Vaamo
Oliver Vins, Vorstand & Gründer der Vaamo Finanz AG.

Vor wenigen Wochen hat das FinTech Startup vaamo ( Zum Testbericht) eine Kooperation mit N26 bekanntgegeben. N26 Kunden können nun mit N26 Invest direkt in die Anlagestrategien von vaamo ( Zum Testbericht) investieren. Im Gespräch mit Oliver Vins, Gründer & Vorstand der vaamo Finanz AG sprechen wir über diese Kooperation, über Herausforderungen bei der Kundengewinnung und wie Robo-Advisor in Zukunft mit Banken kooperieren sollten.

Seit zwei Wochen kooperiert vaamo mit dem Startup N26 (ehemals Number26). Wie sind die ersten Erfahrungen? Es gab ja vereinzelt kritische Stimmen aufgrund der Mindestgebühr?

N26 und vaamo kooperieren seit drei Wochen im Bereich der Geldanlage. Aus meiner Sicht, ist es N26 super gelungen das Thema Investment in der gewohnten Einfachheit und Leichtigkeit in die N26-App zu integrieren. Eine tolle Leistung! Wir stellen die Investmentstrategien und die komplette Abwicklungsplattform dahinter per API zur Verfügung. Die Resonanz lag deutlich über den Erwartungen.

Natürlich kann es da auch mal ein paar kritische Töne geben wie hier zur monatlichen Mindestgebühr von 1,90 Euro. Es handelt sich hier aber um ein klares Missverständnis. Die meisten Anbieter verlangen hohe Mindestvolumina von mehreren tausend Euro, um die anfallenden Kosten für die Depotführung und Transaktionen zu decken. Der Weg über die Mindestgebühr erlaubt es jedem, das Angebot erstmal auch mit kleinen Beträgen ab 10 Euro auszuprobieren bevor man dann mehr Geld anlegt. Dass es auf Dauer keinen Sinn macht ausschließlich einen Sparplan über 10 Euro anzulegen und dabei die Mindestgebühr zu bezahlen versteht sich von selbst. Mittlerweile wird die Mindestgebühr auch transparent in den Grafiken berücksichtigt.

Eine große Herausforderung ist die Kundengewinnung. Sehen Sie in Kooperationen mit anderen FinTech-Anbietern eine große Wachstumsmöglichkeit? Wie offen sind hier ihre Mitstreiter.

Je „erwachsener“ die FinTechs werden, desto interessanter werden solche Kooperationen. Eine gewisse marktreife ist aber erforderlich bevor ein solcher Schritt Sinn macht. Unsere Kooperation zeigt, dass durch die Integration ein Nutzen für den Kunden geschaffen werden kann, den dieser auch gerne annimmt. Grundsätzlich erlebe ich die Branche da als sehr offen – das liegt sicher auch daran, dass die meisten FinTechs die gleiche grundlegende Vision verfolgen: Banking einfach, fair und verständlich zu gestalten.

Könnten Sie sich derartige Kooperationen auch mit klassischen Finanzvertrieben, Finanzberatern oder Banken vorstellen? Wie offen Sie die Institute für Gespräche?

Ja. Dort hat man die Vorteile von „Robo-Advise“ mittlerweile auch klar erkannt und das Interesse ist groß. Wir bieten unsere technologische Plattform daher jetzt auch Dritten an. Dazu haben wir erhebliche Investitionen getätigt und außerdem die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um auch umfangreiche Compliance-Anforderungen der großen Banken zu erfüllen. Wir bieten unsere Lösung sowohl White-Label als auch unter unserem eigenen Namen an oder eben über eine Schnittstelle wie bei N26. Unser System ist sehr flexibel aufgebaut. Wenn es gewünscht ist, können wir z.B. auch andere Anlagestrategie und Fonds integrieren. Je nach Zielsetzung des Kooperationspartners können wir sowohl eine Vermittler- als auch eine Vermögensverwaltungslösung anbieten.

Gerüchten zufolge haben Sie eine Finanzportfolioverwaltungs-Lizenz bei der Bafin beantragt. Sehen Sie darin eine Notwendigkeit für einen Robo-Advisor. Ist das das Ende der Anbieter deren Geschäftsmodell bisher auf Finanzanlagevermittlung basiert.

Wir schauen uns das Thema natürlich ganz genau an. Sowohl das Vermittler- als auch das Vermögensverwaltungsmodell haben sich in der Offline-Welt lange bewährt und beide haben auch in der Online-Welt ihre Daseinsberechtigung mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Bei der reinen Vermittlung ist der Implementierungsaufwand geringer, die Prozesse einfach und der Kunde behält die volle Kontrolle – der Vermittler darf nur auf Weisung des Kunden handeln. Bei der Vermögensverwaltung erteilt der Kunde dem Vermögensverwalter das Mandat, im Rahmen der vereinbarten Anlagerichtlinien in eigenem Ermessen für den Kunden zu handeln. Das setzt natürlich mehr Vertrauen in den Vermögensverwalter voraus, eröffnet aber auch den Spielraum zusätzliche Services anzubieten. Was besser ist, hängt sehr stark vom Geschäftsmodell und dem Zielkundensegment ab.

Welche wichtigen Meilensteine haben Sie sich für das zweite Halbjahr vorgenommen?

Wir wollen unsere Technologie weiteren Partnern zur Verfügung stellen – selbstverständlich ohne unser erfolgreiches Endkundenangebot zu vernachlässigen. Damit kommen wir unserer Vision näher, möglichst vielen Menschen einen einfachen und fairen Zugang zu einer vernünftigen Geldanlage zu ermöglichen.

Details über den Anbieter finden Sie auf der vaamo Themenseite. Interessant ist auch das Interview „20 Fragen an Robo-Advisor vaamo„. Hier gibt es zudem eine umfassende Aufstellung der in Deutschland aktiven Robo-Advisor.

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Markus Jordan ist Gründer und Herausgeber des EXtra-Magazins. Einer der führenden ETF-Informationsplattformen in Deutschland. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf Exchange Traded Funds, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen und ist ein gefragter Experte auf diesen Gebieten.