head of Lipper EMEA Research, Mutual Funds and ETF Industry Expert.

Einer der großen Vorteile von Exchange Traded Funds (ETFs) ist die, zumindest während der Handelszeiten, permanente Handelbarkeit von ETFs, also die Möglichkeit, die Fondsanteile jederzeit über die Börse oder aber auch außerbörslich (OTC = Over The Counter) kaufen oder verkaufen zu können. Aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten stellt sich für viele Investoren die Frage, ob jede Börse oder jeder Zeitpunkt gleichgut für den Kauf und Verkauf von ETFs geeignet ist.

Viele Faktoren bestimmen Handelbarkeit von ETFs

Wie so oft kann diese Frage nicht abschließend beantwortet werden, aber wer einige Grundregeln beachtet, kann bei den Gebühren für den Handel (Spread) mit ETFs sparen. Der Spread, der für eine ETF-Transaktion gezahlt werden muss, richtet sich im Allgemeinen nach der Komplexität des Index, der abgebildet wird, der Höhe des Ordervolumens sowie der Liquidität des nachgebildeten Index. Hinzu kommt noch der Zeitpunkt der Order, im Vergleich zur Handelszeit der Börse, an welcher der entsprechende Index gelistet ist. So ist der Spread für einen ETF auf den amerikanischen S&P 500 Index im europäischen Morgenhandel größer, als nach der Börsenöffnung in den USA. Genauso wie zum Beispiel ein ETF auf den deutschen Aktienindex DAX oder den europäischen Dow Jones Euro Stoxx 50 Index, einen geringeren Spread aufweisen sollte, als zum Beispiel ein ETF auf den MSCI World Index.

Der ETF ist so liquide wie der nachgebildete Index

Grundsätzlich kann zur Liquidität eines ETF gesagt werden, dass diese nicht höher sein kann, als die Liquidität des nachgebildeten Index (dem sogenannten Underlying). Da sich am Ende des Tages einer der beteiligten Marktteilnehmer mit den erforderlichen Einzeltiteln eindecken muß, kann die Liquidität des ETF somit nicht die Liquidität des Underlyings übersteigen. Allerdings sollten Investoren vor der Transaktion prüfen, ob diese im Rahmen der an der Börse zur Verfügung gestellten Liquidität liegt oder nicht. Ist eine Order zu groß, kann es passieren, das sich der vom Market Maker gestellte Spread ausweitet, oder die Order in mehreren kleinen Orders abgearbeitet wird, was dann bei Kauf in einem steigenden Markt, beziehungsweise Verkauf in einem fallenden Markt für den Investor teuer werden kann. Deshalb gilt gerade bei großen Orders, die Alternative des außerbörslichen Handels zu prüfen, da bei einer solchen Transaktion das Preisrisiko, aufgrund des zugesagten Preises, bei dem Händler liegt.

Art der Indexabbildung für Handelbarkeit von ETFs entscheidend

Ein weiteres Kriterium, das es bei ETF-Orders zu beachten gilt, ist die Art des ETFs. Während Fonds auf Standardindizes zu den üblichen Börsenöffnungszeiten in der Regel ohne besondere Aufschläge gehandelt werden können, macht es für einen europäischen Anleger zum Beispiel wenig Sinn, einen Fonds auf den US-Markt, vor Börseneröffnung in New York zu handeln, da sich der Händler in einem solchen Fall zu relativ hohen Kosten absichern muss, die er dann an den Investor weiter gibt. Auch kann es bei komplexeren Indexstrukturen wie zum Beispiel dem MSCI World oder MSCI Emerging Markets eine Alternative sein, die Order zum NAV-Schlusskurs zu platzieren. Zwar kennt der Anleger dann seinen Ausführungskurs nicht sofort, erspart sich aber im Gegenzug den Aufschlag aufgrund der Ordergröße und die Kosten für das Hedging der unterschiedlichen Währungen und Indizes, da sich der Market Maker in diesem Fall über den gesamten Tag hinweg mit den entsprechenden Titeln eindecken kann, ohne sich zusätzlich absichern zu müssen. Die allfällige Geld-Brief-Spanne sowie die entsprechenden Transaktionskosten sind natürlich auch in diesem Fall vom Investor zu zahlen.

Somit sollten Anleger, die Transaktionen in ETFs tätigen wollen, genau prüfen, welcher Transaktionsweg für den von Ihnen gewünschten Fonds und die entsprechende Ordergröße die günstigste Variante darstellt. Wie sagt schon eine alte Kaufmannsregel: „Der Gewinn liegt im Einkauf“.

Über den Autor:

Detlef Glow begann im Jahr 2005 als Leiter der Fondsanalyse für Deutschland und Österreich bei Thomson Reuters – Lipper. Anfang 2007 übernahm er die Leitung für die Regionen Zentral-, Nord und Osteuropa. Seit Oktober 2010 ist Detlef Glow Leiter der Fondsanalyse von Lipper in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Zuvor war er als Direktor Portfoliomanagement bei der Feri Wealth Management GmbH in Bad Homburg als Portfoliomanager für vermögende Privatkunden tätig. Seine Karriere begann Glow neun Jahre zuvor bei der Tecis Holding AG in Hamburg, wo er zuletzt als Leiter der Fondsanalyse für sowohl das quantitative als auch das qualitative Fondsresearch der tecis Asset Management AG verantwortlich war.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.