Trotz Katalonienkonflikt - Heike Fürpass-Peter von Lyxor sieht gute Einstiegschancen für Aktien aus Spanien.

Spanien beherrschte in diesem Jahr die ökonomischen wie die politischen Schlagzeilen gleichermaßen. Bis in den Sommer sorgten vor allem die Wirtschaftsmeldungen für Aufsehen. Denn ausgerechnet das einstige Sorgenkind Spanien erwies sich in diesem Jahr
gemeinsam mit Deutschland als der Wirtschaftsmotor für die Eurozone. Angesichts der
guten Entwicklung erhöhte die spanische Regierung noch im Juli ihre Wachstumsprognose
für dieses Jahr auf drei Prozent.

IBEX 35-Index mit Kursrückgang nach Referendum in Katalonien

Dann aber rückten mit dem katalonischen Unabhängigkeitsreferendum politische Schlagzeilen in den Vordergrund. Am 1. Oktober stimmten 90 Prozent der zur Wahl gegangenen Katalanen für die Unabhängigkeit von Spanien. Nach mehrtägiger Hängepartie wurden die katalonischen Regierungsvertreter von Madrid entmachtet und Neuwahlen für den 21. Dezember angekündigt. Dies konnte nicht ohne Folgen für die Wirtschaft bleiben. Die Regierung in Madrid korrigierte ihre Wachstumserwartung für das kommende Jahr von 2,6 auf 2,3 Prozent. Bereits zuvor war es an den Börsen nach unten gegangen. Hatte der Ibex 35 noch zur Mitte des Jahres einen 2‐Jahres‐Höchstand erreicht, so ging es danach kontinuierlich bergab. Direkt nach dem Referendum lag der Index insgesamt zehn Prozent unter dem Spitzenwert aus dem Sommer. Ganz ähnlich verlief die Entwicklung bei anderen Indizes wie etwa dem Dow Jones Spain.

 

Gelegenheit für taktisches Satelliten-Investment

„Die aktuelle Situation bietet risikobewussten Anlegern die Chance, mit taktischen Investments am spanischen Aktienmarkt von der aktuellen Unsicherheit zu profitieren“, findet Heike Fürpaß‐Peter, ETF‐Expertin beim französischen Asset Manager Lyxor. Unterstützt durch die synchrone Erholung der Weltwirtschaft und Europas sowie durch die weiterhin lockere Geldpolitik der EZB sei das spanische Wirtschaftswachstum weiterhin robust. „Hinzu kommt, dass die katalanische Wirtschaft nur 20 Prozent der spanischen Wirtschaftskraft ausmacht und dass zwei Drittel der Erträge der im Ibex enthaltenen Unternehmen im Ausland erwirtschaftet werden“, so Fürpaß‐Peter. Ein Blick auf erste Frühindikatoren aus dem vierten Quartal deute darauf hin, das sich die Störfaktoren bisher allenfalls begrenzt auf die konjunkturelle Erholungsphase in Spanien auswirkten. So zeigte der von der EU‐Kommission erstellte Economic Sentiment Indicator (ESI) Anfang Oktober statt einer Eintrübung einen weiteren Stimmungszuwachs und landete auf dem stärksten Wert seit beinahe zwei Jahren.

„Risiken sind in Spanien natürlich weiterhin vorhanden“, erklärt Fürpaß‐Peter, und verweist dabei u.a. auf die zweithöchste Arbeitslosenquote im Euroraum, die starke Abhängigkeit vom Tourismus oder die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Diese Risikofaktoren seien primär jedoch nicht mit der aktuellen Katalonien‐Krise verbunden, sondern stellten grundsätzliche Herausforderungen dar, denen sich die spanische Regierung ohnehin zu stellen habe. Ihr Fazit: „Insofern öffnet sich für mutige Anleger an Spaniens Märkten derzeit ein Zeitfenster für Risikoinvestments, die über ETFs kostengünstig und effizient umgesetzt werden können“. Gerade ETFs würden in der letzten Zeit nicht mehr nur als sicherheitsorientierte Core‐Investments, sondern verstärkt auch als risikoreichere Satelliteninvestments genutzt.

Hier finden Sie alle ETFs auf dieses iberische Land.

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.