Der geplante Umzug der ETF-Produktpalette von Deutschland nach Irland findet nun doch nicht statt.

Im Januar hat BlackRock das Vorhaben angekündigt, die deutschen Indexfonds der ETF-Tochter iShares vorbehaltlich diverser aufsichtsrechtlicher Genehmigungen – auf die irische ETF-Produktpalette zu verschmelzen. Erklärtes Ziel war eine Fusion der deutschen mit der irischen ETF-Plattform, um Größenvorteile zu nutzen und so Gebühren für die Anleger reduzieren zu können. Doch daraus wird nun nichts, wie BlackRock heute in einem Schreiben ankündigte.

Kurz nach Ankündigung dieses Vorhabens habe BlackRock mit Geschäftspartnern, Kunden und Aufsichtsbehörden einen Dialog über die möglichen Verschmelzungen aufgenommen. „Während die Größenvorteile der Verschmelzungen durchaus anerkannt wurden, haben wir im Rahmen dieses Dialoges auch Rückmeldungen erhalten über die Auswirkungen der jüngsten und möglicherweise weiter andauernden regulatorischen Änderungen. Es wurden insbesondere operationelle Bedenken hinsichtlich der Kundenplattformen und mögliche steuerliche Auswirkungen angeführt. Im Ergebnis haben wir festgestellt, dass es im besten Interesse unserer Kunden und Geschäftspartner ist, die in Deutschland domizilierte ETF-Palette beizubehalten“, so die kurze Erklärung des ETF-Anbieters.

Komplexer als zuvor gedacht

„Die Anpassungen an MiFiD II und weitere regulatorische Bestimmungen erfordern ohnehin schon viel Zeitaufwand. Die Umstellung wäre bei einigen Kunden sehr umfangreich ausgefallen und hätte einen zeitlichen Mehraufwand erfordert. So hätten beispielsweise ETF-Sparpläne teilweise manuell umgestellt werden müssen. Auch bei Kunden außerhalb Deutschlands hätte dies zum Teil einen deutlichen Aufwand bedeutet“, so Marc Bubeck, Direktor Unternehmenskommunikation von BlackRock. Eine Rolle spielte auch der drohende Verlust des Steuervorteils, den Privatanleger genossen, die schon vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 in deutsche iShares-ETFs investiert hatten. „Daher haben wir nun von diesem Projekt Abstand genommen. Für die Anleger, Kunden und Geschäftspartner bleibt so alles beim Alten.“

Fondsstandort Deutschland gefestigt

Für den Fondsstandort München und Deutschland ist dies eine gute Nachricht: Die deutsche ETF-Produktpalette von iShares umfasst 54 ETFs mit einem Fondsvolumen von insgesamt 46,1 Milliarden Euro. Das sind knapp zehn Prozent des Volumens der in Deutschland aufgelegten Wertpapierpublikumsfonds, die sonst ins Ausland verlagert worden wären.

 

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.