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Unternehmensanleihen als Alternative zu Staatspapieren

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Anleger, die in Staatsanleihen investieren möchten, haben aktuell nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera – Negativzinssatz oder hohes Ausfallrisiko. Immer mehr Anleger setzen deshalb auf Unternehmensanleihen, die häufig das bessere Rendite-Risiko-Verhältnis aufweisen.

Auch Unternehmensanleihen, sogenannte Corporate Bonds, entwickeln sich nicht unabhängig von der jeweiligen Marktsituation. Verschlechtert sich die konjunkturelle Lage, belastet dies auch die Unternehmen und deren Bonität. Und mit sinkender Bonität erhöht sich dann natürlich auch die Ausfallwahrscheinlichkeit von den begebenen Anleihen. Gleichzeitig hat das dann auch Auswirkungen auf die Neuemissionstätigkeit der Unternehmen. So brach der Emissionsmarkt in Europa mit der Zuspitzung der Eurokrise ab August 2012 fast vollständig zusammen. Dank der lockeren Geldmarktpolitik der Europäischen Zentralbank und der Bereitstel lung von über einer Billion Euro wurde auch der Corporate-Bonds-Markt wiederbelebt. Denn insbesondere institutionelle Kunden wie Versicherungen ergänzten ihre Portfolios um immer mehr Corporate Bonds, um damit das Risiko zu diversifizieren und gleichzeitig zu minimieren, ohne allerdings auf Rendite verzichten zu müssen. Und mit der gestiegenen Nachfrage stieg auch das Angebot erheblich, wie die Ratingagentur Fitch in ihrem jüngsten Marktbericht berichtet. So wurden im 1. Quartal 2012 in der EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) Anleihen im Wert von insgesamt 245 Mrd. Euro platziert. Allerdings sank im Zuge der Schuldenkrise der Anteil von Emittenten aus der Eurozone um zehn Prozentpunkte auf nun 66 Prozent.

Unternehmen haben gelernt

Und die Schere zwischen Staatsanleihen und Corporate Bonds geht immer weiter auseinander. Während die Verschuldungskrise in Europa, den USA und Japan mit immer neuem frischem Geld gelöst wird und damit die Verschuldung immer weiter steigt, haben zahlreiche große Unternehmen die richtigen Konsequenzen gezogen. Sie bauten ihre Schulden ab und erhöhten ihre Eigenkapitalquote. Die Bonität verbessert sich damit, und dies nahezu ohne große negative Auswirkungen auf die Rendite. Das macht derzeit ausgesuchte Unternehmensanleihen attraktiv. Fitch sieht die größten Risiken für das Segment daher nach Berichten des „Absolute Report“ mehr in Rating-Schocks und im Marktsegment an sich als in Ausfällen von Unternehmensanleihen.

Boom bei Mittelstandsanleihen

Vorsicht bleibt jedoch auch in diesem Segment geboten, denn immer mehr kleinere und mittlere Unternehmen streben auf den Markt. Die Ursache: Infolge sich verschärfender Kreditrichtlinien ist der Anleihemarkt für diese Unternehmen oft die einzige Möglichkeit, sich über den Kapitalmarkt Geld zu verschaffen. Die Mittelstandsanleihenmärkte sind daher unverzichtbar für die Wirtschaft. Wichtig ist in diesem Segment jedoch mehr denn je, die Spreu vom Weizen zu trennen. Erschwert werden die Informationsmöglichkeiten hier jedoch durch die geringere Transparenzpflicht der Unternehmen. Hier ist aktives Management von Fondsmanagern mit hohem know-how gefragt.

Breite Streuung über ETFs

Passive Indexfonds investieren dagegen breit gestreut in die wichtigsten Anleihen der größten, liquidesten Emittenten. Ziel ist es dabei das Ausfallrisiko für den Anleger zu minimieren.

Unternehmensanleihen auf €-Basis

Mit einem Fondsvolumen von über 3 Mrd. Euro ist der iShares Markit iBoxx Euro Corporate Bonds (WKN: 251124) der größte in diesem Segment. Der zugrundeliegende Markit iBoxx € Liquid Corporates Index umfasst die 40 größten und liquidesten in Euro denominierten Unternehmensanleihen mit Investment Grade. Der Index enthält dabei ausschließlich Rentenpapiere mit einer Restlaufzeit von mindestens 1,5 Jahren und einem mindestens ausstehenden Volumen von 750 Millionen Euro. Überdurchschnittlich vertreten im Index sind Unternehmensanleihen von Emittenten aus den Niederlanden (26 Prozent), Großbritannien (15 Prozent), Deutschland (10 Prozent) und den USA (10 Prozent). Überproportional gewichtet sind Bankenwerte und der Sektor Gesundheit. Der Index wird nach der sogenannten Sampling-Methode abgebildet. Das bedeutet: Im Depot sind nicht alle im Index vertretenen Anleihen enthalten. Die Auswahl ist aber so gewählt, dass die darin vertretenen Anleihen den Index ohne großen Tracking Error abbilden. Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,20 Prozent.

Alternative dazu auf den gleichen Index ist der ebenso volumenstarke Lyxor ETF Euro Corporate Bond ETF (WKN: LYX0EE). Die Indexabbildung erfolgt synthetisch, Erträge werden thesauriert. Die Gesamtkostenquote beträgt ebenfalls 0,20 Prozent.

Coprporate Bonds ohne Finanzwerte

Laut Fitch waren Finanzwerte mit 4,1 Prozent Bonitätsherabstufungen im 1. Quartal 2012 weit weniger betroffen als der Industriesektor. Für Entlastung sorgten hier vor allem die Refinanzierungsprogramme der EZB. Doch die Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise dürfte die Quote bereits im 2. Quartal wieder ansteigen lassen. Für alle, die deshalb Unternehmensanleihen aus dem Bereich Banken meiden möchten, bietet ETFlab die Investmentmöglichkeit in den Markit iBoxx Euro Liquid Non Financials Diversified (WKN: ETFL38) der Finanzwerte ausschließt. Der Index wird vollständig abgebildet. Die Erträge werden regelmäßig ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,20 Prozent.

Anleger, die eine noch breitere Diversifikation bevorzugen, sind mit dem iShares Barclays Euro Corporate Bond ex Financials (WKN: A0YEEX) gut bedient. Der ETF schließt ebenso Anleihen von Finanzwerten aus. Im Index sind 738 Unternehmensanleihen vertreten. Auch hier erfolgt die Indexabbildung über die Sampling-Methode. Die Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,20 Prozent.

Unternehmensanleihen in £-Sterling

Eine Alternative sind ETFs auf britische Unternehmensanleihen. State Street Global Advisors legte vor kurzem den SPDR Bar Cap Sterling Corporate Bond ETF (WKN: A1JJTS) auf. Der Index umfasst Unternehmensanleihen in Pfund Sterling aus dem Segment Investment-Grade. Wie auch bei allen vorgenannten Euro-Varianten entscheidet nicht der Sitz des Unternehmens, sondern allein die Währung der Anleihen über die Aufnahme in den Index. Auch hier erfolgt die Indexabbildung über die Sampling Methode. Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,20 Prozent.

Unternehmensanleihen in US-dollar

Auf Unternehmensanleihen in US-Dollar setzt der iShares iBoxx USD Corporate Bond (WKN: A0DPYY). Der Index bildet dabei die 30 liquidesten Investment-Grade-Unternehmensanleihen in US-Dollar ab. Dreiviertel der Schuldner stammen tatsächlich aus den USA. Darüber hinaus finden sich mit 12 Prozent Unternehmen aus Großbritannien im Index. Die Indexabbildung erfolgt via Sampling-Methode. Die Erträge werden ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,20 Prozent.

Ausgewählte ETFs auf Unternehmensanleihen

 IndexKAG
KostenWährungAbbildung
Markit iBoxx EUR Liquid Corporates iShares0,20%EURoptimiert
Markit iBoxx EUR Liquid CorporatesLyxor0,20%EURsynthetisch
Markit iBoxx EUR Liquid Non-Financials DiversifiedETFlab0,20%EURvollständig
BarCap Euro Corporate ex-FinancialsiShares0,20%EURoptimiert
BarCap Sterling Corporate BondState Street0,20%GBPoptimiert
Markit iBoxx USD Liquid Investment GradeiShares0,20%USDoptimiert