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Verbesserte Konjunktur zur Jahreswende

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Dr Huefner Wochenkommentar

Manchmal gibt es zum Jahreswechsel nicht nur gute Vorsätze, sondern auch gute Nachrichten. Heuer ist so ein Fall. Das volkswirtschaftliche Weltbild hat sich in den letzten Wochen aufgehellt. Bisher waren wir davon aus­gegangen, dass sich das hohe Wachstum der Weltwirt­schaft von 2010 im Jahr 2011 verlangsamen würde.

 

 

Der Inter­nationale Währungsfonds rechnete in seiner Prog­nose mit einer Abschwächung von 4,8 % auf 4,2 %. Jetzt sieht es so aus, als ob 2011 doch nicht so viel schlech­ter ausfallen würde. Die amerikanische Invest­mentbank Goldman Sachs spricht für 2011 von einem „Jahr des Aufschwungs“. 2010 war für sie nur das „Jahr des Zwei­felns“. Was ist passiert?

Es ist gar nicht so schwer, die Veränderung zeitlich und örtlich zu datieren. In den USA war entscheidend, dass der Kongress die Steuersenkungen aus der Bush-Ära nicht zum Jahresende auslaufen ließ. Er hat sie noch einmal um zwei Jahre verlängert. Dadurch kommt zwar kein neues Geld in die Wirtschaft. Es entfällt jedoch eine Bremse, die sonst wirksam geworden wäre. Als das be­kannt wurde, drehte sich die Stimmung fast wie von ei­nem Tag zum anderen. Schon vorher war sie etwas bes­ser geworden, als die Notenbank ein neues Pro­gramm zum Kauf von Staatsanleihen aufgelegt hatte. Beides zusammen spricht dafür, dass die Durststrecke des letzten Jahres beim Einkaufs-Manager-Index des ISM (siehe Grafik) jetzt zu Ende geht. Viele Wachs­tumsprog­nosen für die US-Wirtschaft für 2011 wurden von 2 bis 3 % auf 3 bis 4 % angehoben. Die Arbeitslosigkeit wird dadurch freilich noch nicht profitieren.

In Europa betraf die Veränderung vor allem Deutsch­land. Hier vollzieht sich im Augenblick ein „schleichender Sinneswandel“. Bisher hatten die Meisten erwartet, dass sich das Wachstum nach den 3,6 % im Jahr 2010 nun­mehr auf 2 % „normalisieren“ würde. Jetzt setzt sich bei vielen die Ansicht durch, dass es sich bei dem Auf­schwung nicht nur um eine zyklische, sondern um eine strukturelle Er­holung handelt. Die Wirtschaft ist besser aufgestellt. Sie profitiert nicht nur von den günstigeren Bedingungen auf den Weltmärkten. Sie hat auch einen stabilen Konsum und eine hohe inländische Investitions­neigung. Von der Staatsschuldenkrise in Südeuropa wird sie kaum tan­giert. Die Auftragseingänge stiegen zuletzt preisbereinigt um 5,2 % (!) gegen dem Vormonat. Die Grafik zeigt, wie robust und von allen Widrigkeiten unangefochten der Geschäftsklima-Index des ifo Insti­tuts nach oben „mar­schiert“. Natürlich muss man bei solchen Veränderun­gen vorsichtig sein. So etwas kann sich auch schnell wieder drehen. Es ist nicht so gut durch Fakten abge­sichert wie die Veränderung in den USA.

Stimmungen in den USA und Europa

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Quelle: Federal Reserve St. Louis, ifo Institut

Ein Unsicherheitsfaktor ist der harte Winter. Er könnte die Wachstumsraten des vierten Quartals 2010 beein­trächtigen. Auch die Expansion im ersten Vierteljahr könnte niedriger sein. Das würde die Wachstumszahl für den Durchschnitt des Jahres 2011 nach unten drü­cken. Andererseits würde die Dynamik im zweiten Quar­tal diesen Jahres umso höher ausfallen, weil dann die witterungsbedingten Produktionsausfälle aufgeholt wer­den müssen. Einzig in den Schwellenländern hat sich die Situation in den letzten Wochen nicht verändert. Hier ist das Wachs­tum nach wie vor hoch. Es verlangsamt sich jedoch we­gen der hohen Zinsen. Den Einbruch der Autonachfrage in China in den letzten Wochen sollte man wohl nicht zu ernst nehmen.

Insgesamt sind das gute Nachrichten. Sie haben positi­ve Wirkungen auf die Schuldenproblematik in der Welt. Je höher das Wachstum, umso höher auch die Steuer­einnahmen und umso geringer die konjunkturbedingten Staatsausgaben. Das hilft den USA, wo die Staatsschul­den in den letzten Wochen stärker in den Fokus gerückt sind. Finanzminister Geithner hat in dramatischen Wor­ten von einer möglicherweise „katastrophalen“ Lage bei den Staatsfinanzen gesprochen. Auch in Europa könnte ein besseres Wachstum helfen. Die Gefahr, dass die fi­nanzpolitischen Konsolidierungsmaßnahmen durch ei­nen Einbruch der Konjunktur konterkariert werden, wird geringer.

Negative Auswirkungen haben Einfluss auf die Inflation. In Europa ist die Preissteigerung im Dezember über­raschend auf 2,2 % gestiegen. Sie lag damit erst­mals seit Ende 2008 wieder über der offiziellen Zielgrö­ße. Im Februar könnte sich die Rate noch weiter erhö­hen. Es hat wenig Sinn, sich damit zu trösten, dass das im We­sentlichen auf Rohstoffe und Nahrungsmittel zurückzu­führen ist. Die Kernrate (also die Preissteigerung ohne Energie und Nahrungsmittel) steigt ebenfalls (ob­wohl sie mit 1,1 % nach wie vor niedrig ist). Für den Ver­braucher ist Preissteigerung Preissteigerung, woher sie auch kommen mag. Ich vermute, dass die Geldentwer­tung bei besserem Wachstum im Laufe des Jahres noch zuneh­men wird.

Damit steigt der Druck auf die Geldpolitik, die Zügel an­zuziehen. Die Liquidität muss verringert, die Zinsen müs­sen erhöht werden. Die Schwellenländer haben damit schon angefangen. Die Europäische Zentralbank wird handeln, sowie sich die Nervosität an den Kapitalmärk­ten legt. Die Schweizer werden folgen. Die US-Noten­bank wird nicht mitmachen. Hier hatte sich in den letz­-ten Monaten doch gezeigt, dass die Wirtschaft für einen richtigen Exit noch nicht ausreichend gefestigt ist.

Für den Anleger

Die Nachrichten vom höheren Wachstum der Weltwirt­schaft sind gut für Aktien und schlecht für Renten. Einer­seits steigen die Gewinne der Unternehmen. Das dürfte vor allem den US-Märkten zugutekommen. Sie hatten sich im letzten Jahr verhaltener entwickelt. Andererseits haben Bond-Investoren Angst vor Zinssteigerungen und halten sich mit Käufen trotz der hohen Liquidität zurück. Freilich ist immer zu bedenken, dass die Entwicklung an den Märkten nicht nur von der Konjunktur abhängt. Sie entscheidet über nicht mehr als das allgemeine „Grund­rauschen“.

Dr. Hüfner kommentiert im EXtra-Magazin konjunturelle Entwicklung. Er ist Chefvolkswirt bei Assenagon Assetmanagement.

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