Vier Regeln zum Kauf von ETFs

Die Welt der ETFs kann für Einsteiger durchaus entmutigend wirken. Es gibt inzwischen Hunderte ETFs auf unterschiedliche Vermögensklassen, Sektoren, Ländern und Regionen. Sobald man sich für einen ETF entschieden hat muss man nur noch festlegen, wie viele Anteile man erwerben möchte, nicht wahr? Leider ist es ein wenig komplizierter, zumindest, wenn Sie Ihre Kosten minimieren wollen. Wenn Sie jedoch unserer Anleitung in vier Schritten folgen, lernen Sie im Handumdrehen, wie man professionell ETF-Order erteilt. Ein Bericht von Moringstar gibt hier entscheidende Regeln zum Kauf von ETFs.

1. Prüfen Sie den Nettoinventarwert

Als ein aus zugrundeliegenden Wertpapieren bestehender Korb sind ETFs nicht mehr wert als die Summe ihrer Anteile bzw. ihr Nettoinventarwert. Market-Maker richten die Börsenkurse mittels Arbitrage laufend an dem zugrundeliegenden Nettoinventarwert aus. Ein Abschlag gegenüber dem zugrundeliegenden Kurs spornt die Market-Maker an, die ETF-Anteile zu kaufen und den aus zugrundeliegenden Wertpapieren bestehenden Korb zu verkaufen, während ein Aufschlag die Market-Maker dazu veranlasst, die ETF-Anteile zu verkaufen und den Erlös hieraus für den Kauf der zugrundeliegenden Wertpapiere zu verwenden. Angebot und Nachfrage, die hieraus entstanden sind, kurbeln den Börsenkurs des ETF sowie den Wert der zugrundeliegenden Wertpapiere an und versetzen die Market-Maker in die Lage, den Trade abzuwickeln und ihre Gewinne mitzunehmen. Authorised Participants (APs) richten die ETF-Kurse mittels des Creation-/Redemption-Prozesses mit den ETF-Emittenten aus.

Doch diese Arbitrage-Tätigkeit ist nicht perfekt. Market-Maker brauchen Zeit, um sich mit einem neuen ETF  zu etablieren. Auch etablierte ETFs mit einem niedrigen Handelsvolumen können einen leichten Auf- oder Abschlag aufweisen. Deshalb ist es wichtig, dass der Anleger den Börsenkurs mit dem Nettoinventarwert vergleicht, bevor er einen Handelsauftrag erteilt. Dadurch wird vermieden, dass zu einem zu hohen Kurs gekauft und zu einem zu niedrigen Kurs verkauft wird. Den indikativen Intraday- Nettoinventarwert, ein Schätzwert des ETF-Nettoinventarwert, der während des Handelstages veröffentlicht wird, erhalten Sie von Ihrem Broker oder der Börse.

In sehr seltenen Fällen ist der Nettoinventarwert weniger genau als der Börsenkurs häufig gehandelter ETFs. Dies geschieht jedoch meist nur in schweren Marktkrisen, wenn die Kurse von illiquiden Anleihen oder Aktien im Portfolio nicht verfügbar oder irreführend sind. Schauen Sie sich in diesem Fall an, wie der Fonds während des Tages gehandelt wird, an dem Sie kaufen oder verkaufen möchten. Weist ein ETF noch große Handelsvolumen auf, ferner einen Kurs, der nicht mit jedem Trade radikal nach oben oder unten ausschlägt sowie eher geringe Geld-/Brief-Spreads (siehe nächster Abschnitt), dann ist der Börsenkurs mit großer Wahrscheinlichkeit der bessere Indikator für den wahren Wert eines Portfolios als der Nettoinventarwert, und ein Trade kann sicher durchgeführt werden.

2. Prüfen Sie den Geld-/Brief-Spread

Der nächste Schritt besteht darin, den Geld-/Brief-Spread des fraglichen ETF zu prüfen. Wie bei einem Aufschlag/Abschlag auch, ist es umso besser, je geringer der Spread ausfällt, da Sie dann nicht nur dicht am Nettoinventarwert kaufen, sondern auch Ihre Kosten minimieren können, wenn Sie schließlich verkaufen. Der Geld-/Brief-Spread ist der Grund, warum Market-Maker Liquidität für den ETF bereitstellen. Indem sie anbieten, zu einem geringfügig höheren Kurs zu verkaufen als sie kaufen, sind sie in der Lage, gegen Angebot und Nachfrage zu traden und nehmen bei geringem Risiko kleine Gewinne mit.

Da der Geld-/Brief-Spread in der Regel in Rappen gemessen wird, verdienen Market-Maker ihr Geld durch große Handelsvolumen und führen täglich Tausende oder Millionen Trades aus. Das wiederum bedeutet, dass ETF mit höherem Handelsvolumen in der Regel von einem geringeren Spread profitieren als ETFs mit einem tieferen Handelsvolumen, da viele Market-Maker miteinander konkurrieren. Leider gibt es keine Faustregel dafür, ab wann ein Spread zu gross ist. Dies hängt vom ETF, seinem Handelsvolumen und dem Spread der zugrundeliegenden Wertpapiere ab. Bei den bekanntesten ETFs, wie denen, die den EURO STOXX 50 nachbilden, dürfte der Spread in Rappen gemessen werden, wohingegen die Geld- und Briefkurse weniger liquider Fonds gleich um einige Prozente abweichen können! Sie können den Spread von Ihrem Broker erfahren. Wenn er zu groß ist, machen Sie keinen Trade! Die Trading-Kosten gering zu halten ist ein integraler Bestandteil erfolgreicher Anlagen in ETFs. Bloss weil Sie die Kosten nicht sofort „spüren“, bedeutet das nicht, dass sie nicht tatsächlich anfallen.

3. Nutzen Sie Limit-Order

Ein Limit-Order gibt einen bestimmten Kurs vor, oberhalb dessen Sie nicht kaufen und unterhalb dessen Sie nicht verkaufen. Warum empfiehlt sich ein Limit-Order und nicht ein einfacher Börsenauftrag? Letztlich sollte es, sofern der ETF zum oder nahe dem Nettoinventarwert gehandelt wird, und der Geld-/Brief-Spread eng ist, kein Problem sein, Ihren Auftrag zu einen vernünftigen Kurs auszuführen. In den meisten Fällen trifft dies auch zu. Doch ein Limit-Order ist eine einfache und effektive Methode, mit der Sie sich vor aussergewöhnlichen Umständen schützen können, unter denen ein Börsenauftrag zu einem ungünstigen Kurs ausgeführt werden würde. Beispielsweise könnten Sie einen Kaufauftrag über 200 Anteile platzieren und davon ausgehen, dass dieser zum Briefkurs, den Sie von Ihrem Broker erhalten haben, ausgeführt wird. Wenn der Briefkurs sich jedoch nur auf 50 Anteile bezieht, könnte der Rest Ihres Auftrags zum nächsten verfügbaren (und höheren) Briefkurs ausgeführt werden. Der Geld-/Brief-Spread spiegelt die dem Börsenkurs am nächsten gelegenen Kauf- und Verkaufsaufträge wider. Er gibt jedoch nicht den Umfang dieser Aufträge wieder. Ein Limit-Order schützt Sie davor, mehr als einen bestimmten Betrag zahlen zu müssen (oder einen Verkauf für weniger als einen bestimmten Betrag tätigen zu müssen), während Ihr Auftrag immer noch zu einem besseren Kurs ausgeführt werden kann als zu dem, den Sie festgelegt haben.

Mit etwas Glück schaffen Sie es sogar, dass Ihr Auftrag im Rahmen des Geld-/Brief-Spread ausgeführt wird, was die Kosten des Trade minimiert. Einen Limit-Order können Sie auch nutzen, um von einem Auf- oder Abschlag zu profitieren. Bedenken Sie jedoch, dass jeder Limit-Order die Wahrscheinlichkeit senkt, dass Ihr Trade in Vergleich zu einem Börsenauftrag ausgeführt wird. In einem liquiden Markt stellt das zwar kein Problem dar, doch gibt es Phasen, in denen der Markt derart volatil ist, dass der Kurs des ETF sich ausserhalb Ihres Limit-Orders bewegt.

4. Handeln Sie nicht gleich bei Börsenbeginn

Im Allgemeinen ist die beste Zeit für den Handel mit ETFs eher gegen Mitte des Handelstages als am Anfang oder am Ende. Der Geld-/Brief-Spread ist meist gleich nach Börsenbeginn am grössten, weil die Market-Maker abwarten, um zu sehen, zu welchen Kursen die zugrundeliegenden Wertpapiere gehandelt werden, bevor sie einen genauen Hinweis auf den Nettoinventarwert des ETF erhalten. Am Ende des Börsentages kann es zeitweise auch sehr hektisch werden, und zwar besonders in einem volatilen Markt. Da die meisten europaweiten ETFs Wertpapiere aus verschiedenen Zeitzonen umfassen, sollten Sie Ihr Trading auf die Tagesmitte beschränken, damit es sich nicht mit Börsen überschneidet, die an diesem Tag noch nicht geöffnet haben (oder bereits geschlossen sind).

Die Ausnahme von dieser Regel sind ETFs für Wertpapiere, die in ausländischen Märkten in entfernten Zeitzonen gehandelt werden, wie den USA oder Asien. Wenn Sie beispielsweise einen ETF erwerben wollen, der den S&P 500 nachbildet, warten Sie, bis die US-Börsen am entsprechenden Handelstag eröffnen, damit der ETF nicht die Kurse der zugrundliegenden Aktien „schätzt“, welche sich seit dem Ende des Handels am vorangegangenen Tag sehr wahrscheinlich geändert haben dürften. Darüber hinaus empfehlen wir, den Verlauf des Handelstags für den Handel mit Rohstoffen, deren Kurs in der Regel in US-Dollar ausgedrückt wird, einige Zeit abzuwarten. Da die anderen Marktteilnehmer dies nämlich wissen, ist auch die Liquidität im späteren Verlauf des Handelstages besser.

Manch einer ist der Auffassung, dass die Frage nach der richtigen Tageszeit nur ein zeitweiliges Thema ist. Dan Draper, Global Head of ETFs bei Credit Suisse Global dazu: „Sobald diese ETFs gross genug sind, mit vielen Vermögenswerten, entsteht in Europa morgens mehr Liquidität und eine bessere Preisfindung als je zuvor. Davon profitieren die europäischen Anleger wirklich sehr. Also blicken sie mit Zuversicht auf den eröffnenden US-Markt, können sich ein Bild von diesem Markt machen und gute Liquidität erhalten, und das sogar nach Börsenschluss.“ Aber bis dieser Tag kommt, sollten Sie sich unbedingt an unsere vier einfachen Regeln halten, um sicherzugehen, dass Ihre ETF-Anlage einen guten Start erwischt.

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Quelle: Ben Johnson für www.morningstar.de vom 16.11.2010

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