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Und sie lieben ihre Bank doch!

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Hermann_Kutzer

Hermann Kutzer, Wirtschaftsjournalist, TV-Kommentator. Für das EXtra-Magazin kommentiert er Entwicklungen der Finanzmärkte in Deutschland.

Wie ticken deutsche Privatanleger? Es gibt dazu Überraschendes, aber auch Enttäuschendes und Normales. Eine druckfrische Repräsentativuntersuchung von Forsa im Auftrag der Deutschen Wertpapierservice Bank bringt ganz unterschiedliche Facetten ans Licht. Die Finanzkrise ist für die Bundesbürger kein spektakulärer Aufreger mehr, sie wird inzwischen praktisch verarbeitet. Es bleiben aber Zweifel mit Blick auf das durchschnittliche Börsen- Know-how. Und: Können die privaten Anleger sich selbst und ihr Anlageziel wirklich genau einschätzen?

Risikoaversion bleibt

Private Anleger scheuen nach wie vor das Risiko. Keine Überraschung ist also die Erkenntnis, dass Sicherheit, Vertrauen und persönliche Beratung die wichtigsten Faktoren für deutsche Wertpapierbesitzer bei der Beurteilung ihrer Bank sind – noch vor Konditionen und Preisen. Aber dann! Mit der (angeblich so umstrittenen) Beratung bei ihrer Bank sind die Wertpapierbesitzer zufrieden: 42 Prozent aller Befragten in der repräsentativen Umfrage fühlten sich beim letzten Beratungsgespräch zu Wertpapieranlagen gut oder sogar sehr gut beraten. In Schulnoten ausgedrückt lag die Bewertung im Durchschnitt bei 2,6! Nur 14 Prozent aller Befragten gaben ihrer Bank eine schlechtere Note als 3. Allerdings erklärten auch ein Viertel aller Wertpapierbesitzer, noch nie eine Anlageberatung bei der Bank in Anspruch genommen zu haben. Die doch recht hohe Zufriedenheit mit der Bankberatung drückt sich auch in einer sehr geringen Wechselneigung aus. Lediglich 4 Prozent der deutschen Wertpapierbesitzer planen in den kommenden 12 Monaten den Wechsel ihres Depots zu einem anderen Institut.

Militante Anleger?

Dabei hat sich das Verhalten der durchschnittlichen Anleger durchaus schon verändert bzw. verändert sich gerade jetzt. Was mich am meisten verwundert, ist aber die geschilderte, eindeutig positive Haltung gegenüber den Banken und den Kundenberatern der Banken. Sind also Demonstrationen (Lehman-Zertifikate), Beschimpfungen und Klagen seit dem Vulkanausbruch 2008 nur das Werk einzelner militanter Privatleute? Haben etwa die begleitenden Medien entscheidend zu der von einem vermeintlich tiefen Misstrauen gegenüber den bösen Banken geprägten Stimmung beigetragen? Man könnte es vermuten. Drei Viertel der Wertpapierbesitzer haben Investmentanteile – Fonds bleiben das liebste Kind. Unter allen Anlageformen – die Risikoarmen haben natürlich eine klare Präferenz – steht Cash (u.a. Termingeld, Festgeld) weiter oben, verliert aber an Attraktivität. Wenn sich unsere Bürger so verhalten, wie sie es in der Studie ankündigen, dann wird die Aktie künftig stark an Gewicht verlieren – übrigens lässt auch das Interesse an Versicherungsprodukten beträchtlich nach. Die Frage nach der Risikobereitschaft zeigt – schon fast erschütternd – an, dass ein Großteil der Aktionäre gar nicht bereit ist, die natürlichen Kursrisiken der Aktie zu tragen. Und wonach richten sich die Investoren? Mit 71 Prozent ist die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der wichtigste Aspekt. Es folgt das eigene Bauchgefühl mit 59 Prozent!! Und der Bankberater ist immer noch wichtiger als etwa die Berichterstattung in den Medien!!! Machen Sie sich Ihren eigenen Reim draus – und machen Sie’s gut! Herzlichst Ihr Hermann Kutzer

Vita Hermann Kutzer

Hermann Kutzer gehört zu den ältesten journalistischen „Börsenhasen“ in Deutschland: Seit mehr als 40 Jahren beobachtet er die internationalen Finanzmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig. Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Zudem ist Hermann Kutzer Chefredakteur des B2B-Finanzmagazins ‚asset avenue‘. Besuchen Sie auch sein Webportal unter www.hermankutzer.de.

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